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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Osnabrücker Friedensinitiative erinnert an Deserteure in beiden Weltkriegen
Zwischenüberschrift:
Am Kriegerdenkmal in Haste vorübergehend Transparent mit Remarque-Zitat angebracht
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Im November wird traditionell an die in den Weltkriegen gefallenen Soldaten erinnert. Die Osnabrücker Friedensinitiative (Ofri) möchte stattdessen eine andere Gruppe ins Zentrum des Gedenkens rücken. Sie würdigt in Zusammenarbeit mit der Erich-Maria-Remarque-Gesellschaft die Haltung von Deserteuren. Am Kriegerdenkmal in Haste gegenüber der Paul-Gerhardt-Kirche soll bei mehreren Gelegenheiten an die Kriegsdienstverweigerer erinnert werden. Warum gerade dort? Für die Friedensaktivisten ist die Antwort klar: Für die Deserteure beider Weltkriege gibt es in Deutschland kaum Denkmäler. Warum für eine angemessene Erinnerungskultur nicht ein Kriegerdenkmal zumindest vorübergehend um diesen Aspekt erweitern?
So geschah es nun auch. Die Ofri-Mitglieder Wilfried Buck, Johannes Bartelt und Henning Heigl befestigten ein Transparent an dem Bauwerk, auf dem ein Zitat des für seine pazifistische Prosa bekannten Osnabrücker Schriftstellers Erich Maria Remarque zu lesen war. Es stammt aus dem Roman Der schwarze Obelisk″. Remarque soll es bei der Einweihung des Haster Kriegerdenkmals, bei der er 1924 selbst anwesend war, in den Kopf gekommen sein. Es konterkariert einfühlsam den damaligen kriegerischen Zeitgeist: „... Andenken der gefallenen Helden dieser armen, missbrauchten, gefallenen Helden, die alle gern noch gelebt hätten.″ Eine Handvoll Besucher fand sich auf der kleinen Wiese vor dem Denkmal mit Masken und ausreichend Abstand ein. Auf eine Gedenkansprache wurde coronabedingt verzichtet.
Dennoch erklärten die Ofri-Mitglieder im Gespräch, was sie sich bei der Aktion gedacht haben: Keine Opfer der Nazi-Justiz werden in Deutschland so wenig gewürdigt wie Kriegsdienstverweigerer, sogenannte Wehrkraftzersetzer und Deserteure. Sie gelten vielen noch immer als Verräter, die sich , vom Acker gemacht′ haben, als andere ihr Leben fürs Vaterland riskierten.″ Wilfried Buck betonte, dass es in seinen Augen genau andersherum sein müsste: Sie haben unseren Respekt und unsere Hochachtung verdient.″
Erst im Mai dieses Jahres hat der Deutsche Bundestag verurteilte Deserteure der Wehrmacht formal rehabilitiert. Bis dahin galten sie weiter als rechtskräftig verurteilte Straftäter. Schätzungen gehen von 350 000 bis 400 000 Soldaten aus, die zwischen 1939 und 1945 den Dienst an der Waffe verweigerten. Rund 30 000 Deserteure wurden vom NS-Regime zum Tode verurteilt. Darunter auch Johannes Heinrich Laumann aus Osnabrück, der am 13. Februar 1941 wegen sogenannter Fahnenflucht hingerichtet wurde.
Kaum länger als eine Stunde blieb das Transparent am Kriegerdenkmal hängen nicht zuletzt, weil die Friedensaktivisten es nicht unbeaufsichtigt lassen wollten, weil sie Beschädigungen durch Andersdenkende befürchteten. Schließlich soll es am selben Ort noch mindestens zweimal zum Einsatz kommen: Am Volkstrauertag, 15. November, sowie am Totensonntag, 22. November, jeweils zwischen 11 und 12 Uhr.

Bildtext:
Mitglieder der Osnabrücker Friedensinitiative (Ofri) brachten am Kriegerdenkmal in Haste vorübergehend ein Transparent an, auf dem an Deserteure erinnert wurde.
Foto:
Swaantje Hehmann
Autor:
Rüdiger Oberschür


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