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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Karmann-Insolvenz nach elf Jahren vor Abschluss
Zwischenüberschrift:
Ex-Mitarbeiter erhalten Teile der noch ausstehenden Gehälter
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Elf Jahre nach der Pleite von Autobauer Karmann in Osnabrück gibt es eine gute Nachricht für die ehemaligen Mitarbeiter: Sie erhalten jetzt einen Teil ihrer noch ausstehenden Gehaltszahlungen. Es ist die vierte und letzte Ausschüttung. Das Insolvenzverfahren neigt sich damit dem Ende entgegen.
In diesen Tagen werde die Schlussquote in Höhe von 15 Prozent an die Gläubiger ausgezahlt, teilte Insolvenzverwalter Ottmar Hermann mit. Mit den bisher ausgeschütteten drei Abschlagszahlungen und der jetzigen Schlusszahlung kommen die Gläubiger auf eine Quote von 46 Prozent ihrer Forderungen. In einer ersten Abschlagsverteilung im Frühjahr 2016 waren zunächst zwei Prozent, im Januar 2018 weitere 15 Prozent und im Juli 2019 nochmals 14 Prozent auf die Insolvenzforderungen der Gläubiger aus der Masse gezahlt worden.
Das Geld fließt an Lieferanten und Sozialkassen, aber auch an Ex-Mitarbeiter, deren Gehaltsbestandteile nicht insolvenzgesichert waren und im Moment des Insolvenzantrages Teil des Verfahrens wurden. Das betrifft zum Beispiel einen Großteil der Beschäftigten, die in Altersteilzeit gegangen waren.
Konkretes Beispiel: Ein Beschäftigter in Altersteilzeit, der einen Anspruch von 12 200 Euro geltend gemacht hatte, hat mit der vierten Zahlung insgesamt gut 5500 Euro aus der Insolvenzmasse bekommen. Auch einige außertariflich bezahlte Führungskräfte hatten noch Ansprüche gegen Karmann.
Mit der Quote von 46 Prozent liegt die Ausschüttung weit über dem Durchschnitt. Üblicherweise erhielten die Gläubiger bei Unternehmensinsolvenzen bundesweit eine Quote von drei bis vier Prozent ihrer Forderungen, sagt Insolvenzverwalter Ottmar Hermann.Hermann scheidet aus
Für Hermann, der die Insolvenzverfahren großer Unternehmen wie Philipp Holzmann (2002) oder Thomas Cook (2019) führte, ist es der letzte Schritt im Karmann-Verfahren. Nach elf Jahren gibt er aus Altersgründen die Verantwortung an Rechtsanwalt Jochen Humbeck ab.
Dessen Aufgabe wird es sein, die letzten Rechtsstreitigkeiten mit den Finanzbehörden zu Ende zu bringen. Auch der Fiskus will einen Teil aus der Insolvenzmasse. Sollten die Finanzgerichte die Forderungen des Finanzamtes abweisen, dürfen sich die Ex-Karmänner und Gläubiger freuen. Dann wird dieses Geld in einer fünften und definitiv letzten Ausschüttung an die Gläubiger verteilt. Das kann aber noch viele Jahre dauern.
Bei vielen Dingen mussten wir einen langen Atem haben, um die Interessen der Gläubiger mit Nachdruck einzufordern. Wir freuen uns sehr über die hohe Quote, insbesondere für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von Karmann, dass sie nun beinahe die Hälfte ihrer Forderungen ausgeschüttet bekommen.″ Mit diesen Worten werden die Insolvenzverwalter Hermann und Humbeck in einer Mitteilung zitiert.
Hermann würdigt darin auch die Rolle der IG Metall: Ein sehr großes Lob gebührt der Arbeitnehmervertretung und der Gewerkschaft, mit denen wir über die gesamte Dauer des Verfahrens konstruktiv und lösungsorientiert zusammengearbeitet haben. Das gegenseitige Vertrauen war stets die Brücke zu den Arbeitnehmern vor Ort, die unverschuldet durch die Insolvenz in eine schwierige Situation geraten waren″, so Ottmar Hermann.
Stephan Soldanski, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Osnabrück, gibt das Lob zurück: Wir schätzen sehr, wie sich die Insolvenzverwalter im Interesse der Beschäftigten und für den Erhalt des Automobilstandortes in Osnabrück stets im engen Dialog, offen und fair für die Arbeitnehmer eingesetzt haben, denn auch sie sind Gläubiger im Karmann-Verfahren.″
Am 8. April 2009 hatte der damalige Karmann-Chef Peter Harbig den Weg zum Amtsrichter angetreten und Insolvenzantrag gestellt. Damit brach der größte Arbeitgeber der Region zusammen. Die verbliebenen 3470 Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Karmanns Geschäftsmodell, der Bau von Autos im Auftrag der großen Konzerne, hatte sich überlebt. Im November 2009 entschied Volkswagen, den Produktionsstandort in Osnabrück zu übernehmen. Heute arbeiten im Fledder 2300 Menschen für VW.

Bildtext:
Elf Jahre nach der Karmann-Insolvenz erhalten Gläubiger und Ex-Mitarbeiter noch einmal Geld.
Foto:
dpa/ Friso Gentsch
Autor:
Wilfried Hinrichs


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