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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wir erwarten ein Baby!
Zwischenüberschrift:
Zucht endlich erfolgreich: Zoo Osnabrück fiebert Geburt seines ersten Nashornbabys entgegen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Seit 1979 werden im Zoo Osnabrück Breitmaulnashörner gehalten. Jetzt kündigt sich bei den seltenen Dickhäutern erstmals Nachwuchs an. Nashornkuh Amalie erwartet ein Baby!
Nie zuvor ist es dem Zoo Osnabrück gelungen, ein Nashorn zu züchten. Bulle Hans-Franz, erster Dickhäuter seiner Art am Schölerberg, starb 2015 altersschwach und kinderlos. Und auch Nachfolger Miguel, der als 18-Jähriger mit der Empfehlung von neun Vaterschaften aus Holland kam, mühte sich lange vergeblich. Doch jetzt hat er offenbar geliefert. Endlich klappt es mit dem Nachwuchs″, verkündete der Zoo am Mittwoch. Mit Nashorndame Amalie sei eines der beiden Weibchen trächtig.

500 Tage trächtig

Ausgehend von einer erfolgreichen Paarung von Miguel und Amalie im Januar 2020, werde die Geburt ihres ersten Kalbes voraussichtlich im Mai 2021 stattfinden. Denn die Tragzeit beträgt nach Angaben des Zoos ungefähr 500 Tage. Welches Geschlecht das Nashornbaby haben wird, sei noch nicht bekannt. Wir lassen uns überraschen″, sagte Zoosprecherin Lisa Simon.
Fest steht: Nashornkuh Amalie ist mit bald 14 Jahren recht spät dran für eine Erstgebärende ihrer Spezies auch wenn diese in menschlicher Obhut bis zu 50 Jahre alt werden kann. Außerdem fehlt der angehenden Mutter die Erfahrung im Umgang mit Jungtieren. Schließlich war Amalie selbst noch ganz klein, als sie aus dem Serengeti-Park Hodenhagen nach Osnabrück gebracht wurde. Sie konnte deshalb nur wenig bei anderen Artgenossen lernen″, erklärte Revierleiter Franz Schelshorn. Er zeigte sich aber optimistisch, dass sie das schaffen wird″ auch mithilfe der zweiten Nashornkuh Lia, die über die nötige Ruhe und Gelassenheit verfüge.
Darüber hinaus steht auch der Zoo Osnabrück seit geraumer Zeit im regen Austausch mit anderen Einrichtungen, um von deren umfangreichem Wissen über Nashörner zu profitieren. So viel hatte er zuletzt probiert, um seine Zucht anzukurbeln: verschiedene Gruppenkonstellationen, künstliche Befruchtungen, Futterumstellungen, Gehegeumbau alles für die Katz.

Fruchtbar dank Futter?

Den Schlüssel zum Erfolg fand Kurator Tobias Klumpe nun möglicherweise bei einem Besuch des Zoos in San Diego (USA) im vergangenen Jahr. Die Kalifornier gelten als absolute Experten auf diesem Gebiet und betreiben eigene Forschungsprojekte. In unserem Gespräch haben wir über verschiedene Nährstoffe im Futter gesprochen und die möglichen Einflüsse auf den Hormonhaushalt″, berichtete Klumpe. Daraufhin schraubten die Osnabrücker erneut am Speiseplan ihrer Nashörner herum, servierten den Tieren nur noch Gras und Heu und zack! – „ wenige Monate später war Amalie trächtig″.
Gut, ob die plötzliche Fruchtbarkeit nun tatsächlich auf die veränderte Ernährung zurückzuführen ist, könne man nicht mit Sicherheit sagen, ergänzte der Biologe: Dafür wissen wir einfach zu wenig, es kann auch Zufall sein.″ Gleichwohl habe der Zoo Osnabrück seinen Erfolg den Kollegen in Kalifornien mitgeteilt, das stärkt die Datenlage ihrer Forschung″. In jedem Fall bestehe Grund zur Annahme, dass auch das andere Osnabrücker Nashornweibchen Lia (17 Jahre) eines nicht allzu fernen Tages guter Hoffnung sei. Vielversprechende Paarungen mit Bulle Miguel seien bereits beobachtet worden.
Breitmaulnashörner gelten nach Angaben der Weltnaturschutzunion IUCN als potenziell gefährdet. Ihr Bestand in freier Wildbahn wird auf 18 000 Exemplare geschätzt. Da man nie sagen kann, wie sich die Zahl entwickelt, ist es wichtig, dass in Zoos eine Reservepopulation besteht″, erklärte Kurator Klumpe. Im vergangenen Jahr seien europaweit elf Tiere zur Welt gekommen.
Unterdessen ruft der Zoo Osnabrück die Bürger erneut zu Spenden auf. Grund ist die wiederholte Zwangsschließung wegen der Corona-Pandemie. Mindestens bis Ende November dürfen keine Besucher empfangen werden. Dem Zoo entgehen dadurch Einnahmen in sechsstelliger Höhe. Ich bin voller Sorge, was unsere finanzielle Entwicklung angeht″, sagte Zoopräsident Fritz Brickwedde am Mittwoch. Allein die Versorgung der Tiere koste 400 000 Euro im Monat. Online-Spenden seien über die Internetseite des Zoos (www.zoo-osnabrueck.de) möglich.

Bildtext:
Bei den Nashörnern im Zoo Osnabrück kündigt sich Nachwuchs an zum ersten Mal in über 40 Jahren.
Foto:
David Ebener

Breitmaulnashörner

Nach den Elefanten sind Breitmaulnashörner aus dem Süden Afrikas mit einer Kopf-Rumpf-Länge von bis zu vier Metern und einem Gewicht von zwei bis viereinhalb Tonnen die schwersten Landsäugetiere. Sie bewohnen in kleineren Weibchen- oder Junggesellengruppen die mäßig feuchte Savanne und ernähren sich von Gräsern und Kräutern. Erwachsene Männchen leben allein in einem festen Gebiet von etwa zwei Quadratkilometern. Ihr Territorium markieren sie mit Kot und Urin. Breitmaulnashörner können nur auf kurze Distanz sehr gut sehen sie sind kurzsichtig –, dafür umso besser riechen. Trotz ihres schweren, plumpen Körpers können sie eine Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Stunde erreichen. Ihre Haut ist bis zu zwei Zentimeter dick.
Natürliche Feinde haben Nashörner nicht. Allerdings werden sie vom Menschen gewildert, das heißt illegal bejagt zumeist wegen ihrer aus Keratin bestehenden Hörner, die angeblich Heilkraft besitzen. Von den Südlichen Breitmaulnashörnern gab es in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert nur noch weniger als 100 Tiere. Dank intensiver Schutzmaßnahmen konnte sich bis heute ein Bestand von wieder rund 18 000 Tieren entwickeln. Das Südliche Breitmaulnashorn gilt als potenziell gefährdet. Quelle: Zoo Osnabrück
Autor:
Sebastian Stricker


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