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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tod eines Regimegegners
 
Wohnungslosenhilfe im Bernhard-Schopmeyer-Haus
Zwischenüberschrift:
1945 wurde Bernhard Schopmeyer im Bürgerpark erschossen
 
Ein Name für das Haus Bramscher Straße 11
Artikel:
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Originaltext:
Der Zweite Weltkrieg war vorbei. Bernhard Schopmeyer freute sich über den Frieden. Während des Nazi-Regimes hatte er im christlichen Widerstand gewirkt und sich damit in Lebensgefahr begeben. Nun konnte er sich wieder ungehindert engagieren - in seinem Berufals Arbeitersekretär irn Bistum und mit seinen politischen Ambitionen. Am 23.Juni 1945 - es war ein Samstag - war er zwischen 13 und 14 Uhr mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Hause und fuhr durch den Bürgerpark. Hatte ihn der Mörder verfolgt oder ihm aufgelauert? Die Kugel traf Bernhard Schopmeyer von hinten durch Rücken, Lunge und Herz. Sechs Wochen nach Kriegsende wurde er noch Opfer eines offenbar, nationalsozialistischen Täters.

Niemand schien den tödlichen Schuss gehört zu haben. Zuhause an der Knollstraße 73 wartete die Familie auf ihn: seine Frau Maria und die sechs Kinder.` Barbara Möller, die damals zwölf Iahre alt War, erinnerte sich 70 Jahre später: Wir hatten schon zu Mittag gegessen, Mutter wollte sich hinlegen und sagte zu uns: , Wenn Papa gleich kommt: Macht ihm das Gemüse warmf″ Dann stand eine junge Nachbarin mit Bernhard , Schopmeyers Fahrrad und seiner Aktentasche vor der Tür - und sagte zuden Kindern: Wenn das eurem Vater gehört, liegt er tot im Bürgerpark.″
Barbara rannte zum Lebensmittelhändler nebenan: Onkel Heinz, du musst kommen″ Ihr sechsjähriger Bruder Ludger weckte die Mutter und sagte ihr, was er gehört hatte. Und der 15-jährige Kurt lief in seiner Not zum Renthe-Fink-Haus gegenüber. Dort befand sich ein Lazarett der britischen Armee. Der Junge fuhr mit den Soldaten in den Bürgerpark. Er hat seinem Vater die Augen geschlossen″, berichtet Barbara Möller.
Bernhard Schopmeyer wurde am 2. September 1900 in Hagen am Teutoburger Wald geboren, besuchte die Volksschule, wurde Zimmermann″ und arbeitete bis 1926. in diesem Beruf. Von da an arbeitete er als Arbeitersekretär im Bistum. Politische und soziale Themen gehörten nun zu seinem Beruf. Im Volksbüro″ unterstützte er Hilfesuchende in sozialen Angelegenheiten. Auch für das Engagement in einer Partei hatte er sich entschieden? Ende der 1920er-Iahre wurde er als Kandidat der Zentrumspartei in den Osnabrücker Magistrat gewählt und wurde bald darauf außerdem Abgeordneter im Provinziallandtag in Hannover. Schopmeyer sollte 1933 für seine Partei als Abgeordneter des Preußischen Landtages in Berlin nachrücken. Doch daraus wurde nichts, weil Adolf Hitler an die Macht kam und die Demokratie abschaifte.
Die Nationalsozialisten nahmen ihm seine politischen Ämter. SA-Leute besetzten sein Volksbüro″ und untersagten ihm, an der Wakhegge in der Siedlung ein Haus zu bauen. Doch blieb ler weiterhin für das Bistum tätig. Schwerpunkt wurde die Männerseelsorge. 1938 wurde Schopmeyer Diözesansekretär. Doch öffentlich konnte er sich nicht mehr politisch betätigen. Er sympathisierte mit dem Widerstand gegen das Nazi-Regime, suchte Kontakt zum Untergrund und engagierte sich heimlich im Windthorst-Bund, der Iugendorganisation der Zentrumspartei.
Bernhard Schoprneyeríwurde Soldat. Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde er eingezogen. Frankreichfeldzug, Polen, zwischendurch war er auch in Osnabrück stationiert. Seine Frau Maria berichtete nach dem Krieg, ihr Mann habe Schriften aus der Widerstandsbewegung mit nach Osnabrück gebracht. Auch erwähnte sie Zusammenkünfte hinter verschlossenen Türen und die Befürchtung ihres Mannes, ins Konzentrationslager verschleppt zu werden. Er habe sie zur Vorsicht ermahnt und gesagt: Ich stehe mit einem Bein im KZ.″ Und das wegen friedlicher Absichten: Seine Tochter Barbara Möller erwähnt einen Brief, in dem er mitten im Zweiten Weltkrieg Ideen über eine Art vereinigte Staaten von Europa″ entwickelte.
Als der Krieg zu Ende ging, war Schopmeyer Soldat in Flensburg. Von dort fuhr er am 3. Mai 1945 mit dem Fahrrad nach Osnabrück. Am 12. Mai war er wieder zu Hause, nahm gleich wieder seine Arbeit in der Männerseelsorge auf und machte sich Gedanken über die politische Zukunft Deutschlands.
Mit Gleichgesinnten bereitete er die Gründung der CDU vor. Schopmeyer lag dabei auch am Herzen, dass sich diese Partei nicht auf eine Konfession beschränkt, wie es bei der katholisch orientierten Zentrumspartei der Fall gewesen war. Er war am Beginn eines neuen politischen Engagements. Einer seiner Freunde schrieb später: Alle, die ihn kannten, auch seine Gegner, wussten, dass er wieder führende Stellungen bekleiden würde. Seine Gegner, die ihn kannten, waren Nationalsozialisten, die er wiederum kannte und gegen die er vorgehen wollte.
Schopmeyer war zumindest Mitverfasser eines Sofortprogramms″ für die Zeit nach dem Krieg. Darin ist unter anderem von der Entfernung aller Nazis aus der Exekutive und Iustiz″ und von der Nachprüfung der Nazi-Urteile″ die Rede, ebenso wie von einer Entfernung aller Lehrer und Lehrerinnen, die an der nationalsozialistischen Vergiftung der Iugend mitgewirkt haben″.
Eine Forderung lautet: Entschädigungslose Beschlagnahme der Wohnungen und Wohnungseinrichtung von aktiven Nazi zugunsten der Bombengeschädigten. Solange es noch einen wohnungslosen Bömbengeschädigten gibt, hat kein aktiver Nazi Anspruch auf eine Behausung.″ Befürchteten nun Nationalsozialisten, dass Bernhard Schopmeyer ihnen gefährlich werden konnte und hatten es auf ihn abgesehen? Überliefert ist dies: Am Abend vor seiner Ermordung hatte Bernhard Schopmeyer im damaligen Haus Bergmann an der Osnabrücker Ziegelstraße einen Vortrag gehalten. Seine Frau berichtete später: Als er von dieser Versammlung nach Hause kam, sagte er zu mir: , Wer sind die Männer, die da draußen vor der Tür stehen? Die verfolgen mich, die haben nichts Gutes im Schilde.″ Maria Schopmeyer war klar; dass es sich bei dem Mord an ihrem Mann um die Tat eines Nationalsozialisten handeln musste. Sie sagte in den 1950er Jahren: Außer seinem Leben-wollte man nichts; denn es fehlte nichts an Wertsachen.″ Und: Man hat mir gleich gesagt, dass er zu viel gewusst hat, dass er deshalb verschwinden musste, damit nicht noch gewisse Leute benachteiligt würden.″ So beschrieb sie das Motiv für den Mord.
Wie die Behörden mit dem Fall umgegangen sind, ist nicht überliefert. Akten sind nicht mehr aufzufinden - nicht bei der Kriminalpolizei, nicht bei der Staatsanwaltschaft und nicht im Staatsarchiv. Berichten nach wurde jedoch am Tag der Tat ein Mann festgenommen. Weil das Projektil, das im Körper von Bernhard Schopmeyer gefunden worden war, nicht zu der Waffe des Verdächtigen passte, wurde er in diesem Fall freigesprochen, aber wegen zweier anderer Morde verurteilt.
Aber wer war der Mörder? Ob der Todesschütze ein Einzeltäter war oder mehrere hinter der Tat steckten? Wie Weit dieErmittlungen gingen, ist nicht mehr bekannt. Barbara Möller ist überzeugt: Es wurde gar nichts unternommen.″ Die Öffentlichkeit erfuhr von dem Mord in Form einer kurzen Nachricht in einem Mitteilungsblatt. Eine Zeitung, die darüber berichtet hätte, gab es kurz nach dem Krieg nicht.

Bildtexte:
In Osnabrück ermordet: Bernhard Schopmeyer wird Namesgeber für das Haus Bramscher Straße 11.
Gedenken an Bernhard Schopmeyer: Grabstein auf dem Hasefriedhof, Büste im Diözesanmuseum und Stolperstein an der Knollstraße 73.
Fotos:
privat, Helga Duwendag-Strecker

Das Haus an der Bramscher Straße 11 mit Fachberatungsstelle und Tageswohnung für wohnungslose. Menschen bekommt einen Namen. Ab Juni wird es Bernhard-Schopmeyer-Haus heißen.

Damit endet auch die Suche nach einer geeigneten Benennung des Hauses. Wer war Bernhard Schopmeyer, was zeichnete ihn aus, dass der SKM-Vorstand sich gerade für ihn als Namensgeber entschieden hat? Diese Frage beantwortet Jann Weber im nebenstehenden Beitrag Tod eines Regimegegners″
Das Grab von Bernhard Schopmeyer befindet sich auf dem Hasefriedhof. Ein Stolperstein, dessen Pattin die CDU-Frarktion im Rat der Stadt Osnabrück ist wurde 2014 vor seinem Haus an der Knollstraße 73 verlegt. Zwei Straßen sind nach ihm benannt, eine im Stadtteil Schölerberg und eine in seiner Heimatgemeinde Hagen. Jedes Iahr veranstaltet die Katholische Arbeitnehmerbewegung Osnabrück an seinem Todestag, dem 23. Juni, einen Gedenktag.
Aufgrund der Corona-Pandemie wurde die diesjährige Veranstaltung zu seinem 75. Todestag, bei der es einen Gedenkgottesdienst im Osnabrücker Dom, einen Schweigemarsch zu seinem Grab auf dem Hasefriedhof und eine offizielle , Einweihung ' des Bernhard-Schopmeyer-Hauses″ an der Bramscher Straße 11 geben sollte, verlegt. Sie soll nachgeholt werden, sobald dieses möglich ist.

Bildtext:
Ein guter Name für eine gute Adresse: Das Haus mit Fachberatungsstelle und Tageswohnung wird nach Bernhard Schopmeyer benannt.
Foto:
Helga Duwendag-Strecker
Autor:
Jann Weber, Thomas Kater


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