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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Süßer Osnabrücker Städtebotschafter
Zwischenüberschrift:
„Die Himmlischen″ von Leysieffer gibt es seit 70 Jahren – und nun auch als Torte
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Sie sind auch so etwas wie Städtebotschafter: die Himmlischen″ aus dem Hause Leysieffer. Viele offizielle Osnabrück-Besucher finden die Pralinen abends auf dem Kopfkissen ihres Hotelzimmers oder bekommen sie zum Abschied als Osnabrück-Souvenir überreicht. In diesem Jahr feiern die Himmlischen″ 70. Geburtstag und haben den wieder gesundeten Traditionsbetrieb zu einer neuen Kreation inspiriert.
1950 erfand Karl Leysieffer die erste himmlische″ Praline, indem er eine geschmacklich neuartige Füllung mit Vollmilchkuvertüre und Zuckerkruste verband. Der heute rechtlich geschützte Markenname Die Himmlischen″ ist allerdings noch nicht ganz so alt. Zunächst liefen die Köstlichkeiten einfach unter dem Gattungsbegriff Sahnetrüffel. Wobei der Begriff Trüffel von der äußeren Ähnlichkeit in Form und Farbe zu den als rar und wertvoll eingeschätzten Trüffelpilzen herrührt. Während die knolligen Edelpilze in der Regel von Schweinen erschnüffelt werden, sind es bei Leysieffers Trüffeln die menschlichen Riech- und Geschmacksnerven, die in Verzückung geraten und nach mehr″ verlangen.

Priester erfindet Namen

Auch die höhere Geistlichkeit bleibt von derartigen Anwandlungen nicht verschont. So soll es ein katholischer Priester gewesen sein, der 1972 nach dem Genuss in eine Lobeshymne ausbrach und meinte, dass es auf Erden keine passende Beschreibung dafür gebe und man das Naschwerk deshalb nur als himmlisch″ bezeichnen könne.
Karl Leysieffers Sohn Axel nahm die Namensanregung dankbar auf. Schon bald danach hätten namhafte Wettbewerber wie Hussel und Rausch versucht, die Himmlischen″ zu imitieren, sagt Leysieffer-Marketing-Chefin Anna Winkler, allerdings vergebens. Den Namen dürfen sie ebenfalls nicht verwenden, denn den hat Leysieffer sich als registrierte Warenmarke schon 1972 schützen lassen.
Im Online-Shop gehen Bestellungen aus aller Welt ein. Meist von Exil-Osnabrückern, die die , Himmlischen' als eine Art Verbindung zur Heimat empfinden″, berichtet Matthias Wehmann, der zusammen mit Martin Lucht und Jan Leysieffer seit dem Neustart des Unternehmens in diesem Jahr die Geschäfte führt. Auch Japan ist unter den Versandadressen stark vertreten. Das hängt wahrscheinlich mit der großen japanischen Community in Düsseldorf zusammen, die die Leysieffer-Köstlichkeiten in der dortigen Filiale auf der Kö″ kennengelernt hat und sie, zurück in der Heimat, nicht mehr missen möchte.

Neu: Himmlische Torte″

Weil es mit den Himmlischen″ so gut geklappt hatte, ließ sich die Marketingabteilung weitere fantasievolle Namen wie Königliche″ und Paradiesische″ für abgewandelte Praliné-Schöpfungen einfallen. Neueste Idee, mit der man den 70. Geburtstag der Himmlischen″ feiern möchte, ist die Himmlische Torte″. Sie misst 16 Zentimeter im Durchmesser, wiegt 700 Gramm und sieht wie eine vergrößerte Ausgabe der kleinen Himmlischen″ aus. Um die Wirkung als Kalorienbombe″ zu entschärfen, ist die bekannte Cremefüllung von Teigschichten durchzogen.
Leysieffer gehört zu den Osnabrücker Traditionsunternehmen mit mehr als hundertjähriger Geschichte. Konditormeister Ulrich Leysieffer gründet zusammen mit Ehefrau Emilie am 1. April 1909 ein Café im Haus Krahnstraße 11. An insgesamt sechs Tischen servieren sie selbst gebackene Kuchen und Torten.
Drei Jahre später gelingt ein erster Expansionsschritt. Die Leysieffers wechseln in das Haus Krahnstraße 41, das bis heute ihr Stammhaus geblieben ist. Neben eigenem Personal bieten sie durchreisenden Konditorgesellen Kost und Logis. Dadurch erhalten sie aus anderen Landesteilen Anregungen für die Variierung der herkömmlichen Rezepturen. Ab 1936 ergänzen selbst hergestellte Pralinen das Angebot.
1944 zerstört ein Bombentreffer Geschäftslokal und Backstube. Ulrichs Sohn Karl Leysieffer beginnt 1948 zusammen mit seiner Frau Ursula den Wiederaufbau, 1950 wagen sie den Neustart des Geschäfts. Noch im gleichen Jahr gelingt der große Wurf mit der Rezeptur der (später so getauften) Himmlischen″. Deren hohe Verkaufszahlen und ihre frühe Etablierung als Osnabrugensie″, als ein schönes Stück Osnabrück″, sind maßgebliche Garanten eines gesunden Wachstums. Zum Sortiment zählen auch andere Konditorwaren, Backwaren, Pralinen, Schokoladen und Fruchtaufstriche.
Ab 1964 werden Leysieffer-Produkte auch an auswärtige Abnehmer versandt. Sie werden dadurch überregional bekannt. Eine Voraussetzung für den nächsten Schritt, die Gründung von Filialen in anderen deutschen Städten, ist damit geschaffen.

Axel Leysieffer expandiert

1966 stirbt Karl Leysieffer. Witwe Ursula führt die Geschäfte weiter, ab 1967 unterstützt von Sohn Axel, der eigentlich Architekt werden wollte, nun aber ebenfalls das Konditor-Handwerk von der Pike auf erlernt. 1973 lagert das Unternehmen Produktion, Logistik und Verwaltung in den neuen Betrieb an der Benzstraße in Atter aus. 1978 geht die erste Verkaufsstelle außerhalb Osnabrücks an den Start: die Filiale am Spiekerhof in Münster. 1980 folgt Hamburg, dann 1982 Westerland auf Sylt und in dichter Folge Mainz, Berlin, Herford, München, Hannover, Rottach-Egern, Bremen, Düsseldorf und weitere, zuletzt Paris und Peking.
Auf dem Höhepunkt, kurz nach der Jahrtausendwende, sind es mehr als 30 eigene Confiserie-Standorte und Franchisenehmer, darunter etliche mit Bistro-Restauration. Darüber hinaus werden 700 Verkaufsstellen beliefert, zum Beispiel in Delikatessengeschäften und Luxushotels. Mit Saisonkräften stehen rund 500 Mitarbeiter auf den Lohnlisten, der Umsatz liegt bei 25 Millionen Euro. Von der überregionalen Presse wird Axel Leysieffer als Deutschlands Pralinen-König″ und kreativer Dynamo des Unternehmens″ gefeiert.

Insolvenz 2019

1993 steigt Jan Leysieffer in vierter Generation in den Familienbetrieb ein und übernimmt 2002 die Leitung. Für ihn brechen schwere Zeiten an. Der Wettbewerb auch für hochpreisige Confiserie-Produkte wird immer härter, Café-Ketten wie Starbucks und McCafé drängen auf den Markt. Leysieffer-Läden haben unter den hohen Mieten in den stets angestrebten 1-a-Lagen zu leiden. Die Umsätze stagnieren oder gehen zurück, die Produktionskapazitäten in Atter sind nicht ausgelastet.
Am 2. April 2019 muss das Familienunternehmen das Insolvenzverfahren beantragen. Doch auch in dieser Lage helfen der gut eingeführte Name und das Qualitäts-Renommee. Mehrere Investoren melden ihr Interesse an, das Unternehmen zu sanieren. Die deutsch-amerikanische Familie Winkler macht das Rennen und übernimmt die Mehrheit der Geschäftsanteile.
Im Zuge der Sanierung werden unrentable Filialen abgestoßen darunter die am Osnabrücker Neumarkt und das Sortiment verkleinert. 260 Arbeitsplätze von zuletzt 360 bleiben erhalten. Die Insolvenz in Eigenverwaltung wird schließlich erfolgreich zu Ende gebracht. Die Himmlischen haben die Hölle hinter sich gelassen″, titelt unsere Redaktion im September 2019.
Nicht zuletzt mithilfe der Himmlischen″ und ihrer großen Schwester, der Himmlischen Torte″, setzen die drei von Familie Winkler bestellten Geschäftsführer Jan Leysieffer, Matthias Wehmann und Martin Lucht auf zukünftige Markterfolge.

Bildtexte:
Die Himmlischen″ sind ein wichtiger Grundstein der Firmengeschichte der Osnabrücker Confiserie Leysieffer. Die Pralinenkreation gibt es inzwischen seit 70 Jahren.
Das Leysieffer-Stammhaus in der Krahnstraße 41: Vor der Zerstörung 1944 (oben), im Jahr 1959 - es ist das Haus mit der herabgelassen Markise rechts neben der Straßenbahn; die Panoramafenster im ersten Obergeschoß geben den Cafégästen den Blickauf die noch nicht zur Fußgängerzone umgestaltete Krahnstraße frei, und heute. Mittlerweile erstreckt sich das Ladengeschäft auch auf das Haus Krahnstraße 40.
Vier Generationen Leysieffer: Firmengründer Ulrich Leysieffer, Karl Leysieffer, Axel Leysieffer und Jan Leysieffer (von oben) lenkten bis heute die Geschichte des Osnabrücker Traditionsunternehmens.
Einfach himmlisch: Die Himmlischen von Leysieffer, hier im traditionellen Dosen-Design, sind seit 70 Jahren ein Verkaufsschlager. Ursula Leysieffer verpackte die Pralinen im Geschäft noch selbst. Und auch im Torten-Format sind sie - wie alle Produkte von Leysieffer - echtes Handwerk.
Fotos:
Leysieffer/ Stefanie Hiekmann, Firmenarchiv Leysieffer, Alfred Spühr, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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