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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Probleme im Haus am Rosenplatz
 
Keine Klingel, kein Sicherungskasten
Zwischenüberschrift:
Wieder Probleme im einstigen „Skandalhaus″ am Rosenplatz
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Eine Weile lang war es still um das Haus am Rosenplatz, das in Osnabrück unrühmlichen Ruhm erlangte, als es wegen akuter Brandgefahr im Jahr 2009 für unbewohnbar erklärt und geräumt wurde. 2011 ließ der Eigentümer das mehrgeschossige Wohnhaus sanieren, die kleinen Appartements sollten insbesondere für Auszubildende und Studenten interessant sein. Doch genau die haben sich nun an unsere Redaktion gewandt und beschwert: Das Haus verkomme immer mehr, Aufzug und Türklingeln seien permanent defekt, und die Kommunikation zum Vermieter gestalte sich schwierig. Dieser hat nun in einen Flur sogar eine Wand einbauen lassen, ohne die Mieter vorher darüber zu benachrichtigen. Hinter der Wand: der Sicherungskasten. Beim nächsten Stromausfall stehen wir dumm da″, sagen die Studenten.

Osnabrück Das Haus am Rosenplatz 1 hat eine lange Geschichte. Schmuck sah es aus in den 1960er-Jahren, als es noch den Titel Wohn- und Geschäftshaus Emil Krone″ trug. Als Skandalhaus″ wurde es hingegen 2009 bezeichnet und von der Stadt wegen akuter Brandgefahr für unbewohnbar erklärt. Nach einer Sanierung im Jahr 2011 beruhigte sich die Situation. Doch inzwischen gibt es wieder Probleme am Rosenplatz 1.
Wer die Bewohner des Hauses besuchen möchte, steht vor einem ganz praktischen Problem: Es gibt keine Klingel. Also wirklich gar keine. Für keine einzige Wohnung. Rufen Sie vorher auf dem Handy an, wir machen dann auf″, sagen die Studenten, die hier in einer Wohngemeinschaft zusammen wohnen. Heißt: Es gibt eine Gemeinschaftsküche, ein Gemeinschaftsbad, und jeder hat ein eigenes Zimmer, das von einem langen Flur abgeht. Wobei so lang ist der Flur gar nicht mehr. Aber dazu später.

Tod im Fahrstuhl

Am Fahrstuhl hängt ein Zettel: Außer Betrieb″. Das ist er schon länger″, sagt einer der Mieter, der lieber nicht mit Namen in diesem Artikel erscheinen möchte sie hätten schon genug Ärger.
Gerade der Aufzug ist in die Annalen des Hauses am Rosenplatz eingegangen: Im Jahr 2005 war ein offenbar betrunkener Mann in den Fahrstuhlschacht gestürzt und gestorben.
Rund vier Jahre später stellten die Stadtwerke wegen akuter Brandgefahr den Strom ab. Die Stadt kündigte kurz darauf eine Räumung des Gebäudes an, das in Osnabrück mittlerweile unter dem wenig schmeichelhaften Beinamen Skandalhaus″ bekannt war.
So weit ist es jetzt noch nicht und doch ist Strom auch jetzt wieder ein Thema. Während des Lockdowns im Frühjahr waren viele Studenten nicht in Osnabrück, sondern zu Hause bei ihren Eltern Präsenzveranstaltungen fanden ja ohnehin nicht statt. Als sie zurückkehrten, erlebten die WG-Bewohner eine große Überraschung: Mitten in dem Flur, von dem ihre Zimmer abgehen, stand auf einmal eine Wand.

Wand ohne Vorwarnung

Die Gemeinschaftsküche, die sich nun jenseits dieser Wand befand, war offenbar kurzerhand in ein leer stehendes Zimmer im vorderen Bereich integriert worden. Was jetzt hinter dieser Wand ist und wer da wohnt und so weiter, das wissen wir gar nicht″, sagt ein Mieter. Allerdings ist da unser Sicherungskasten.″ Wenn es jetzt einen Kurzschluss gebe, könnten sie nichts machen. Es gebe zwar einen Hausmeister, doch der sei am Wochenende nicht da.
Uns hat auch niemand informiert″, fährt der Mieter fort. Ihre privaten Küchenutensilien seien einfach von irgendwem zusammengepackt und in einen ihrer Räume gestellt worden.
Die Studenten sind der Meinung, dass man ihnen den Zugang zur bisherigen Gemeinschaftsküche nicht einfach hätte wegnehmen dürfen. Schließlich habe man Küchenschränke und - geräte beim Einzug mit übernehmen müssen. Der Neuwert der Küche samt Montage wird im Mietvertrag mit einem Wert von 1200 Euro angegeben. Jeder Mieter verpflichtete sich, einen Miteigentumsanteil von zehn Prozent zu übernehmen, also 120 Euro.

Bezahlt und defekt

Doch ob die Küche tatsächlich 1200 Euro wert ist? Das ist zumindest zweifelhaft. Der Backofen und die Dunstabzugshaube funktionieren nicht, erzählen die Studenten. Doch da es so viele Miteigentümer der Küche gibt und die Fluktuation im Haus groß ist, fühlt sich niemand zuständig. Wem genau gehört die Küche denn überhaupt? Das kapiert keiner. Wenn man hier auszieht, müsste der nächste Mieter ja einem das Geld zahlen, doch oft gibt es keinen direkten Nachmieter″, sagt ein Bewohner und fragt sich, wie viele Mieter wohl schon für diese Küche 120 Euro bezahlt haben, die doch längst abbezahlt sein müsste. Wir haben dann so einen mobilen Backofen gekauft, aber den sollen wir nicht benutzen″, fügt ein anderer Student hinzu.
Eigentümer des Wohnhauses ist die Unternehmensgruppe Lehmann in Hohen Neuendorf in Brandenburg. Unsere schriftlichen Anfragen bleiben unbeantwortet, am Telefon heißt es, man wolle dazu keine Stellung nehmen.
Mit uns will da auch nie jemand reden″, trösten die Mieter. Im Flur hängt zwar ein Kummerkasten″ mit der Aufschrift: Eure Meinung ist uns wichtig!″, doch die Studenten lachen nur: Das ist eine Attrappe.″ Ihre Beschwerden, zum Beispiel über vergilbte Toiletten oder dreckige Duschvorhänge, seien bislang zumindest nicht erhört worden.
Hoffnung darauf, dass sich in Kürze die Situation im einstigen Skandalhaus″ verbessert, haben die Bewohner nicht. Sie verfahren derzeit nach dem Motto Augen zu und durch″. Bald werden sie ihr Studium beendet haben und ausziehen. Bezahlbarer Wohnraum ist knapp in Osnabrück. Und bezahlbar″ sind die Zimmer am Rosenplatz 1 wobei die Studenten eine Miete von rund 330 Euro für rund 30 Quadratmeter in einer Umgebung, die sie selbst als schwierig″ bezeichnen, trotzdem als etwas hoch empfinden.
Immerhin: Wenige Tage nach unserer Anfrage beim Eigentümer wurde der seit Wochen defekte Fahrstuhl repariert. Am Montag melden sich die Mieter noch einmal in der Redaktion und mailen ein Foto. An dem Aufzug hängt ein neues Schild: Vorübergehend außer Betrieb.″

Bildtexte:
Ein Vorzeigeobjekt war das damals als Wohn- und Geschäftshaus Emil Krone bekannte Haus (links im Jahre 1965). Heute liegt vieles im Argen. Twar wurde das Haus 2011 von einem Investor saniert - die Wohnungen sollten vor allem für Studenten und Auszubildene interessant sein - doch seit Jahren gibt die Adresse Rosenplatz 1 nur noch als " Skandalhaus"
Vorübergehend? Außer Betrieb ist der Fahrstuhl bereits seit Längerem.
Ursprünglich endete der Flur gar nicht hier. Was sich jenseits dieser Wand befindet, wissen die Mieter nicht.
Klingeln gibt es in dem Wohnhaus nicht.
Backofen und Dunstabzugshaube in der Küche sind kaputt.
" Eure Meinung ist uns wichtig" steht auf dem Kummerkasten im Hausflur. Die Mieter haben allerdings andere Erfahrungen gemacht.
Fotos:
Georg Bosselmann, Museum für Industriekultur, Jörn Martens, Achenbach
Autor:
Cornelia Achenbach


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