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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Zeigen Ampeln den Bussen unnötig Rot?
 
Wegen dieser Ampeln sieht die Politik rot
Zwischenüberschrift:
Busse ausgebremst: Osnabrücker Stadtverwaltung unter Druck
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Mit einem Durchschnittstempo unter 17 km/ h gehöre der ÖPNV in Osnabrück zu den langsamsten bundesweit, schimpft Verkehrspolitiker Michael Kopatz (Grüne). Ein Grund für die lahmen Linien sei fehlende Vorfahrt an bestimmten Kreuzungen. An manchen Ampeln im Stadtgebiet würden Busse nur deshalb zum Stopp gezwungen, weil die in den Lichtsignalanlagen eingebaute Vorrangschaltung nicht aktiviert sei.
Gemeinsam mit anderen Stadtwerke-Aufsichtsräten von CDU und SPD mobilisierte Kopatz deshalb den zuständigen Ratsausschuss. Die Verwaltung muss nun bis Mitte Januar Abhilfe schaffen oder wenigstens eine gute Erklärung für die mutmaßlichen Fehler in der Ampelsteuerung liefern. Wir haben vorab mit den Verantwortlichen im Rathaus gesprochen.

Osnabrück Eine Reihe von Ampeln in Osnabrück gibt Bussen offenbar keinen Vorrang, obwohl sie es könnten und sollten. Die Stadtverwaltung ist aufgefordert, das Problem schnellstens zu lösen. Denn je langsamer der ÖPNV, desto teurer wird es für den Verkehrsbetrieb.
Bereits 2017 rechneten die Stadtwerke Osnabrück (SWO) vor: Jeder einzelne Stundenkilometer, um den sich die Durchschnittsgeschwindigkeit aller Busse verringert, kostet den kommunalen Verkehrsbetrieb 1, 4 Millionen Euro im Jahr extra. Denn für die Einhaltung des Linientakts braucht es unter diesen Umständen mehr Fahrer und Wagen. Tatsächlich wird der öffentliche Nahverkehr in Osnabrück auch immer langsamer.

Unter 17 km/ h

Habe das mittlere Tempo auf den Linien vor einigen Jahren noch etwa 20 km/ h betragen, sei es inzwischen auf unter 17 km/ h gesunken, teilte das Unternehmen am Freitag auf Anfrage unserer Redaktion mit. Und bestätigte damit eine Zahl, mit der am Abend zuvor die SWO-Aufsichtsräte der drei großen Fraktionen den Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (StUA) erschreckt hatten. So langsam wie in Osnabrück ist der ÖPNV in kaum einer anderen deutschen Stadt″, zürnte Michael Kopatz (Grüne). Was ihn und die anderen Politiker besonders auf die Palme brachte: An manchen Kreuzungen werden Busse offenbar nur deshalb zum Anhalten und Warten gezwungen, weil die in den Ampeln eingebaute Vorrangschaltung nicht aktiviert ist.
In einem gemeinsamen Dringlichkeitsantrag führen CDU, SPD und Grüne insgesamt acht solcher Problem-Ampeln auf. Diese befinden sich nahe der Bushaltestelle Altstadt-Bahnhof″ stadteinwärts, entlang der Möserstraße sowie an den Knoten Wachsbleiche/ Natruper Straße und Meller Straße/ Hannoversche Straße, außerdem am Saarplatz und am Eversburger Platz. Auch Ampeln an der nördlichen und südlichen Kreuzung von Bramscher Straße und Hansastraße stehen auf der Liste. Dabei wurden Schaltungen zwischen Hasetor und Autobahnzubringer erst vor einem Jahr auf langer Strecke neu programmiert, nachdem sich gerade im Bereich Haster Mühle viele Autofahrer durch eine neue Lichtsignalanlage schikaniert gefühlt hatten: Diese diente dazu, kreuzende Linien schneller durchzulassen, zeigte dem übrigen Verkehr aber oft auch dann Rot, wenn gar kein Bus in der Nähe war.
Eine Busbeschleunigung an all diesen Stellen sei Ende 2019 mit dem vierten Osnabrücker Nahverkehrsplan (NVP) beschlossen worden, betonten nun die Antragsteller im StUA. Auch seien die erforderlichen Vorrangschaltungen zwar technisch bereits vorhanden, können jedoch von den Busfahrern nicht genutzt werden, weil die Freigabe fehlt″. Die Stadtverwaltung werde deshalb aufgefordert, dies bis zum 15. Januar 2021 nachzuholen. Sollte eine Aktivierung im Einzelfall″ nicht möglich sein, verlange der Ausschuss dafür eine ausführliche schriftliche Begründung. Wörtlich heißt es in dem einstimmig verabschiedeten Dringlichkeitsantrag: Diese Vorrichtungen sind dringend geboten für die Fahrplanstabilisierung und damit Wirtschaftlichkeit des Busbetriebs in Osnabrück. Sie können und müssen kurzfristig umgesetzt werden.″

Oft herrscht Funkstille

Erst im Herbst 2019 hatte unsere Redaktion darüber berichtet, dass in Osnabrück jeder dritte Bus zu spät kommt und in knapp einem von 100 Fällen überhaupt nicht. Fahrgast- und damit auch Einnahmerückgänge waren nach Angaben der Stadtwerke schon damals spürbar. Zu den Ursachen für Ausfälle und Verspätungen zählte das Unternehmen aber nicht nur Baustellen, überlastete Straßen, ein fehlendes Park-and-ride-Angebot sowie plötzliche Krankmeldungen im stets dünn besetzten Fahrdienst.
Vielmehr seien es oft Ampeln, die den Linienverkehr unnötig ins Stocken brächten. Denn der Aufwand, eine Ampelsteuerung durch den Bus hinzubekommen, sei gering technisch wie finanziell. Die an Bord benötigten Geräte würden nur wenige Hundert Euro pro Stück kosten und ließen sich im Handumdrehen einbauen, erklärten Verantwortliche. Sei auch die Lichtsignalanlage passend ausgerüstet, könne sich ein nahender Bus an einem von den Stadtwerken festgelegten Punkt per Funk bei der Ampel anmelden, woraufhin diese der gesamten Warteschlange im nächsten Umlauf ein paar Sekunden extra gewährt bei Bedarf auch zweimal. Auf der anderen Seite der Kreuzung melde der Bus sich wieder bei der Ampel ab. Vorausgesetzt, er hat es in einem der beiden verlängerten Durchgänge dorthin geschafft. Eine dritte Ausnahme gibt es nicht.

Jede zweite Ampel

Bei rund der Hälfte der 130 Ampeln im Stadtbusnetz funktioniere das so, berichtete Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke seinerzeit. Richtig ärgerlich seien aber jene 60 bis 70 Ampeln″, die überhaupt nicht vom Bus zu beeinflussen zu seien, weil trotz entsprechender Vorrichtungen zwischen Fahrzeug und Anlage keine Kommunikation stattfinde.
Zwischen Stadtwerken und Stadtverwaltung gebe es diesbezüglich seit Langem konstruktive Gespräche″, versicherte das Unternehmen am Freitag auf Nachfrage unserer Redaktion. Es begrüße jede Maßnahme, die den Busverkehr in Osnabrück beschleunigt″. Und auch im Rathaus besteht offenbar die feste Absicht, den örtlichen ÖPNV (wieder) schneller zu machen. Natürlich wollen wir hier Verbesserungen erreichen jedoch ohne dabei den Individualverkehr auszubremsen″, beschrieb Dirk Ohde, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Geodaten und Verkehrsanlagen, am Montag den Spagat für die Behörde: Wir brauchen einen Kompromiss.″

Neue Umweltampel″

Das Thema Ampelsteuerung sei hochkomplex″, so Ohde weiter. Deshalb könnten auch nicht alle vom StUA bemängelten Lichtsignalanlagen ohne Weiteres für den ÖPNV optimiert werden, wie eine erste Prüfung ergeben habe.
Die Kritik aus dem Ausschuss treffe seine Abteilung zudem in einer Phase des Übergangs″. Denn die Stadt schaffe gerade neue Software an, die ein sogenanntes umweltsensitives Verkehrsmanagement erlaube also dafür sorgt, dass die Luft in Osnabrück nirgends zu stark verschmutzt wird. Damit sei künftig auch eine ganz andere Busbeschleunigung möglich″.

Bildtexte:
Zum Anhalten gezwungen: An manchen Kreuzungen in Osnabrück müssen Busse offenbar nur deshalb lange warten, weil die in den Ampeln eingebaute Vorrangschaltung nicht aktiviert ist.
Im Herbst 2019 erklärte Osnabrücks Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke unserer Redaktion anhand einer Zeichnung, wie Busse und Ampeln miteinander kommunizieren können.
In Osnabrück kommen Bus oft nur schleppend voran, wie hier auf der Martinistraße.
Fotos:
Michael Gründel, Sebastian Stricker, Jörn Martens

Kommentar
Ampelsteuerung am Limit

Wenn es doch nur so einfach wäre: Knopfdruck hier, Knopfdruck da, und der Bus hat an der nächsten Ampelkreuzung freie Fahrt. Anstatt bei Rot wertvolle Sekunden zu verlieren, rauscht er ungehindert durch bis zur nächsten Haltestelle, um dort zu jeder versprochenen Uhrzeit lauter zufriedene Fahrgäste aufzunehmen und abzusetzen. Verspätungen? Fehlanzeige.
Leider ist die Realität eine andere auch und gerade in Osnabrück. Hier stehen die Linienbusse nur allzu oft im selben Stau wie die Autos. Der ÖPNV hat dadurch in den vergangenen Jahren stark an Tempo eingebüßt. Und kostet die Stadt und ihren Verkehrsbetrieb nicht zuletzt deshalb inzwischen ein paar Millionen Euro mehr im Jahr.
Wie kriegt man den öffentlichen Nahverkehr nun wieder flott? Eine der Stellschrauben behördlicherseits ist die Ampelsteuerung. Gewährt sie Bussen Vorrang, kann sich das an vielen Stellen im Liniennetz als segensreich erweisen und tut das oft auch schon. Aber offenbar nicht überall, wo es (unter Umständen) möglich wäre. Oder sogar geboten. Insofern ist es gut, wenn die Politik auf mutmaßliche Versäumnisse hinweist und der Verwaltung Beine macht, wie jetzt im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt geschehen.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die Steuerung von Ampeln in einer Großstadt ist wahnsinnig kompliziert und das in Osnabrück genutzte Computerhirn am Limit. Eine zufriedenstellende Busbeschleunigung dürfte es daher wohl erst geben, wenn 2021 das umweltsensitive Verkehrsmanagement Einzug hält.

s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


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