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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ehrenbezug kritisch sehen
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Kein Vorbild, kein Demokrat Das Graf-Stauffenberg-Gymnasium Osnabrück und sein schwieriger Namenspatron″ (Ausgabe vom 20. Oktober).

Dem Osnabrücker GSG-Schulleiter Thomas Grove kann in seiner differenzierten Haltung zum , schwierigen′ Namenspatron nur der Rücken gestärkt werden. Ob Klaus Schenk Graf von Stauffenberg antidemokratisch mit nationalistisch-militaristischer Grundhaltung, Mitglied spiritistisch-romantisierender Elitenzirkel auch bei einer besseren militärischen Gesamtlage das Hitler-Attentat überhaupt ausgeführt hätte, bleibt umstritten, ebenso seine Läuterung vom Saulus zum Paulus in seinem Dünkel zur Ostbevölkerung. […]
Aber es geht meines Erachtens nur mittelbar um Stauffenberg; primär geht es um unsere Erinnerungs- und Verehrungskultur und den (heutigen) Umgang damit. Früher hieß eine staubige Piste , Sandweg′, der Platz vorm Rathaus , Rathausplatz′ und die Schule am Wald eben , Waldschule′. Seit dem späten 18. Jahrhundert wandelten sich Namensgebungen vermehrt in die Verklärung der den herrschenden Systemen jeweils genehmen Heldenfiguren.
Das solche Ehrenbezeugungen (und natürlich auch die , Geehrten′) auf Basis neuer Fakten und wissenschaftlicher Analysen heute viel kritischer gesehen werden, ist zu begrüßen doch für viele Zeitgenossen auch lästig, verlieren hierdurch doch viele dieser namensstiftenden , Lichtgestalten′ wie Kaiser Wilhelm, Paul von Hindenburg, Ernst Moritz Arndt, Agnes Miegel, Otto von Bismarck, Martin Luther, Turnvater Jahn etc., um nur einige zu nennen und eben auch Graf Stauffenberg –, mehr oder weniger den in den Zeiten um sie gewobenen Heiligenschein. Ob nach solch ambivalenten Personen benannte Institutionen und Orte umbenannt werden sollten, ist eine andere Diskussion. Die stete Auseinandersetzung mit Mensch, Mythos und tatsächlichem Wirken darf jedoch nie unterbleiben, denn Namen sind eben nicht nur Schall und Rauch.″
Klaus Schafmeister
Georgsmarienhütte

„[…] Für mich sind zunächst einmal alle Widerständler ehrenhafte Menschen, die sich nachweislich gegen die extreme Nazi-Barbarei , etwas getraut′ haben, wenn auch spät. Häufig mussten sie das mit ihrem Leben bezahlen.
Hier spielt es für mich insofern und zunächst keine Rolle, ob solch ein Mensch zum Beispiel wie Hitlers späterer militärischer Geheimdienstchef Canaris als Chef des Kriegsgerichts 1919 zum Beispiel die Mörder von Luxemburg und Liebknecht , herauspaukte′ oder eben wie Stauffenberg einem rassistisch-gruseligen Elitedenken anhing.
Allerdings: Das politische , Gesamtweltbild′ sollte in Bezug auf den Grad ihrer Ambivalenz und damit ihrer möglichen Vorbildfunktion für die Demokratie heute schon eine Rolle spielen dürfen.
Diese Messlatte hilft, um die immer noch andauernde Ikonisierung von Stauffenberg und anderer lange nazi-affiner Nationalkonservativer zu beenden. […]″
Harald Klausing
Osnabrück

Ich bin mir sicher, dass man von Zeit zu Zeit hinterfragen muss, ob ein Namensgeber wirklich noch zeitgemäß ist. Wenn der Leiter einer Schule sich mit dem Namenspatron öffentlich auseinandersetzt, ist dies aller Ehren wert und verdient Hochachtung in unserer Gesellschaft. Bei der Person Stauffenberg mag es sich zwar nicht um einen lupenreinen Demokraten handeln, aber zumindest um einen Menschen unserer dunkelsten Vergangenheit, welcher bereit war, sich umfassend im Widerstand zu engagieren.
Dass er Beziehungen zum Kreisauer Kreis pflegte, belegt seine Suche nach einer Erneuerung der Gesellschaft und die Ablehnung der Gleichschaltung der Nazis. Er war ein Kind seiner Zeit, das die Demokratie nie standfest, wie wir, erlebt hat. Stauffenberg hat aber den Mut zur Veränderung gehabt, im Bewusstsein, sein Leben dabei zu verlieren! Coûte que coûte! Aktuell gibt es sicher notwendigere Beispiele für einen Patronatswechsel, auch an Schulen!
Jochen Krainer
Bissendorf

Bildtext:
Schulen tragen oft den Namen von bedeutsamen Persönlichkeiten. So auch das Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Osnabrück. Doch nicht immer werden diese Ehrungen Jahre später noch als ehrenhaft angesehen.
Archivfoto:
David Ebener
Autor:
Klaus Schafmeister, Harald Klausing, Jochen Krainer


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