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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Vertrauensverhältnis in Gefahr
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
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Originaltext:
Zum Artikel Klinik-Streit: Der Ton wird rauer″ (Ausgabe vom 7. Oktober) erhielten wir u. a. die Zuschrift von Dr. Thomas Krampulz, ehemaligem Oberarzt in der Neurochirurgie, Paracelsus-Klinik Osnabrück.

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Vielleicht ist die Erinnerung an die Gründe für die Schieflage der Paracelsus-Klinik zu kurz. Ein wichtiger Grund ist meines Erachtens sicherlich, dass das Marienhospital (MHO) selbst kräftig als Totengräber für die Paracelsus-Klinik gearbeitet hat. Die Neurochirurgische Klinik der Paracelsus-Klinik, die im Landesbettenplan als einzige Neurochirurgie im Umland vorgesehen war, stellte bis 2006 die Versorgung der Patienten im Stadtgebiet und im Umland sehr gut sicher.

Dieses funktionierende System wurde damals durch die […] Einrichtung einer zweiten Neurochirurgie am MHO zerstört. Dieses geschah gegen die Einwände von Kostenträgern, Politik und Ärzten. Über Jahre konnten neurochirurgische Leistungen, die im MHO erbracht wurden, mit den Kostenträgern nicht abgerechnet werden, denn es fehlte die offizielle Anerkennung. Man hat diese Strategie meines Wissens dennoch bis zur Insolvenz der Paracelsus-Klinik durchgezogen und gibt heute den Retter.

Mit der aktuell geplanten Errichtung des Neurozentrums am Natruper Holz durch den Niels-Stensen-Krankenhausverbund soll so meine Einschätzung die nächste funktionierende Klinikstruktur in Osnabrück jetzt am Klinikum ins Wanken gebracht werden. […]″

Dr. Thomas Krampulz
Osnabrück

Man muss in die Mitte des 19. Jahrhunderts der Osnabrücker Geschichte zurückblicken, um die Wurzeln dieser eigentlich heilsamen, doch immer wieder unseligen Konkurrenz zweier anerkannt guter und notwendiger Intensiv-Krankenhäuser in unserer Stadt zu entdecken. Das katholische Marienhospital neben der Johanniskirche hatte zunächst 1859 die Nase vorn. Es war nach Königin Marie von Hannover benannt worden und in Selbstverpflichtung allen Konfessionen offen. Damals galt es vielen Protestanten dennoch als ein , katholischer Angriff′ auf die Stadt. Senator Gosling rief alle Mitbürger 1861 zu Spenden auf: , Die Einrichtung des Marienhospitals macht ein städtisches Krankenhaus nicht entbehrlich. Das jetzige würde selbst nach einem Umbau nicht genügen. [...]

Unsere Vorfahren haben Größeres und Schwereres mit gemeinsamen Kräften geschaffen; mögen wir, die wir täglich die Denkmale ihrer christlichen Liebe und ihres Bürgersinns vor Augen haben, zeigen, dass das Interesse für unsere Vaterstadt mit ihrem Aufblühen gleichen Schritt hält.′ 1865 wurde das Stadtkrankenhaus vor dem Heger Tor eröffnet, in dem Gebäude, das heute die Volkshochschule beherbergt. Leider wird immer wieder vergessen, dass in Osnabrück trotz wirtschaftlicher Konkurrenz das ausgleichende Einvernehmen zwischen katholisch und evangelisch, zwischen Kirche und Kommune, zum unverzichtbaren Standard der Friedenstadt geworden ist.

Warum um Himmels und der Vernunft willen! kann man denn nicht die 50 neurochirurgischen Betten der alten Paracelsusklinik auf beide Intensivkliniken gleichermaßen verteilen, wo doch in beiden dafür fachlich qualifizierte Ärzte und hochmoderne Einrichtungen vorhanden sind und es in einem so großen regionalen Oberzentrum wie Osnabrück genügend medizinische Nachfrage für die neurochirurgische Auslastung beider Häuser gibt?

Heinz-Dieter Pees
Osnabrück

Dem Klinikum Osnabrück scheint es wirklich schlecht zu gehen, anders ist die unglaubliche Entgleisung des Geschäftsführers gegenüber der Paracelsus-Klinik nicht zu verstehen. Und dass Schlaganfallpatienten, die in der Paracelsus-Klinik landen, bedauert werden, ist eine beschämende Herabwürdigung auch von Kollegen. Eigentlich sollte doch das Wohl der Patienten im Vordergrund stehen, sodass die einzelnen Kliniken ihre jeweiligen Stärken ausspielen und vertrauensvoll zusammenarbeiten. Davon kann anscheinend keine Rede sein, was das Vertrauensverhältnis zwischen Patient und Krankenhaus zerstören kann.″

Prof. Dr. Dieter Alt
Osnabrück

Im Gegensatz zu der Äußerung von Herrn Küster, Direktor des Klinikums, darf ich mich glücklich schätzen, bei, richtiger nach einem Schlaganfall in die , Para-Klinik′ gebracht worden zu sein. In relativ kurzer Zeit haben die Mitarbeiter/- innen dort, Ärzte/ Ärztinnen, Pfleger/- innen, Logopäden/ Logopädinnen, Ergo- und Physiotherapeuten/- therapeutinnen mich, den damals hilflosen, halbseitig gelähmten, sprechgestörten und gehunfähigen Patienten so weit wiederhergestellt, dass nach wenigen Monaten kaum jemandem noch bei mir Spuren des Schlaganfalls auffallen.

Das Bedauern des Herrn Küster ist also nicht angebracht, und mir seien Zweifel erlaubt, dass das Niveau der Leistungen im Klinikun am Finkenhügel höher ist als in der Klinik am Natruper Holz. In jedem Fall wäre eine Entschuldigung von Herrn Küster für seine abschätzigen Äußerungen fällig.″

Dr. med. vet. Dr. rer. nat. Michael Brackmann
Ostercappeln

Bildtext:
Im Osnabrücker Klinik-Streit zwischen Klinikum Osnabrück (KOS) und der Niels-Stensen-Gruppe mit ihrem Standort Paracelsus-Klinik sind die Fronten verhärtet.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Dr. Thomas Krampulz, Heinz-Dieter Pees, Prof. Dr. Dieter Alt, Dr. med. vet. Dr. rer. nat. Michael Brackmann


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