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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
So fand die „Lebensquelle″ ihre neue Bleibe
 
Neuer Standort für die „Lebensquelle″
Zwischenüberschrift:
Nach dem Deal vom Güterbahnhof zieht die Freikirche um – Die 3G Group gibt es nicht mehr
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Dass die Aloys-&- Brigitte-Coppenrath-Stiftung den Güterbahnhof kaufen konnte, war nur möglich, indem der evangelischen Freikirche Lebensquelle″ eine neue Bleibe vermittelt wurde. Bei diesem über anderthalb Jahre eingefädelten Deal machte auch die Bauverwaltung der Stadt Osnabrück mit. Auf dem Güterbahnhofsgelände hatte sie noch eine kirchliche Nutzung ausgeschlossen, indem das Gelände zum Gewerbegebiet erklärt wurde. Die Lebensquelle″ wollte dort ursprünglich eine Kirche für 3000 Gläubige errichten. Später legte sie Pläne für ein Gotteshaus mit 1100 Sitzplätzen vor. Auch das lehnte die Stadt ab. Jetzt hat die Freikirche ein anderes Grundstück gefunden, und es steht die Frage im Raum, was sie dort bauen darf. Wo es liegt, erfahren Sie auf der ersten Lokalseite.

Osnabrück Es war ein Hindernislauf mit Unterbrechungen. Am Ende gehörte der ehemalige Güterbahnhof der Coppenrath-Stiftung, die 3G Group löste sich auf, und die Lebensquelle″ bekam ein neues Grundstück in Osnabrück, auf dem sie wohl schon bald ihre eigene Kirche bauen kann. Die Verhandlungen müssen kompliziert gewesen sein, sie zogen sich über eineinhalb Jahre hin und wurden mehrfach unterbrochen, weil sie zu scheitern drohten. Manfred Hülsmann, der Kuratoriumsvorsitzende der Coppenrath-Stiftung, drückt es so aus: Wir sind schon mal aufgestanden und haben gedacht, es geht nicht weiter!

Im August 2019 stellte die Stiftung gemeinsam mit der Stadt Osnabrück ihr geplantes Zentrum für Künstliche Intelligenz im Ringlokschuppen vor. Zu dem Zeitpunkt arbeiteten Vorstand und Kuratorium schon an der Vision, das ganze Güterbahnhofsgelände zu erwerben und in einen modernen Stadtteil zu verwandeln, in dem Menschen wohnen, arbeiten und ihre Freizeit verbringen können. In den Kaufverhandlungen fanden die Unterhändler der Stiftung mit der 3G Group schneller einen Weg zur Einigung als mit der freikirchlichen Lebensquelle″.

Aus Manchester angereist

Der 3G Group, die sich bis 2016 Zion GmbH genannt hatte, gehörte der weitaus größte Teil des ehemaligen Güterbahnhofs. Weil das im brandenburgischen Steuerparadies Zossen ansässige Unternehmen andere Vorstellungen von einer gewerblichen Nutzung der Fläche hatte als die Stadt mit ihrem Bebauungsplan 370, gab es einen gewissen Verkaufsdruck. In früheren Jahren hatte es zwar auch mit der Stadt Verhandlungen gegeben, doch die waren krachend gescheitert. Vielleicht auch, weil bei den Auftritten des damaligen 3G-Group-Geschäftsführers Ralf Gervelmeyer manches Porzellan zerschlagen wurde.

In den Verkaufsgesprächen mit der Coppenrath-Stiftung saß aber nicht er am Verhandlungstisch, sondern Thomas A. Gründler, laut Handelsregister Geschäftsführer der 3G Group. Der Kaufmann aus Steinhagen, der von seinem jetzigen Wohnsitz in Manchester anreiste, war in der Vergangenheit bereits als Geschäftsführer der Zion GmbH in Erscheinung getreten. Später hatte er sich aber lediglich als Berater″ des Unternehmens dargestellt. Anders als sein Kompagnon Gervelmeyer wird Gründler von seinen Gesprächspartnern als relativ sachorientiert beschrieben.

Der Kaufvertrag, auf den sich beide Seiten schließlich einigten, legt die Übernahme der gesamten Firma einschließlich ihrer Immobilien fest. So fällt keine Grunderwerbsteuer an, und genauso war 2012 aus der Vorgängergesellschaft Schilling & Schreyer GmbH die Zion GmbH hervorgegangen. Die 3G Group gehört jetzt der ABC Grundstücksgesellschaft, einem Tochterunternehmen der Aloys-&- Brigitte-Coppenrath-Stiftung. Der Name 3G Group wurde mittlerweile ersetzt durch Lok-Viertel-OS GmbH.

Inzwischen hat die Lok-Viertel-OS GmbH auch das Grundstück der Lebensquelle″ erworben. Dabei handelt es sich um ein drei Hektar großes Rechteck im Zentrum des ehemaligen Bahngeländes, bestehend aus der früheren Güterabfertigungshalle und dem Kopfgebäude, in dem sich eine Zeitlang das türkische Restaurant Nokta befand, das im Januar 2018 ausbrannte. Die Lebensquelle″ hatte das Gebäudeensemble 2012 mit der Absicht erworben, auf dem Grundstück eine Kirche zu errichten. In ihrem Zentrum am Goethering war es zu eng geworden, wenn sich dort regelmäßig mehrere Hundert Menschen zu den Sonntagsgottesdiensten trafen. Damals mit wachsender Tendenz, mit einem großen Anteil von Russlanddeutschen. Auf der Internetseite der Freikirche wurde die Zahl der Gemeindemitglieder 2015 mit mehr als 400 angegeben, heute mit 341.

Harte Nuss für die Stiftung

Mit der Ankündigung der Lebensquelle″, auf dem Güterbahnhof eine Kirche für 3000 Gläubige zu errichten also deutlich mehr, als im Dom Platz finden mochte sich damals eine Mehrheit im Rat der Stadt nicht anfreunden. Äußerungen von Gemeindemitgliedern, dass Homosexualität Sünde″ sei, hatten bei vielen Politikern Vorbehalte geweckt.

Die Freikirche sprach fortan nur noch von 1100 Sitzplätzen, doch auch das war den Politikern zu viel. Mit dem Bebauungsplan 370 legte der Rat 2016 fest, dass eine kirchliche Nutzung inmitten des geplanten Gewerbegebiets nicht zulässig sei. Für die Lebensquelle″ war damit der Traum vom Gotteshaus auf dem Güterbahnhof geplatzt.

Für das Verhandlungsteam der Coppenrath-Stiftung erwiesen sich die Gespräche mit der Freikirche als harte Nuss. Schnell war klar, dass die Lebensquelle″ ihr Grundstück nur hergeben würde, wenn sich ein adäquater Ersatz bieten würde. Der fand sich schließlich im Hasepark, auf einer Fläche neben dem K+ K-Markt. Zug um Zug kam es zu einem Deal, in den die Stadt aktiv eingebunden war. Die Lebensquelle″ bekam schließlich die Zusage, dass sie ihr neues Gemeindezentrum an der Franz-Lenz-Straße errichten darf. Der neue Standort ist nur 600 Meter vom bisherigen Grundstück entfernt.

Was genau im Hasepark gebaut werden darf, ist bislang nicht nach außen gedrungen. Auf Anfragen unserer Redaktion an das Baudezernat, an Politiker und an die Freikirche gab es nur unbestimmte Antworten. Dabei müssen schon relativ konkrete Pläne vorliegen, denn der Fachbereich Städtebau hat eine Bauvoranfrage positiv beschieden.

Preis für Güterbahnhof

Bleibt noch die Frage, welche Summen für den Grundstücksdeal über den Tisch gegangen sind. Die drei Geschäftspartner haben Vertraulichkeit über den Kaufpreis vereinbart, deshalb hier ein paar Zahlen, die etwas über die Größenordnung verraten könnten: Die Coppenrath-Stiftung wurde vor zwei Jahren mit einem Kapitalstock von 10 Millionen Euro ausgestattet. Da dürften die Ausgaben für den Güterbahnhof unter dieser Summe liegen. Im November 2010 hatten die Geschäftsleute Friedrich Schilling und Wolfgang Schreyer den Güterbahnhof für 2, 7 Millionen Euro von der Bahn-Tochter Aurelis erworben. Ein Jahr später boten sie der Stadt das Areal für 7 Millionen Euro an.

Die lehnte ab, doch schon bald gab es eine neue Eigentümerin, die Zion GmbH. 2013, noch bevor es zum Streit kam, einigte sich die Zion GmbH mit der Stadt auf einen Kaufvertrag für ein Grundstück, das diese für den Neubau der Hamburger Brücke benötigte. Der Quadratmeterpreis betrug 31, 28 Euro. Hochgerechnet auf 22 Hektar, wären das 6, 9 Millionen Euro. In der Zwischenzeit haben sich Immobilien deutlich verteuert. Nicht unwahrscheinlich also, dass die Fläche zu einem Preis zwischen acht und neun Millionen Euro an die Stiftung gegangen ist.

Bildtexte:
Große Pläne hatte die Lebensquelle″ schon für ihre Immobilie auf dem Güterbahnhof. Dort wollte sie eine Kirche für zunächst 3000 und dann für 1100 Gläubige errichten.
Aus der Zion GmbH wurde die 3G Group, und inzwischen ist auch dieser Name nicht mehr aktuell.
Die Eigentumsverhältnisse vor dem Grundstücksdeal: Inzwischen gehören die Flächen der 3G Group (blau, damals noch Zion GmbH) und der Freikirche " Lebensquelle (violett) der Coppenrath-Stiftung. Bei dem rot eingezeichneten Grundstück handelt es sich um den Ringlokschuppen, in dem das Zentrum für Künstliche Intelligenz eingerichtet wird.
Monumental: Mit den Plänen der " Lebensquelle" für eine Kirche am Güterbahnhof mochte sich die Stadt nicht anfreunden.
Grafik:
Architekturbüro Quiring, Stadt Osnabrück
Fotos:
Mischael Gründel
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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