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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Rückenwind für Antikriegsbaracke
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Politiker zeigen sich offen für Begegnungsstätte im Landwehrviertel
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Vor drei Jahren war die Baracke 35 im Landwehrviertel für die Stadt ein ungeliebtes Kind. Jetzt signalisieren die Fraktionen aus dem Rat Unterstützung für das Vorhaben, in dem denkmalgeschützten Holzbau eine Begegnungsstätte einzurichten, in der auch an die Geschichte der Serben in Osnabrück erinnert wird. Eine Gedenkstätte? Das klingt so andächtig. Ganz unpassend, meint Ž eljko Dragi, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins Friedensbaracke Atter″. Und stellt klar: Hier darf auch gesungen und gelacht werden! Dabei ist das ehemalige Kasernengelände an der Landwehrstraße ein Ort mit bewegter Geschichte.

1941 haben die Nazis das Kriegsgefangenenlager Oflag VIc eingerichtet. Die Abkürzung steht für Offizierslager″, und die Internierten waren 5000 königstreue Serben. Zu ihnen gehörte auch eine kleine Gruppe jüdischer Offiziere mit dem Rabbi Hermann Helfgott, die im Lager weitgehend unbehelligt ihre Gottesdienste feiern durften. Das geschah sogar noch zu einer Zeit, als die Juden überall im deutschen Reich systematisch ermordet wurden. Für die Historiker ist bis heute nicht geklärt, welche Umstände dazu geführt haben, dass die Genfer Konvention in diesem Kriegsgefangenenlager galt, während sie in anderen ignoriert wurde.

Nicht zurück zu Tito

Für Osnabrück ist das Lager aber auch bedeutsam, weil die meisten der königstreuen Offiziere nach dem Krieg nicht in ihre Heimat zurückkehren wollten, die nun ein Teil von Jugoslawien war und von Marschall Tito regiert wurde. Viele von ihnen blieben in Deutschland, nicht wenige gründeten Familien in Osnabrück. So entstand an der Hase eine serbischstämmige Community, deren Erkennungsmerkmal die serbisch-orthodoxe Kirche an der Wersener Straße ist.

An diese Zusammenhänge möchte der Verein Antikriegskultur und Friedenshandeln (kurz Friedensbaracke Atter″) mit einer Ausstellung erinnern, die nach dem Willen ihrer Initiatoren auch in anderen Städten gezeigt werden soll. Der Verein hat sich nach dem Abzug der britischen Streitkräfte gebildet, um das historische Erbe des Lagers Eversheide nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Anfangs war er noch bunter zusammengesetzt und machte geltend, dass das ganze Ensemble des Lagers erhalten werden müsse. Eine Forderung, die bei den Stadtoberen nicht gut ankam, denn die wollten einen möglichst großen Teil der Kasernenfläche als Wohngebiet ausweisen.

Nach internen Konflikten hat sich der Verein neu orientiert, und der Vorsitzende Petar Miloradovic ist schon froh, wenn es gelingt, die verbliebene Baracke 35 auf Vordermann zu bringen und mit Leben zu erfüllen. Für die Erinnerungsarbeit beansprucht der Verein nur den südlichen Teil des 600 Quadratmeter großen Holzbaus. Im nördlichen Abschnitt soll eine Begegnungsstätte entstehen als Einrichtung für das gerade entstehende Landwehrviertel oder besser noch für den ganzen Stadtteil.

An einem Strang ziehen″

Dafür wird ein anderer Träger gesucht. Wir wollen Brücken bauen″, sagen Petar Miloradovic und Ž eljko Dragi. Im Stadtrat finden sie inzwischen Gehör. Bei einem Treffen mit Politikern von CDU, SPD, Grünen, FDP und Ufo wurde verabredet, einen interfraktionellen Antrag auf den Weg zu bringen, um das Anliegen zu unterstützen. Wenn man Geld braucht, muss man an einem Strang ziehen″, meinte CDU-Ratsfrau Brigitte Neumann und erntete zustimmendes Nicken von allen Seiten.

Von Geld aus dem städtischen Etat war allerdings weniger die Rede. Vorrangig soll es darum gehen, Fördermöglichkeiten abzustecken. Eine Schätzung von 2017 bezifferte die voraussichtlichen Sanierungskosten für die Baracke auf 600 000 Euro, inzwischen rechnen die Fachleute mit 900 000 Euro. Der gravierende Unterschied liegt jedoch in der Bewertung. 2017 wurde das Projekt im Kulturausschuss noch mehrheitlich als Geldverschwendung gebrandmarkt, jetzt bekommt der Verein Antikriegsbaracke″ immerhin wohlwollende Worte zu hören. Über diesen Rückenwind aus dem Rat freuen sich Petar Miloradovic und Ž eljko Dragi. Der gut vernetzte stellvertretende Vorsitzende knüpft bereits weiter Kontakte zu Landtagspolitikern und anderen Stellen.

Lässt die umfassende Sanierung auch noch auf sich warten ein erster Schritt wird noch in diesem Jahr erwartet: Auf Veranlassung des städtischen Fachbereichs Immobilien und Gebäudemanagement soll die Baracke wieder mit Strom, Gas und Wasser versorgt werden, damit Heizung, Licht und Toiletten wieder in Betrieb genommen werden können. 2008, nach dem Abzug der Briten, waren die Leitungen gekappt worden.

Bildtext:
Es gibt viel zu tun, aber der gute Wille ist erkennbar: Mitglieder verschiedener Ratsfraktionen überlegten gemeinsam mit dem Vorstand des Vereins Antikriegsbaracke″, wie das denkmalgeschützte Gebäude an der Landwehrstraße zu einer Begegnungsstätte ausgebaut werden kann.
Foto:
Thomas Osterfeld
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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