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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Sunglider gibt nicht auf
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Solar-Schwebebahn: Modelle sollen Machbarkeit beweisen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Von wegen, der Sunglider sei tot: Osnabrücker ÖPNV-Visionäre halten trotz Verlusts von Fördermitteln an der Entwicklung einer fahrerlosen Solar-Schwebebahn fest. Gelingen soll das Vorhaben nun auf kalifornische Art″ und mit einer Teststrecke im Miniformat. Vor wenigen Wochen noch hingen dunkle Wolken über dem Sonnengleiter″. Die von einer Handvoll heimischer Unternehmer bis dahin stets mit Verve vorgetragene Idee, in der Region Osnabrück eine vollautomatische Schwebebahn namens Sunglider zu errichten, die preiswert und klimaschonend zugleich sei, schien zu zerplatzen wie eine Seifenblase nachdem deutlich geworden war, dass eine zur Hälfte vom Land Niedersachsen bezahlte Machbarkeitsstudie wegen Corona nicht wie geplant durchgeführt werden kann.

Optimismus zurück

Drei Jahre intensiver Arbeit an diesem hochinteressanten Projekt finden an dieser Stelle ein unerwartetes und wenig ermutigendes Ende″, ließ Sunglider-Mastermind Professor Dieter Otten Mitte September wissen. Inzwischen hat der Vordenker seinen Optimismus und Kampfgeist offenbar wiedergefunden. In einer neuen Rundmail an Mitstreiter, Politiker und unsere Redaktion stellt er klar: Niemand hatte vor, den Sunglider aufzugeben.″

Vielmehr laute das Motto nun Jetzt erst recht!″. Die Stadtwerke Osnabrück, bislang eine verlässliche Größe an der Seite des 2018 gegründeten Lotter Start-ups, hätten nachdrücklich versichert″, weiterhin hinter dem Vorhaben zu stehen. Und im kommenden Jahr erneut zu versuchen, Landesmittel für eine ausführliche Sunglider-Studie einzuwerben. Zumal das Umweltministerium in Hannover regelrecht dazu ermuntert habe. Alles Gründe, mit vollem Elan weiterzumachen″, findet Otten.

Doch ein Problem bleibt: das eigene Geld. Die Sunglider AG müsste sofern sich kein hinreichend spendabler Privatinvestor findet auch künftig die Kosten für eine mit Steuergeld kofinanzierte gutachterliche Prüfung ihres Konzepts teilweise selbst tragen. Von mindestens 230 000 Euro ist hier die Rede. Weil aber das Projekt laut Otten unabhängig davon unbedingt″ fortgesetzt werden soll, damit es nicht irgendwann sein Momentum verliert″, sei es jetzt nötig, die Finanzierung auf unkonventionelle Art zu regeln. Zum Beispiel, indem Unterstützern statt der klassischen Bezahlung eine andere Form von Gegenleistung gewährt wird.

Wir könnten uns vorstellen, die Arbeit unserer Partner in Aktien zu vergüten und sie damit an den Chancen des Projekts direkt zu beteiligen″, erklärt der Sunglider-Erfinder. Das möge zwar für deutsche Ohren seltsam klingen, sei aber im als besonders innovativ geltenden Amerika ein üblicher Deal. Otten bedauert geradezu, dass wir durch Aussicht auf staatliche Förderung fast zwei Jahre darauf verzichtet haben, diesen Weg zu gehen, und am Ende wertvolle Zeit verloren haben″. Der Professor ist überzeugt: Hätten wir es gleich so gemacht, wäre die Studie längst fertig.″

Zum Hintergrund: Beim Sunglider handelt es sich laut Ideenskizze um eine Bahn, die entlang eines filigranen Tragwerks über den Straßen in Stadt und Land schwebt, dabei von künstlicher Intelligenz gesteuert und mit selbst erzeugter Sonnenenergie betrieben wird. Die fahrerlosen, größtenteils im 3-D-Drucker gefertigten Züge hängen an aufgeständerten Schienen und gleiten dort mithilfe von Elektromotoren von Station zu Station. Darüber befindet sich ein Dach aus Solarzellen, das mehr Strom liefert, als das komplette System braucht. Und billiger zu bauen als eine herkömmliche Straßenbahn ist es nach Kalkulation der Entwickler auch.

Um zu beweisen, dass der Sunglider nicht nur Vision ist, sondern tatsächlich den ÖPNV revolutionieren″ kann, soll er nun zunächst im Kleinformat hergestellt sowie auf Herz und Nieren getestet werden. Projektleiter Otten kündigt den Bau voll funktionsfähiger Modelle im Maßstab 1: 14, 5 an. Zum Vergleich: Eine typische Spielzeugeisenbahn mit 16, 5 Millimeter Spurweite (H0) hat das Größenverhältnis 1: 87. Entstehen sollen den Angaben zufolge Prototypen der Sunglider-Züge selbst, außerdem das Muster einer sogenannten Nanofabrik, in der die verschiedenen Fahrzeuge für den Personen- und Gütertransport zusammengesetzt werden. Drittens ist eine Miniatur-Pilotstrecke geplant einschließlich Trasse und Bahnhöfen. Als Vorlage diene hier ein Teilstück der Martinistraße, so der Professor. Für den architektonischen Masterplan″ zeichne mit dem Osnabrücker Peter Kuczia ein Fachmann verantwortlich, der im Bereich Solardesign bereits international renommierte Preise gewonnen hat. Mastermind Otten ist zuversichtlich: In diesem Modell werden wir die komplette Machbarkeit des Sungliders im Maßstab 1: 14, 5 zeigen.″

Modell in halbem Jahr

Ziel sei es, schon im kommenden Frühjahr entsprechende Ergebnisse vorweisen zu können. Was die Firma Sunglider dafür aber brauche, seien Partner, die diesen ziemlich kalifornisch klingenden Weg, Arbeit gegen Aktien zu leisten, mit uns gehen″.

Die Stadtwerke halten dem Projekt indes auf ihre Weise die Stange. Auf Anfrage unserer Redaktion teilt das Unternehmen mit: Wir begrüßen das große Engagement aller Beteiligten und stehen zu unserer Unterstützung für eine Machbarkeitsprüfung. Wir haben daher zugesagt, die Entwicklung eines Fahrzeug- und Pilotstreckenmodells mit einem Betrag in vierstelliger Höhe zu fördern.″

Bildtext:
Wie langgezogene und kopfüber hängende Minibusse wirken die Sunglider-Fahrzeuge im Entwurf. Neben Waggons für die Personenbeförderung soll es auch welche für den Gütertransport geben.
Grafik:
Sunglider AG
Autor:
Sebastian Stricker


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