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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gutachter: Zu lange Wege für die Feuerwehr
 
Drei Modelle für effektiveren Brandschutz
Zwischenüberschrift:
Außenbereiche der Stadt nicht in acht Minuten erreichbar – Kommt eine zweite Wache?
 
Doppelmitgliedschaften und neue Feuerwehr im Norden der Stadt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Der Brandschutz in Osnabrück muss effektiver werden. Das ist das Ergebnis eines umfangreichen Gutachtens, das Politik und Verwaltung zurzeit hinter verschlossenen Türen beraten.

Die Lülf und Rinke Sicherheitsberatung GmbH legt in ihrem Gutachten dar, dass die Rettungskräfte große Bereiche außerhalb der Innenstadt nicht binnen acht Minuten nach der Alarmierung erreichen können.
Diese acht Minuten hat die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren in Deutschland (AGBF) als sogenanntes Schutzziel ausgegeben. Bei kritischen Wohnungsbränden″ sollen in dieser Zeit mindestens ein Zugführer, Führungsassistent, Gruppenführer, Maschinist, zwei Trupps (je zwei Mann) zur Menschenrettung und ein Sicherheitstrupp vor Ortsein.
Die Gutachter werteten 317 Einsätze bei kritischen Wohnungsbränden″ in der Zeit von Dezember 2006 bis November 2010 aus. In 72 Prozent der Fälle erreichten die Helfer den Einsatzort binnen dieser acht Minuten. Das ist in der Feuerwehr-Sprache die erste Eintreffzeit″. In der zweiten Eintreffzeit″ (nach 13 Minuten) müssen weitere Einsatzkräfte vor Ort sein. Dieses Ziel erreichen die Berufsfeuerwehr und die Freiwilligen Feuerwehren in Osnabrück in 62 Prozent der Notfälle.
Das sind nach Meinung der Gutachter keine akzeptablen Werte. Als Richtschnur gilt: Die Eintreffzeiten sollen mindestens zu 90 Prozent erreicht werden. Die Gutachter zitieren die Hinweise zur Durchführung der Brandschutzplanung des Landes Niedersachsen″, die bei einem Zielerreichungsgrad von nur 80 Prozent die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr infrage stellen.
Die Freiwilligen Feuerwehren sind eine tragende Säule des Brandschutzes in der Stadt, ihre Struktur ist nach Einschätzung der Experten aber nicht bedarfsgerecht. Die Standortstruktur ist historisch gewachsen und nicht Ergebnis einer schutzzielbasierten Bedarfsplanung″, heißt es in dem Gutachten. Deshalb sei eine Optimierung der Standortstruktur″ erforderlich. Lücken gibt es der Studie zufolge vor allem in Darum/ Gretesch/ Lüstringen, Hellern, Atter, Pye, Dodesheide. Immerhin bestätigt das Gutachten, dass die Gerätehäuser in Eversburg, Haste, Schinkel, Voxtrup und Sutthausen in einem guten Zustand sind. Das Feuerwehrhaus Stadtmitte (Kurt-Schumacher-Damm) bekommt den Stempel hinreichend″. Nur das Gerätehaus Neustadt fällt als nicht bedarfsgerecht″ durch.
Die Experten haben drei Modelle entwickelt, wie nach ihrer Meinung der Brandschutz im Zusammenspiel von Berufs- und Freiwilliger Feuerwehr verbessert werden kann (Bericht unten). Die jährlichen zusätzlichen Kosten reichen von 1, 3 Millionen Euro für die einfache Lösung (Modell 1) bis zu zwei Millionen Euro für den großen Wurf (Modell 3). Allen Modellen gemeinsam ist eine personelle Umstrukturierung bei der Berufswehr.
Das Gutachten war vor knapp zwei Jahren in Auftrag gegeben worden, um Klarheit über die Personal- und Fahrzeugausstattung der Feuerwehren zu schaffen. Bei jeder Anschaffung wurde in der Politik diskutiert, ob sie wirklich nötig ist″, sagt der Feuerwehr-Dezernent und Stadtbaurat Wolfgang Griesert. Zurzeit stützt sich die Politik bei ihren Entscheidungen auf das 15 Jahre alte Wibera-Gutachten.
Es ist gut, dass wir jetzt Fakten auf dem Tisch haben″, so Griesert weiter. Nach den Sommerferien werde das Gutachten in die politische Beratung gehen. Er betont: Wir müssen unsere Schlüsse aus dem Gutachten ziehen, sollten aber nichts übers Knie brechen.″ Eine Verlegung der Feuerwehr Stadtmitte weiter nach Hellern oder der Neuaufbau einer Wehr im Norden der Stadt seien sorgsam zu überlegen″, sagte Griesert.
Die Acht-Minuten-Vorgabe sieht Griesert nicht so eng. Dafür gebe es keine gesetzliche Vorgabe, und jedes Bundesland gehe mit diesen Zeitzeilen unterschiedlich um. Außerdem handele sich dabei um Durchschnittswerte, die weder die Verkehrslage noch die Wetterbedingungen berücksichtigten.

Bildtext:
In acht Minuten beim Brand: Diese Vorgabe schaffen die Osnabrücker Feuerwehren nur in 72 Prozent der Fälle. Das Ziel sind 90 Prozent.
Fotomontage:
Michael Hehmann

OSNABRÜCK. Die Gutachter empfehlen eine dreistufige Feuerwehrreform. Die Modelle bauen aufeinander auf, könnten aber auch isoliert umgesetzt werden.

Modell 1: Stärkung der Freiwilligen Feuerwehren. Die Feuerwehr Neustadt solle einen neuen Standort im Fledder (am besten in Kooperation mit der Werksfeuerwehr von Volkswagen) erhalten. In der Dodesheide würden die Gutachter eine neue Feuerwehr-Einheit schaffen, die die Lücke im Norden der Stadt schlösse.
Ein eigenes Kapitel widmen die Gutachter den ehrenamtlichen Kräften, die werktags aufgrund zunehmender beruflicher Verpflichtungen nicht uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Deshalb schlagen die Experten Doppelmitgliedschaften vor: Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren aus dem Umland, die in Osnabrück arbeiten, sollen im Alarmfall für städtische Feuerwehren ausrücken. Das setzt voraus, dass eine Extra-Garnitur Einsatzkleidung in der Stadt-Wehr bereitgehalten wird. Für die Feuerwehrleute bedeutete das aber auch eine doppelte Belastung durch Übungen mit beiden Wehren.

Modell 2: Eine zweite Wache im Fledder. An Werktagen soll eine zweite Wache im Osten der Stadt tagsüber von der Berufsfeuerwehr besetzt werden, an den Wochenenden und nachts wäre die Freiwillige Feuerwehr zuständig.

Modell 3: Zwei Berufsfeuerwehr-Wachen rund um die Uhr. Der Standort der zweiten Wache sollte in der Nähe des VW-Werks liegen, um eine Kooperation mit der Werksfeuerwehr zu ermöglichen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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