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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn der „Widder″ sanft zustößt
Zwischenüberschrift:
Belmer Verein Bikult übergibt historische Pumpe an Lernstandort Nackte Mühle
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
BELM/ OSNABRÜCK. Wasserpumpe? Kenn ich. Da schaltet man den Strom ein, und dann läuft die″, wird einem jedes Kind sagen. Dass es aber auch Pumpen gibt, die gar keinen Strom brauchen, sondern sich die nötige Energie aus dem einströmenden Wasser holen, dürfte selbst die meisten Erwachsenen überraschen. Ein sogenannter Widder″, der so etwas kann, wurde jetzt an der Nackten Mühlein Osnabrück-Haste in Be-trieb genommen.

Das Technik-Schätzchen hat in seinem ersten Leben auf dem Belmer Hof Meier zu Farwig schon fleißig Wasser gehoben. Wasser, das aus dem Quellgebiet des Belmer Bachs über eine Gefälleleitung herangeführt und dann mittels des Widders″ in das Vorrats-Bassin einer Viehtränke gepumpt wurde.
Irgendwann in den 1950er-Jahren wurde die Installationsfirma Stahmeyer gerufen. Sie lieferte eine neue elektrische Pumpe. Seniorchef Theodor Stahmeyer gab die ausgebaute alte Pumpe nicht zum Schrott, sondern lagerte sie ein, nach dem Motto: Wegwerfen kann man nur einmal.″
Jahrzehnte vergingen, der Widder″ war schon fast in Vergessenheit geraten. Bis eines Tages Gemeindearchivar Ulrich Brinkmann das Teil bei Stahmeyers sah und laut darüber nachdachte, wie man dieses Beispiel früher Landtechnik der Öffentlichkeit zugänglich machen könnte. An dieser Stelle kam der Belmer Verein für Bildung und Kultur, kurz Bikult″, ins Spiel. Er verfügt in seinen Reihen über ingenieurmäßig begabte und handwerklich geschickte Mitglieder, die sich unter anderem auch schon bei der Erstellung der Kreisel-Skulpturen hervorgetan hatten.
Bikult-Vorsitzende Li Brockhaus und die Aktiven Helmut Hachmeister, Heinz Wilker, Friedhelm Brockhaus und Jürgen Tehler nahmen sich des Projekts an, studierten die Funktionsweise, zerlegten das Gerät und machten es in vielen ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden wieder funktionsfähig. Als Einsatzort war die Belmer Mühle vorgesehen. Doch nachbarschaftliche Probleme verhinderten die Installation dort.
Da erinnerten sich die Bikult-Aktiven an den Verein Jugendhilfe an der Nackten Mühle in Haste, der schon seit vielen Jahren das Zusammenspiel von Natur und Technik Jugendlichen nahebringt. Wir waren sofort begeistert, als man uns den Widder′ anbot″, sagt Volker Beermann vom technisch-ökologischen Lernort Nackte Mühle, und wir mussten auch nicht lange überlegen, wie man ihn hier in einen sinnvollen Funktionszusammenhang einbauen kann.″ Unterstützt wurde das Pro-jekt von der Osnabrücker Bürgerstiftung und der Innung Sanitär-Heizung-Klima. Nun ist der Widder″ außen am Mühlengebäude installiert und über eine Gefälleleitung mit dem oberen Mühlenstau verbunden.
Li Brockhaus öffnet das Ventil, und kurze Zeit später strömt Wasser aus der angeschlossenen Garten dusche, die gut fünf Meter höher steht als die Pumpe.
Vorher noch hat das Nettewasser einen thermischen Sonnenkollektor durchströmt und sich dabei erwärmt.
Wenn denn der Sommer mal kommt, wird das ein Hauptspaß für die Kinder″, ist sich Volker Beermann sicher.
In erster Linie gehe es aber natürlich darum, dem Nachwuchs eine wenig bekannter egenerative Energienutzung vorzustellen.

Bildtext:
Wasser marsch! für die Widder-Pumpe, in der Bildmitte zu erkennen an dem birnenförmigen Luftkessel. Alles unter Kontrolle haben (von links) Volker Beermann (Lernstandort Nackte Mühle in Haste), Li Brockhaus, Jürgen Tehler (beide Kulturverein Bikult), Kai Schaupmann und Peter Möhle (beide Sanitär-Innung)..
Foto:
Joachim Dierks

Funktionsweise des Widders

Der hydraulische Stoßheber oder Widder″ ist eine stromlose und praktisch wartungsfreie Wasserhebevorrichtung, die einen Teil des mit natürlichem Gefälle einfließenden Wasserstroms in wesentlich größere Höhen transportieren kann.
Ab einer bestimmten Fließgeschwindigkeit schließt sich das Stoßventil, und es kommt zu einem plötzlichen Druckanstieg vor dem Ventil. Dieser Druckanstieg öffnet ein Steigventil, das vor dem Stoßventil liegt, und ein Teil des Wassers schießt in einen Druckausgleichskessel hinein, an den auch die Steigleitung angeschlossen ist. Der Kessel sorgt für einen gleichbleibenden Auslauf an der Entnahmestelle. Nachdem dies geschehen ist, schließt sich das Steigventil und das Stoßventil öffnet sich wieder, das Spiel beginnt von Neuem. Der volkstümliche Name Widder″ rührt daher, dass die permanenten Wasserdruckstöße an die Rammstöße eines Widders erinnern. Als Erfinder gilt der Franzose Montgolfier (1796), dem wir mit seinem Bruder zusammen auch den ersten Heißluftballon verdanken.
Typische Anwendungsfälle waren etwa Bauernhöfe, Almhütten oder Ferienhäuser ohne Anschluss an eine kommunale Wasser- und Stromversorgung.
Autor:
Joachim Dierks


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