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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neumarkt: Ausschuss muckt auf
 
Neumarkt nicht dem OB überlassen
Zwischenüberschrift:
Ausschuss muckt auf: Kritik an Oberbürgermeister Griesert
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Es gehe nicht voran. Und nein, der Neumarkt dürfe nicht allein dem OB überlassen werden: Ratsmitglieder kritisieren jetzt Oberbürgermeister Wolfgang Griesert.

Der Hintergrund: Weil sich Bedenken gegen die eigentlich geplante Oberflächengestaltung mit Streifenbeton in unterschiedlichen Schattierungen nicht ausräumen ließen, hatte der Verwaltungsausschuss Anfang Juli auf Vorschlag von Griesert entschieden, den Vertrag mit der Arbeitsgemeinschaft Neumarkt zu kündigen. Stattdessen sollten möglicherweise die Entwürfe der Preisträger 2 und 3 von 2013 auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden.

Das allerdings geht einigen Ausschussmitgliedern nun doch zu weit, zumal die Entscheidungen am Ausschuss für Stadtentwicklung vorbeigegangen seien.

Osnabrück Am Neumarkt geht es nicht voran, und im Rat staut sich Unmut auf. Wichtige Entscheidungen würden im stillen Kämmerlein getroffen, lautet die Kritik. Adressat ist Oberbürgermeister Wolfgang Griesert, der den Neumarkt zur Chefsache erklärt hat.

Völlig aus dem Ruder gelaufen ist die Oberflächengestaltung des Platzes, die in diesem Jahr eigentlich schon beendet sein sollte. Seit Jahren war geplant, den Entwurf des Berliner Büros Lützow 7 umzusetzen, der 2013 aus einem freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb mit 14 Teilnehmern hervorgegangen war. Der Clou dabei: Streifenbeton in unterschiedlichen Schattierungen sollte dem Neumarkt ein markantes und zugleich belastbares Outfit geben. Von Anfang an war klar, dass das Gewicht der anfahrenden und bremsenden Busse hohe Ansprüche an das Material stellen würde.

Platz 2 und 3 im Blick

Weil sich die Bedenken gegenüber dem Streifenbeton nicht ganz ausräumen ließen, hatte der Verwaltungsausschuss am 7. Juli auf Vorschlag von Oberbürgermeister Griesert in (wie immer) nichtöffentlicher Sitzung entschieden, den Vertrag mit der Arbeitsgemeinschaft (Arge) Neumarkt zu kündigen. Diese Arge besteht aus dem Büro Lützow 7 und dem Osnabrücker Planungsbüro bpr. Seitdem gibt es Streit um die Vertragserfüllung, und darüber bahnt sich eine gerichtliche Auseinandersetzung an.

Aus der Stadtverwaltung werden jetzt Überlegungen laut, die Entwürfe der Preisträger 2 und 3 von 2013 auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen. Das berichtete Holger Clodius, der Leiter des Fachbereichs Städtebau, am Donnerstag vor dem Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt (StUA). Und er fügte hinzu, dass möglicherweise auch andere Büros hinzugezogen werden könnten.

Das ging einigen Ausschussmitgliedern entschieden gegen den Strich. Der Plan von Lützow 7 dürfe nicht so einfach gekippt werden, meinte Jens Meier von den Grünen, der dem Gremium als hinzugewähltes Mitglied angehört. Er hatte seinerzeit der Jury für den Neumarkt-Wettbewerb angehört. Aus guten Gründen sei der Entwurf des Berliner Büros auf Platz 1 gekommen, machte er geltend. Schon damals hätten die begleitenden Fachleute den Standpunkt vertreten, dass Beton das einzige Material sei, das die Belastung der Busse aushalte.

Wir sind zuständig″

Heiko Panzer (SPD) sah es ähnlich: Wir machen den Platz jetzt für die nächsten 50 Jahre fit″, erklärte er, da dürfe man sich nicht mit zweitrangigen Lösungen zufriedengeben. Der Entwurf von Lützow 7 biete den großen Vorteil, dass er flexibel genug sei, um mit unterschiedlichen Verkehrsmengen zu funktionieren. Selbst wenn der motorisierte Individualverkehr eines Tages nicht mehr auf dem Neumarkt erwünscht sei, müsse der Platz nicht umgebaut werden.

Für Panzer geht es aber um mehr als die Gestaltungsfrage. Die wichtigen Entscheidungen seien am Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt vorbei entschieden worden, kritisierte der SPD-Politiker und stellte klar: Für die Neumarkt-Gestaltung sind wir zuständig! Sebastian Bracke, Ratsmitglied der Grünen, schlug in dieselbe Kerbe und sprach von einer andauernden Missachtung des Ausschusses″.

Auch Oliver Hasskamp (FDP) schloss sich der Kritik an und nannte den aus seiner Sicht Verantwortlichen für die Fehlentwicklung: Weil Oberbürgermeister Griesert den Neumarkt zur Chefsache gemacht habe, laufe die Angelegenheit am zuständigen Ausschuss vorbei. Vielleicht habe das ja auch mit dem Gremium selber zu tun, gab Wulf-Siegmar Mierke von der UWG zu bedenken. Als Ratsmitglied frage er sich: Was lassen wir uns gefallen, und wie gehen wir damit um?

In Zukunft, so drückten es auch andere Redner aus, müsse der Ausschuss direkt einbezogen werden. Die Ausschussvorsitzende Anette Meyer zu Strohen (CDU) milderte die starken Worte etwas ab und kündigte an, dass sie das Thema für die nächste Sitzung am 29. Oktober erneut auf die Tagesordnung setzen werde.

Weitere Neuigkeiten zum Neumarkt trug Fachbereichsleiter Holger Clodius vor: Center-Planung: Nachdem Unibail Rodamco Westfield (URW) angekündigt hat, das Einkaufscenter nicht mehr bauen zu wollen, hat das Unternehmen einen potenziellen Investor benannt. Einen weiteren Interessenten brachte der ehemalige URW-Partner Theodor Bergmann ins Spiel. Beide hätten schon Planungen vorgestellt, heißt es. Die Stadt will den Bebauungsplan 651 weiterentwickeln und gegebenenfalls darauf trimmen.

Johannisstraße: In Kürze will die Stadt ein Ingenieurbüro mit der Oberflächengestaltung für den Abschnitt zwischen Neumarkt und Johannisfreiheit beauftragen, sofern der Finanzausschuss dem Vorhaben zustimmt. Die Bauarbeiten sollen dann im September 2021 beginnen.

Bildtext:
Der Neumarkt als Provisorium: Diesen Anblick werden die Osnabrücker noch eine Weile aushalten müssen.
Foto:
M. Gründel
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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