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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Otte: Wir wollen das Auto nicht verteufeln
Zwischenüberschrift:
CDU-Veranstaltung zum Thema sicherer und attraktiver Radverkehr in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Wie kann Osnabrücks Radverkehr sicherer und attraktiver gemacht werden? Kaum ein Thema polarisiert in der Stadt mehr als dieses. Erstaunlich kuschelig und einmütig ging es dafür am Mittwochabend im Rathaus zu, wo unter anderem Radfahrer und Wirtschaft zum Gespräch aufeinanderstießen. Eingeladen hatte die CDU zum Thema Radverkehr in Osnabrück Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität und Sicherheit″.

Andrea Menke, Leiterin der Polizeiinspektion Osnabrück: Menke begann den Abend mit ein paar Zahlen. Sie berichtete, der Radverkehr nehme stetig zu, entsprechend nähmen die Unfälle mit verletzten Radfahrern zu. Wenngleich Radfahrer in mehr als einem Drittel der Fälle die Unfallverursacher seien, seien es doch mehrheitlich die Autofahrer, die für Unfälle mit verletzten Radfahrern verantwortlich seien.

Mark Rauschen, Vizepräsident der IHK Osnabrück Emsland Grafschaft Bentheim sowie Geschäftsführer von L& T: Der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Marius Keite, der durch den Abend geführt hatte, machte schon in seinen anfänglichen Ausführungen klar: Die CDU stehe für die Stärkung des Radverkehrs zugleich müsse die Innenstadt für Autos erreichbar bleiben. Dem widersprach Rauschen nicht. Auf einen Kunden aus Osnabrück kämen schließlich drei aus dem Umland, das sorge für erhebliche Verkehre″.

Das müsste den L& T-Chef doch freuen, denn schließlich gehört ihm das riesige L& T-Parkhaus. Und dennoch überraschte er: Er sprach sich für eine Umbau des Verkehrsraums zulasten des Autos aus sofern das Radwegenetz dann gut ist und die Einpendler weiterhin mit dem Auto in die Innenstadt fahren können. Wenn′s gut gemacht wäre, finde ich es gut und erstrebenswert. Ich bin kein Autofreund, sondern ein Menschenfreund.″

Mechthild Möllenkamp, Präsidentin des Handelsverbandes Osnabrück-Emsland: Möllenkamp sieht das Auto als wichtigstes mobiles Endgerät″, viele Menschen seien darauf angewiesen. Das sehe sie täglich ihr gehören fünf Supermärkte in Osnabrück.

Für den Handel sei die Erreichbarkeit der Innenstadt mit dem Auto wichtig, denn jeder dritte Euro im Handel in der City kommt aus dem Umland″. Sie plädierte dafür, Alternativrouten für Radfahrer wie die Katharinenstraße zu stärken. Wer ist denn so lebensmüde, mit dem Rad auf der Martinistraße zu fahren?

Radfahrer gehörten nicht auf Hauptverkehrsstraßen wie die Hansastraße, sondern auf die parallel verlaufende Bramscher Straße, auf die Natruper statt Pagenstecherstraße. Möllenkamp: Braucht ihr wirklich mich, um auf solche Ideen zu kommen?

Mit dieser Frage erntete sie den Lacher des Abends und Kritik. Schließlich würden an diesen Straßen auch Radfahrer leben und einkaufen, hieß es aus dem Publikum, etwa bei dem großen Fahrradgeschäft an der Pagenstecherstraße. Wolle Möllenkamp, dass all die Geschäfte an solchen Straßen auf Kunden mit dem Rad verzichten müssen? Nein, natürlich nicht.

Volkmar Seliger, ADFC Osnabrück: Seliger vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club Osnabrück plädierte dafür, Auto- und Radfahrer nicht gegeneinander auszuspielen. Es sei aber unfair, dass der Radverkehr in Osnabrück seit Jahrzehnten stets nur den Rest″ der Fläche abbekäme. Da wundere es nicht, wenn es derzeit bequemer sei, das Auto zu nutzen selbst wenn auf kurzen Strecken das Rad schneller sei.

Mit Blick auf Keites erneute Forderung, die Innenstadt müsse für Autos erreichbar bleiben, sagte Seliger: Nicht die Einkäufer aus dem Umland würden die Straßen verstopfen. Wann sind die Straßen denn voll?″, fragte er. Und antwortete selbst: lediglich zu den Stoßzeiten im Schul- und Berufsverkehr. Und eben daher müsse nicht jede Ein- und Ausfallstraße zweispurig sein, sagte Seliger. So ist Osnabrück jedenfalls nicht unter den top fünf Fahrradstädten Deutschlands, wenn es immer nur Kompromisse gibt.″

Frank Otte, Stadtbaurat: Keite kritisierte wiederholt, dass die Verwaltung das deutlich erhöhte Budget für den Radverkehr in diesem Jahr nicht ausschöpft der Ausbau gehe zu langsam voran. Wo hakt es?″, fragte er Otte.

Otte sagte, er sei dankbar für das erhöhte Budget und die zwei neuen (noch unbesetzten) Stellen, die ihm der Rat gewährt hatte. Doch Radwegplanung in der City ist Puzzlearbeit″, sagte er zu Keites Spitze. Beispiel Johannistorwall: Da haben wir keinen Raum.″ Wie solle ein wie auch von der CDU geforderter zwei Meter breiter Radweg pro Seite entstehen, sofern den Autofahrern nicht eine Spur genommen wird? Der Verkehrsraum sei nun mal begrenzt, zugleich habe der Autoverkehr seit den 70er-Jahren enorm zugenommen.

Ohnehin seien zwei Spuren nicht überall nötig. Als Beispiel brachte Otte das Beispiel Bohmter/ Bremer Straße an, die 2011 ihre Zweispurigkeit zulasten breiter Radwege eingebüßt hatte. Der Raum muss gegebenenfalls neu verteilt werden, denn wir brauchen breite Radwege.″ Das fordert der Stadtbaurat seit Jahren. Wir müssen von außen nach innen denken″, so Otte weiter: Außen stünden die Häuser, dann müsste es ausreichend breite Fuß- und Radwege geben, und was übrig bliebe, könne den Autofahrern gegeben werden. Doch auch Otte stellte klar: Wir wollen auch die Pendler. Es geht nicht darum, das Auto zu verteufeln.″

Walter von Göwels, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Ratsfraktion Münster: Für von Göwels liegt die Lösung für mehr Sicherheit auf der Hand – „ es ist ganz einfach″: Der Rad- und motorisierte Verkehr gehörten schlichtweg getrennt so ließen sich Abbiegeunfälle, die immer wieder tödlich für Radfahrer enden, leicht verhindern. 50 Kreuzungen würde die Stadt Münster derzeit detailliert abarbeiten″. Das Ergebnis: Die Unfallzahlen gehen nach unten.″

5000 Leihräder wollen die Stadtwerke Münster anschaffen, auch viele Lastenräder″, so von Göwels. Zudem setze Münster auf Velorouten statt Radschnellwege. Radfahrer wollten sicher und komfortabel statt möglichst schnell ankommen, sagte von Göwels. 13 Velorouten würden in den kommenden fünf bis sechs Jahren in der Stadt entstehen.

Wieso geht das in Münster so schneller als in Osnabrück? Wir kaufen die Leistungen ein″, sagte van Göwels, etwa von Ingenieurbüros. Der Verwaltung fehle das Personal dafür, für neue Stellen fehlten Fachkräfte ein Problem, das auch Otte erwähnte.

Um 22.15 Uhr war nach mehr als zwei Stunden Schluss mit der Veranstaltung. Am Ende waren sich alle einig: Der Radverkehr müsse gestärkt werden, Auto und Rad friedlich nebeneinander koexistieren können. Uneinigkeit bestand lediglich darüber, ob dies künftig mehr zulasten der Autofahrer gehen muss. Dabei gab es kaum Neues und kaum Impulse. Die hätten womöglich die 50 Gäste eingebracht, doch ihnen wurde am Ende nur wenig Zeit eingeräumt.

Bildtexte:
Diskutieren im Rat (von links): Frank Otte (Stadtbaurat), Mechthild Möllenkamp (Präsidentin Handelsverband OS/ EL), Mark Rauschen (Vizepräsident IHK OS/ EL/ GB; Geschäftsführer L& T), Andrea Menke (Leiterin Polizeiinspektion Osnabrück), Walter von Göwels (CDU Münster), Volkmar Seliger (ADFC Osnabrück).
Die CDU möchte garantiert wissen, dass Autofahrer auch künftig bis in die City fahren können.
Bis 2011 sah die Bohmter Straße so aus: zweispurig. Heute ist sie einspurig mit relativ breiten Radwegen auf beiden Seiten.
Fotos:
Jörg Sanders, Michael Gründel, Michael Hehmann
Autor:
Jörg Sanders


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