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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Mietraum wird laut Studie knapp
Zwischenüberschrift:
Vor allem für Rentner und Familien
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Sind Mietwohnungen in unserer Region bald Mangelware? Das Pestel-Institut aus Hannover kommt in einer Studie zu diesem Ergebnis. Tausende Wohnungen könnten bereits in fünf Jahren fehlen. Gerade Familien und ältere Menschen seien betroffen, sagt Institutsleiter Matthias Günther unserer Zeitung.

Im Auftrag verschiedener Interessenverbände aus dem Baubereich und des Mieterbundes hat er den Wohnungsbedarf für 2017 ermittelt. Sein Ergebnis: In Stadt und Landkreis Osnabrück fehlen in fünf Jahren rund 4200 Wohnungen, im Emsland 1260, in der Grafschaft Bentheim 690 sowie in den Landkreisen Aurich und Leer 870 beziehungsweise 350.
Es wird immer größer und aufwendiger gebaut, aber es fehlen Wohnungen für den mittelprächtigen Einkommensbereich″, betont Günther. Die größten Probleme haben im Bereich Weser-Ems die Universitätsstädte Osnabrück und Oldenburg.″ Immer mehr Studenten und ältere Menschen würden in die Oberzentren ziehen. Im Gegensatz zu früher bleiben die Familien aber in der Stadt und ziehen nicht aufs Land.″ Zudem gehe der Trend in Richtung Kleinstwohnung, die Konsequenz: Jeder Einzelne brauche mehr Platz, aber gerade der sei Mangelware.
Doch nicht nur die Städte sind laut Günther betroffen, auch der ländliche Raum stehe vor Problemen: Der Bau von Mietwohnungen ist hier fast auf null zurückgegangen.″ Doch nicht jeder, der zum Arbeiten aufs Land ziehe, wolle dort sesshaft werden, denn das eigene Haus macht immobil″.
Die Auftraggeber der Studie leiten aus den Ergebnissen ab: Mietwohnungsbau und im Speziellen Sozialwohnungen müssten gezielt gefördert werden.
Beim Land Niedersachsen stehen dafür nach Auskunft des Sozialministeriums in diesem und im kommenden Jahr je 40 Millionen Euro zur Verfügung. Bis 2013 greift der Bund den Ländern mit insgesamt 518, 2 Millionen Euro jährlich unter die Arme, dann ist damit aber zunächst einmal Schluss. Seit der Föderalismusreform ist Sozialwohnungsbau Ländersache.
Es wäre ein Segen, wenn die Zahlungen des Bundes fortgeführt werden würden″, sagt Georg Mittler, Präsident des Deutschen Verbandes für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung. Er fordert die Bundesländer aber auch auf, eigene Lösungskonzepte für den Mietraummangel zu erarbeiten. Sonst drohen soziale Konflikte.″
Die Pestel-Studie beleuchtet auch das Alter des Wohnungsbestandes: In den Landkreisen Emsland, Osnabrück, Grafschaft Bentheim sowie Leer und Aurich sind zwischen 35 und 48 Prozent der Wohnungen Baujahr 1970 oder älter. In der Stadt Osnabrück sind es laut Erhebung 62 Prozent.

KOMMENTAR
Langfristig denken

Zugegeben: Wenn Interessenverbände aus dem Baubereich fordern, dass in Deutschland mehr gebaut werden soll, ist das wenig überraschend. Doch die Warnung, die sie mit diesem Anliegen verbinden, ist durchaus berechtigt. Auf dem deutschen Wohnungsmarkt läuft einiges schief.
Und das betrifft nicht nur Großstädte wie München, Hamburg oder Frankfurt. Günstige Mietwohnungen sind nicht zuletzt wegen der hohen Eigenheimquote auch in Nordwest-Niedersachsen Mangelware. Umso schlimmer, wenn sich dieserTrend noch verschärfen sollte.
Fakt ist, dass immer mehr alte Menschen bereits jetzt oder in Zukunft mit einer geringen Rente auskommen müssen. Die Konsequenz daraus lautet: Altersgerecht ist eine Wohnung nicht nur dann, wenn der Duscheinstieg niedrig ist. Dazu gehört auch, dass die Miete bezahlbar ist.
An den Staat als Verwalter der Steuermilliardener gibt sich daraus die Fragestellung, was für die Gesellschaft günstiger ist: altersgerechten (Sozial-) Wohnungsbau in Deutschland fördern oder die Kassen des maroden Sozialsystems mit immer mehr Heimunterbringungen belasten?
Die Antwort sollte klar sein. Der Vermieter denkt kurzfristig und will verständlicherweise aus seinem Besitz den maximalen Gewinn herausschlagen. Der Staat aber kann sich ein solch kurzfristiges Denken nicht leisten.
d.fisser@ noz.de
Autor:
Dirk Fisser


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