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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wohnraum statt grüner Oase?
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker Kleingartenverein will sich vergrößern – aber Neubaugebiet kommt dazwischen
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Im Osnabrücker Stadtteil Schinkel-Ost soll ein neues Baugebiet entstehen. Doch das Vorhaben stößt auf Kritik der Anwohner. Auch der Kleingartenverein Weseresch protestiert.

An der Windthorststraße soll aus Ackerfläche Bauland werden: So hat es Hartmut Siefke aus der Zeitung erfahren und sich erst gewundert und dann geärgert. Denn der Vorsitzende des Kleingartenvereins Weseresch hat eigene Pläne für einen Teil des Geländes, wie er erzählt.

Die Fläche, die die Stadt als Neubaugebiet ausweisen will, umspielt an zwei Seiten die Vinckeanlage″ seines Vereins, die an der Straße Kahle Breite liegt: 54 Kleingarten-Parzellen im Grünen, wo bisher nur das Rauschen der nahen A 33 die Idylle störte. Mit der Geräuschkulisse haben sich die Kleingärtner längst abgefunden, aber mit dem neuen Bebauungsplan wolle es die Vereinsführung nicht ohne Weiteres tun, kündigt Siefke an. Denn genau dort, wo die Stadt künftig bauen lassen will, hätten nach seinem Dafürhalten in den kommenden Jahren weitere Kleingartenparzellen entstehen sollen.

Der Platz werde dringend benötigt, das hätten die vergangenen Monate gezeigt, schildert der Vereinsvorsitzende. 114 Gartenfreunde stünden mittlerweile auf der Warteliste für einen Kleingarten. Diesen Ansturm können wir durch frei werdende Gärten nicht mehr decken. Sollen wir die Leute alle im Regen stehen lassen?″, fragt er. Zwei Entwicklungen hätten seinem Verein in den vergangenen Monaten den regen Zulauf beschert, berichtet Siefke: Im Frühjahr war eine jahrzehntelang bestehende Gartensiedlung hinter der Halle Gartlage von den Verpächtern aufgelöst worden.Kleingarten-Hype

Mehr als 100 Laubenpieper verloren ihre Parzelle und schauten auch in Schinkel-Ost nach einem neuen Garten. Zudem habe die Corona-Pandemie für einen regelrechten Run gesorgt. Wer nur eine Wohnung hat und nicht in den Urlaub konnte, der suchte händeringend nach einem privaten Rückzugsort an der frischen Luft.

Bis zu 60 weitere Parzellen könnten zur Vinckeanlage″ hinzukommen, stünden seinem Verein die im alten Bebauungsplan ausgewiesenen Erweiterungsflächen für Dauerkleingärten zur Verfügung, sagt Siefke. Doch mit dem neuen Bebauungsplan für eine Wohnsiedlung werden die alten Vorhaben einkassiert – „ überplant″ nennt das der Städtebauer.

Allerdings ist noch keine Entscheidung in Stein gemeißelt. Der Bebauungsplan befindet sich momentan erst in der Phase der frühen Öffentlichkeitsbeteiligung″: Noch bis zum 18. September können Anwohner in einem ersten Anlauf grundsätzliche Einwände und Widerspruch gegenüber der Stadt formulieren, was bereits in hohem Ausmaß passiert ist, wie der Leiter des Fachbereichs Städtebau, Holger Clodius, bestätigt. Weit mehr als 150 Anregungen″ habe die Stadt mittlerweile vermerkt. Das dokumentiert uns gegenüber, dass wir bei der Planung des Baugebiets viele widerstreitenden Belange berücksichtigen müssen.″Kleinklima bedroht?

Im Protest gegen das Neubaugebiet hatte sich eigens eine Bürgerinitiative gegründet, die vor allem befürchtet, dass sich das Kleinklima in den umliegenden Siedlungen durch die zusätzliche Flächenversiegelung und die neuen Bauwerke aufheizen könnte, weil kalte Luftströme schon am Stadtrand blockiert würden. Auch vor Baulärm und einer Zunahme des Autoverkehrs warnen einige Anwohner.

Der Kleingartenverein Weseresch hatte seine Mitglieder ebenfalls dazu aufgerufen, Widersprüche einzubringen. In einem Brief an die Stadt Osnabrück sprang der Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde dem Verein in Schinkel-Ost bei. Die Sicherung und Entwicklung von Kleingartenanlagen ist aus unserer Sicht heute ein unverzichtbarer Bestandteil der Daseinsvorsorge in den Städten.″ Wachsende Städte bräuchten mehr Kleingärten. Von dem 22 Hektar umfassenden Baugebiet an der Windthorststraße verspricht sich die Stadt indes in einer Zeit des Wohnungsmangels und stetig steigender Mietpreise Wohnraum für rund 1000 Menschen. Geplant sind bis zu 337 Wohneinheiten, wobei sich der Investor verpflichtet, 15 Prozent als preisgebundenen, sprich: günstigen Wohnraum anzubieten.

Der städtische Auftrag, Wohnbauflächen bereitzustellen, dürfe jedoch nicht um jeden Preis durchgeboxt″ werden, betont auch Stadtplaner Holger Clodius. Politik und Verwaltung sind Anwälte aller öffentlichen Interessen.″ Die Einwände der Bürger würden seriös geprüft und abgewägt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass danach der Entwurf zu 100 Prozent so umgesetzt wird, wie er jetzt auf dem Tisch liegt.″

Ein Wörtchen mitzureden haben zudem die Eigentümer der bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen an der Windthorststraße. An künftigem Bauland würden sie deutlich mehr verdienen als etwa mit der Pacht für Kleingärten. Geld habe der Kleingartenverein bisher noch nicht in die Feinplanung für eine Erweiterung seiner Flächen investiert, sagt Hartmut Siefke. Er hoffe, dass die Stadt zeitnah Platz für neue Parzellen anbieten könne. In der kommenden Woche wollen beide Parteien miteinander sprechen.

Bildtexte:
Direkt hinter dem Zaun des Kleingartenvereins Weseresch soll ein Neubaugebiet entstehen. Ausgerechnet dort plante der Vorsitzende Hartmut Siefke bisher allerdings mit neuen Parzellen für künftige Kleingärtner.
Auf dieser Fläche hätte Hartmut Siefke gerne Kleingarten-Parzellen gesehen. Nun soll hier ein Neubaugebiet entstehen. Perspektive vom Südwesten auf die Fläche blickend. Im Hintergrund ist die bestehende Kleingartenanlage zu sehen.
Beidseitig der Windthorststraße in Schinkel-Ost soll das Neubaugebiet entstehen. Die Anlage des Kleingartenvereins liegt an der Straße " Kahle Breite", zwischen A33 (in dieser Ansicht im Osten) und neuem Bauland (im Westen und Norden). Den in dieser Ansicht westlichen Teil des Geländes wollte der Kleingartenverein für neue Parzellen nutzen.
Zwei Schneisen für die Kaltluft sollen bleiben, wenn das geplante Baugebiet an der Windthorststraße realisiert wird. Hier sind sie grün eingezeichnet.
Protest am Eingangstor: Der Kleingartenverein hat sich dem " Nein" der Bürgerinitiative gegen das geplante Baugebiet angeschlossen.
Fotos:
David Ebener, Stadt Osnabrück
Autor:
Meike Baars


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