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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Teure Sanierung des Kreishauses
 
Wird Kreishaus für 50 Millionen Euro saniert?
Zwischenüberschrift:
Große Variante schneidet bei Wirtschaftlichkeit, Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit am besten ab
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Das 1981 erbaute Kreishaus am Osnabrücker Schölerberg wird voraussichtlich für knapp 50 Millionen Euro saniert. Besonders teuer sind die Erneuerung der Gebäudetechnik, die Sanierung von schadstoffbelasteten Bauteilen und der Brandschutz.

Osnabrück Die Sanierung des Osnabrücker Kreishauses wird nach aktueller Planung voraussichtlich knapp 50 Millionen Euro verschlingen. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern aller Fraktionen im Kreistag hat ein Jahr lang acht verschiedene Varianten geprüft. Warum eine Sanierung im Volumen von insgesamt 49, 617 Millionen Euro die wirtschaftlichste Variante″ sein soll.

Als die Kreisverwaltung vor einem Jahr einen Sanierungsbedarf für das 1981 erbaute Kreishaus in Höhe von rund 48 Millionen Euro feststellte, fühlte sich die Kreispolitik überrumpelt. Schließlich war noch Ende 2016 von einer Investition mit einem Gesamtvolumen von 14 Millionen Euro über einen Zeitraum von fünf Jahren die Rede gewesen. Laut Kreisverwaltung hatten sich aber neben den bekannten Sanierungsbedarfen aus den Bereichen Brandschutz- und Bauschadstoff weitere zwingend zu sanierende Bedarfe ergeben″.

Verärgerte Kreispolitik

Grünen-Fraktionschef Rainer Kavermann fehlten seinerzeit die Worte. Er schimpfte, es könne doch nicht wahr sein″, dass es drei Jahre dauere, um die damalige Kostenschätzung zu konkretisieren. Auch SPD-Fraktionschef Thomas Rehme warf der Verwaltung vor, dass in ein paar Wochen ein Beschluss über eine 48-Millionen-Investition durchgepeitscht″ werden sollte und darüber hinaus noch Druck aufgebaut worden sei, indem darauf hingewiesen wurde, dass wegen der voraussichtlichen Baukostensteigerung jede Verschiebung zu zusätzlichen Kosten in Höhe von 160 000 Euro monatlich führen werde. Auch CDU-Fraktionschef Johannes Koop sagte: Die große Summe erschreckt alle.″ Parteiübergreifend herrschte Einigkeit, dass kritisch hinterfragt werden müsse, was wirklich nötig sei. Daraufhin wurde der ursprünglich im September 2019 vorgesehene politische Beschluss verschoben.

Nachdem eine interfraktionelle Projektgruppe das Thema seit Ende 2019 in insgesamt sechs Sitzungen erörtert und acht Varianten geprüft hat, kommt sie nun zu dem Ergebnis, dass in Abwägung der verschiedenen Alternativen der bereits vor einem Jahr vorgeschlagene Entwurf der sinnvollste sei. Die Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter konstatierte in der Sitzung des Finanzausschusses jetzt, dass bezogen auf die durchschnittliche Haushaltsbelastung in den kommenden 45 Jahren die Variante große Sanierung″ die günstigste sei.

Geprüft wurden Rosensträter zufolge alternativ unter anderem eine kleine Sanierung″, eine Kernsanierung, ein Neubau oder auch das Modell einer öffentlich-privaten Partnerschaft („ Public-private-Partnership″) also eine Zusammenarbeit zwischen öffentlicher Hand und Unternehmen der Privatwirtschaft.

Unter den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Zukunftsfähigkeit und Nachhaltigkeit sei die Variante große Sanierung″ die beste. Sie erfülle alle Bewertungskriterien in ausgewogenem Maße″. Die durchschnittliche jährliche Haushaltsbelastung im Betrachtungszeitraum von 45 Jahren falle mit durchschnittlich 1, 5 Millionen Euro jährlich am niedrigsten aus. Darüber hinaus könnten die erheblichen Investitionen der vergangenen zwölf Jahre in Höhe von 23 Millionen Euro im bestehenden Standort am Osnabrücker Schölerberg weitergenutzt werden″.

Die Kosten im Einzelnen

Bereits vor einem Jahr hatte die Kreisverwaltung erläutert, dass Sanierungsmaßnahmen in folgenden fünf Bereichen erforderlich sind:

Brandschutz (zum Beispiel neue Brandwände und Brandschutztüren sowie Ertüchtigung der Brandmeldeanlage): 4 Millionen Euro

Bauschadstoffe (zum Beispiel Sanierung von schadstoffbelasteten Bauteilen wie etwa Überbau asbesthaltiger Spachtelmassen, Rückbau asbesthaltiger Brandschutzplatten und Erneuerung der schadstoffbelasteten Abhangdecken): 5, 9 Millionen Euro

Energetische Sanierung (zum Beispiel Austausch der Lichtkuppeln im Foyer und in den Treppenhäusern, Austausch der Verglasung und neuer Sonnenschutz): 5, 9 Millionen Euro

Technische Gebäudeausrüstung (die Elektrotechnik als auch die Heizungs- und Lüftungstechnik müssen erneuert werden): 7, 7 Millionen Euro

Modernisierung (zum Beispiel Sanierung der Bodenbeläge): 1, 7 Millionen Euro

Als weitere Kosten führte die Kreisverwaltung auf:

Baustellengemeinkosten: 500 000 Euro Baunebenkosten: 7, 7 Millionen Euro

– „ Unvorhergesehenes″: 3, 3 Millionen Euro Preissteigerung (10 Prozent für 2 Jahre): 3, 3 Millionen Euro

Zum Ergebnis von 40, 1 Millionen Euro kam nach der Kostenschätzung des vergangenen Jahres noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 7, 6 Millionen Euro hinzu. Nachdem die Kreispolitik die Kostenschätzung des Generalplaners nun ein Jahr lang überprüft hat, hat sich die Kostenrahmenschätzung des Generalplaners, der Firma Assmann Münster GmbH, nun um weitere knapp zwei Millionen Euro auf 49, 617 Millionen Euro erhöht. Weiterhin ist von einer Kostenschwankungsbreite″ von bis zu 25 Prozent die Rede, sodass die Gesamtkosten der Sanierung im schlimmsten Fall noch auf 62 Millionen Euro steigen könnten.

Die Sanierung soll in den fünf Jahren zwischen 2021 und 2026 durchgeführt werden. Planerisches Ziel der energetischen Sanierung ist der KfW-Effizienzhaus-Standard 55 für das Gesamtgebäude.

Landrätin Anna Kebschull (Grüne) machte im Finanzausschuss deutlich, dass es ihr sehr wichtig ist, die richtige Vorentscheidung für den Kreistag am 28. September zu fällen″. Beim Klimaschutz-Standard hätte sie am liebsten einen Passivhaus-Standard gehabt. Dieser sei aber nur zu erreichen, wenn man das komplette Gebäude abreißt. Sie bezweifelte jedoch, dass ein solcher Abriss nachhaltig ist. Der nun vorgesehene KfW-55-Standard könne nach der Sanierung zwar nicht in jedem Einzelbereich des Gebäudes erreicht werden. In einzelnen Bereichen könne man aber überkompensieren, sodass nach den Berechnungen der Firma Assmann über das gesamte Haus berechnet ein KfW-55-Standard erreicht werden könne. Alles, was an mehr möglich ist, werden wir möglich machen.″

Auf Nachfrage des finanzpolitischen Sprechers der SPD-Kreistagsfraktion, Dieter Selige, ob bei der Planung für die Sanierung berücksichtigt worden sei, dass jetzt schon mehr als ein Viertel der Verwaltungsmitarbeiter im Homeoffice arbeiten, räumte die Erste Kreisrätin Bärbel Rosensträter zwar ein, dass von 1200 Verwaltungsmitarbeitern zeitgleich bereits rund 400 Menschen mobil arbeiten würden. Sie betonte aber zugleich: Man kann den Mitarbeitern aber doch nicht verwehren, hier noch einen Arbeitsplatz zu haben und diesen gelegentlich vor Ort zu nutzen.″ Es müsse nach Funktionen bewertet werden, in welcher Art und Weise die Kollegen arbeiten müssten. Dieser Anforderung entsprechend müssten Arbeitsräume geschaffen werden.

Der Finanzausschuss empfahl dem Kreistag zum Ende der Debatte einstimmig, die Brandschutz- und Schadstoffsanierung und die definierten Sanierungsbedarfe des Kreishauses anzuerkennen und die knapp 50 Millionen Euro teure große Sanierung″ zu beschließen.

Bildtexte:
Vieles muss modernisiert werden: Der Finanzausschuss empfiehlt dem Kreistag einstimmig, eine knapp 50 Millionen Euro teure Sanierung des Osnabrücker Kreishauses zu beschließen.
Bärbel Rosensträter ist die Erste Kreisrätin des Landkreises Osnabrück.
Landrätin Anna Kebschull (Grüne).
Luftbild:
Archiv/ David Ebener
Fotos:
Archiv/ André Havergo, Archiv/ David Ebener
Autor:
Jean-Charles Fays


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