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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Beamte entschieden über Leben und Tod
Zwischenüberschrift:
„Aktion T 4″ – Maria Stegmann wurde 1941 Opfer eines Massenmordes an Patienten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Das Regime hatte ihren Tod beschlossen. Im April 1941 fuhren graue Busse den Gertrudenberg hinauf zur Heil- und Pflegeanstalt. 180 Patienten mussten einsteigen. Sechs Wochen später wurden sie in Hadamar mit Gas ermordet. Unter ihnen befand sich Maria Stegmann. Jetzt erinnert ein Stolperstein an die Osnabrückerin, die im Alter von 29 Jahren sterben musste.
Maria Stegmann war Dienstmädchen und lebte bei ihren Eltern in der Lohstraße 11, bis sie im Januar 1933 Patientin in der Heil- und Pflegeanstalt wurde. Im selben Monat kam Adolf Hitler an die Macht und mit ihm eine Willkürherrschaft, die zwischen wertem″ und unwertem″ Leben unterschied. Vorstellungen von einer reinen Rasse″ gehörten zum Regierungsprogramm der Nationalsozialisten. Unter anderem nahmen sie psychischkranken und geistig behinderten Menschen das Rechtauf Leben. Die Entscheidung für Anstaltspatienten fiel 1939. Adolf Hitler ließ Tötungsanstalten bauen, die einer eigenen Verwaltung an der Tiergartenstraße 4 in Berlin unterstanden. Die Abkürzung der Adresse war der Namensgeber der Aktion T4″. Die Beamten erhielten eine Tötungsermächtigung″. Sie erfassten alle Anstaltspatienten in Deutschland. Ärzte beurteilten sie anhand von Meldebögen. Im Vordergrund stand dabei die Arbeitsfähigkeit der Patienten. Bis 1945 wurden etwa 200 000 von ihnen Opfer von Mördern, die ihre Taten mit dem Begriff Euthanasie″ beschönigten, sie mit der Vorstellung von Rassenhygiene″ rechtfertigten und sie daher als Desinfektion″ bezeichneten.
Die Patienten aus Osnabrück kamen zuerst in ein Zwischenlager in Eichberg. Im Juni 1941 brachten Busse sie nach Hadamar, wo sich eine von sechs Tötungsanstalten dieser Art befand. Gleich nach der Ankunft wurden sie in einer Gaskammer ermordet und anschließend verbrannt. Möglicherweise erhielten die Eltern von Maria Stegmann einen Brief mit einer von den Ärzten ausgedachten Todesursache, die zu ihren Opfern am ehesten passen würde, sowie eine Urne, in der sich irgendwelche Asche befand. So jedenfalls geschah es in vielen Fällen.
Walburga Otte ist Patin des Stolpersteins für Maria Stegmann. Sie sagte bei der Verlegung: Wie wir mit den Schwächsten umgehen, zeigt den Reifegrad unserer Zivilisation.″ Dieser Satz ist auch eine Antwort auf die Ideologie der Nationalsozialisten.

Bildtext:
Lohstraße 11: Hier stand einst das Haus, in dem Maria Stegmann lebte, bis sie 1933 in die Heil- und Pflegeanstalt am Gertrudenberg eingewiesen wurde. 1941 wurde sie im hessischen Hadamar von Nationalsozialisten ermordet.
Foto:
Jörn Martens

Stolpersteine
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich europaweit Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Den Stolperstein für Maria Stegmann verlegten Jan Buddenkotte, Benjamin Cotie, Robin-Stephan Dirks, Shkumbin Karsniqi und Betim Ukaj, die die Berufsfachschule Bautechnik des Berufsschulzentrums am Westerberg besuchen. Patin für den Gedenkstein ist Walburga Otte. Die nächsten Stolpersteine werden am Mittwoch, 20. Juni, verlegt.
Autor:
Jann Weber


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