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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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„Velkommen i Osnabrück!″
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Vor 50 Jahren war Skandinavien zu Gast bei den „Wochen der Freundschaft″
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Osnabrück als Stadt des Westfälischen Friedens bewies nach dem Krieg ein geschicktes Händchen, gutnachbarschaftliche Beziehungen im zusammenwachsenden (West-) Europa zu vertiefen. Neben den Städtepartnerschaften waren die Wochen der Freundschaft″ dafür ein gutes Instrument. Vor 50 Jahren war Skandinavien in Osnabrück″ zu Gast.

Den Reigen der Freundschaftswochen hatte 1962 Holland in Osnabrück″ eröffnet. Es folgten 1963 Österreich, 1964 Frankreich und 1966 Großbritannien. Die Skandinavien-Woche vom 4. bis zum 11. September 1970 stellte den Abschluss und in gewisser Weise auch einen Höhepunkt dar. Es waren nun gleich fünf Länder angemessen zu vertreten: neben Dänemark, Schweden und Norwegen auch Finnland und Island.

Der städtische Verkehrsdirektor Dr. Hermann Poppe-Marquard musste also noch einmal alles geben. Eigentlich befand er sich seit März im Ruhestand. Doch als Cheforganisator aller bisherigen Großveranstaltungen wollte die Stadt auf seine Erfahrungen auch dieses Mal nicht verzichten.

Am Rande einer vorbereitenden Sitzung bekannte Poppe-Marquard, dass es gar nicht so einfach sei, fünf unterschiedliche Landesmentalitäten zusammenzubringen, darunter drei Monarchien und zwei Republiken mit durchaus divergierenden politischen Lagen und Interessen und nicht zuletzt verschiedenen Zollbestimmungen.

Dänemark strebte seinerzeit gerade die Mitgliedschaft im EU-Vorläufer Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) an, was 1973 auch gelang. Bei Schweden und Finnland war es erst 1995 so weit, während Norwegen und Island nach wie vor nicht in der EU sind.

Poppe-Marquard strickte das Beste daraus. Die Palette des Programms ist so farbig wie die fünf verschiedenen Fahnen″, sagte er selbst dazu, als er das 90 Seiten starke Programmheft vorstellte. Das Grußwort darin hatte Bundeskanzler Willy Brandt verfasst, der sich mit der Norwegen-Nähe seiner Vita gern als Schirmherr der Woche verpflichten ließ.

Till wird schwach

Die Dänen als Deutschlands unmittelbare Nachbarn hatten den kürzesten Anreiseweg, sie waren dementsprechend besonders stark vertreten. Das drückte sich unter anderem in der Omnipräsenz der Haderslev Pigegarde″ (Haderslebener Mädchengarde) aus, einer Marschkapelle, bestehend aus 45 jungen Damen mit roten Zylindern in rot-blauen Kostümen und weißen Stiefeln. Sie brachten den Lokalkolumnisten unserer Redaktion ins Schwärmen: Till hat gestern schon einige Gäste kennengelernt. Sehr hübsche Mädchen sind darunter, natürlich in Miniröcken. Ihr Anblick ist bezaubernd schön!

Auch die aus der niederländischen Partnerstadt angereisten Haarlemer Blumenmädchen sorgten für Aufsehen, als sie allen Ehrengästen unter anderen Bundesjustizminister Gerhard Jahn und Niedersachsens Ministerpräsident Alfred Kubel bei der Eröffnung im Friedenssaal Nelken ins Knopfloch steckten.

Die feierliche Eröffnung der Woche nahm im Auftrag aller fünf skandinavischen Länder der dänische Botschafter in Bonn, Graf Knuth-Winterfeldt, vor. In seiner streckenweise launigen Rede ging er auch auf die Rolle Schwedens und Dänemarks bei den Verhandlungen in Osnabrück und Münster ein, die zum Friedensschluss 1648 führten, und sagte, mehr als 300 Jahre hätten die Nordländer darauf gewartet, mal wieder nach Osnabrück eingeladen zu werden. Ernster fuhr er fort, dass dieser erste europäische Frieden leider nicht den Wunsch aller beteiligten Völker erfüllen konnte, zukünftige Kriege zu verhindern. Unsere Zeit solle daraus lernen und erkennen, wie wichtig ein geeintes Europa sei.

Europa voller Grenzen

Aus heutiger Sicht sollte man berücksichtigen, dass vor 50 Jahren das grenzenlose Europa noch Zukunftsmusik war. Eine gemeinsame europäische Identität im globalen Wettbewerb mit anderen Weltregionen war in noch viel weiterer Ferne als heute. Man bestaunte, manchmal auch belächelte die Eigenarten der anderen Europäer.

Aussöhnung war noch ein Thema. Der Zweite Weltkrieg mit der deutschen Besetzung Dänemarks und Norwegens lag noch nicht so lange zurück wie etwa heute die deutsche Wiedervereinigung. Es galt, Vertrauen zu schaffen und sich besser kennenzulernen. Dänischer Käse auf deutschen Tellern oder Aalborger Aquavit in deutschen Gläsern waren noch nichts Alltägliches. Die Deutschen reisten, wenn es ins Ausland ging, eher in den Süden als nach Norden.

Die ganze Stadt war von Kopf bis Fuß auf Skandinavien eingestellt, ob es nun einschlägige Schaufenster-Dekorationen waren oder die beiden Kopenhagener Gardeoffiziere aus Lego-Steinen, die am Eingang zum Einrichtungshaus Schäffer die Sonderausstellung von Porzellan, Glas und Steingut so bekannter Marken wie Bing & Groendahl, Kosta, Boda oder Iittala bewachten.

Im Autohaus Carl Bücker in der Johannisstraße, Importeur von Volvo-Fahrzeugen, eröffnete der Königlich Schwedische Gesandte die Ausstellung Sicherheit in Automobilen″, wobei er nicht vergaß, die Vorzüge von Schweden-Stahl zu preisen.

Im Hotel Hohenzollern begrüßte Hotelier Peter Beigel die Kochbrigade des Hotels Kronen aus Lillehammer und Schiffsköche der TT-Linie Travemünde–Trelleborg, die in der Woche ausschließlich skandinavische Köstlichkeiten auftischten. Im Restaurant töff töff″ in der Pagenstecherstraße war es die Werbeikone der dänischen Molkereiwirtschaft Karoline″, die ein leckeres Käsebuffet bereitete. Das DER-Reisebüro bewarb die absolute Schneesicherheit″ bei einem Skiurlaub in Norwegen und versprach 30 Prozent Ermäßigung für die Ehefrau″.

Lappen-Zelt im Zoo

In der Stadtkasse drückte ein dänischer Postmeister in historischer Uniform im dort eingerichteten Sonderpostamt bereitwillig Sonderstempel auf Schmuckbriefe.

Nebenan war eine 16 Meter lange Modelleisenbahnanlage aufgebaut, die den Fährhafen Puttgarden nachbildete. Die Kunsthalle Dominikanerkirche zeigte Kunstgewerbe und Graphik aus Skandinavien″. Das Theater am Domhof brachte in einem Festkonzert Werke von Jean Sibelius, Carl Nielsen und anderen Nordkomponisten zur Aufführung.

Im Haus der Jugend spielte Papa Bue′s Viking Jazz Band″ aus Kopenhagen, in der Halle Gartlage trat der Dänen-Export″ Gitte auf und sang Schlager leider in schlechter Tonqualität und bei magerer Bühnenausleuchtung.

Auf der Illoshöhe trat eine Fußballmannschaft der finnischen Fluglinie Finnair gegen ein Team des NDR an. Schiedsrichter war ein damals bekanntes Fernsehgesicht: Butler″ Martin Jente aus Kulenkampffs Sendung Einer wird gewinnen″.

In der Aula des neuen Mädchengymnasiums In der Wüste″ ging ein Tanzturnier um das Goldene Rad von Osnabrück″ mit internationaler Beteiligung über die Bühne. Auf dem Flugplatz Atterheide und auf dem Campingplatz an der Nordstraße trafen sternförmig angereiste Flieger und Camper ein.

Im Erweiterungsgelände des Zoos am Schölerberg hatte eine indigene Familie vom Stamm der Samen damals noch als Lappen″ bezeichnet ihr Zelt aufgeschlagen. Die mitgebrachte Rentierherde knabberte genüsslich an ihr dargebotenem Eichen- und Buchenlaub des Schölerbergs″, schrieb die Neue Osnabrücker Zeitung″. Nebenan im Naturkundemuseum führte Direktor Horst Klassen durch die Ausstellung Vom Holz zum Papier″.

Weltoffen zeigte Osnabrück sich auch im Stadtbild: Polizisten in ungewohnten Uniformen gingen Streife. 30 Beamte aus elf Nationen hatte die International Police Association (IPA) zusammengetrommelt. Viele Auftritte absolvierten Volkstanzgruppen aus Lund (Schweden) und Lempäälä (Finnland), schmissige Musik steuerten neben der Haderslev Pigegarde″ auch 40 frische dänische Mädchen″ der H.-C.-Andersen-Garde″ aus Odense bei. Ein Osnabrücker Zuschauer zeigte sich enttäuscht: Die sind ja gar nicht alle blond!

Ein anderes Fazit zog der schwedische Konsul am Ende: Nirgendwo in Deutschland hat es zuvor eine so umfassende Skandinavien-Woche gegeben.″

Bildtext:
Die dänische Marschkapelle Haderslev Pigegarde″ war bei zahlreichen Auftritten während der Skandinavien-Woche zu sehen und zu hören.
Skandinavien-Woche in Osnabrück: Auf der Großen Straße fuhren beim Feinkosthaus Hünefeld Tankwagen mit Tuborg-Bier vor. Zum Jux der dänischen Diplomaten in seiner Begleitung prüft Bürgermeister Dr. Georg-Bernhard Scholz den Inhalt mittels Klopfprobe. Mit Stockschirm: Verkehrsdirektor Hermann Poppe-Marquard.
Die Haderslebener Mädchengarde hat zu einem Ständchen in der Großen Straße Aufstellung genommen.
Der dänische Botschafter in Bonn, Graf Knuth-Winterfeldt, bedankte sich bei der Tambourmajorin der Haderslebener Mädchengarde für die in Osnabrück gegebenen Platzkonzerte.
Die Haarlemer Blumenmädchen wurden von Piloten des Aero-Klubs Osnabrück zu Rundflügen eingeladen.
Sonderstempel zur Skandinavien-Woche.
Kontakte über die Grenzen hinweg pflegten ein britischer (links) und ein dänischer Polizeibeamter. 30 Kollegen aus elf europäischen Ländern kamen zur Skandinavien-Woche nach Osnabrück.
Foto:
Hartwig Fender, Emil Harms, Kurt Lockmann
Repro:
NOZ Archiv
Autor:
Joachim Dierks


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