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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Eselsbusch war der Autobahn im Weg
Zwischenüberschrift:
An der Blankenburg in Hellern: Brückenbau für die Europastraße
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Es ist der 17. September 1967. Noch steht der Eselsbusch″, eine gut 20 Meter hohe siebenstämmige Buche. Seit vielen Generationen hat sie als weithin sichtbares Naturdenkmal den Fußweg nach Tecklenburg gewiesen. Doch nun ist ihr letztes Stündchen angebrochen, weil genau an dieser Stelle ein Brückenbauwerk für die projektierte Europastraße 8 errichtet werden soll.

Kurz bevor die Motorsägen angeworfen werden, macht sich der Helleraner Hobbyfotograf Hugo Mittelberg auf den Weg, um den gewaltigen Baum an der Kreuzung des Eselspatts″ mit der Straße An der Blankenburg noch einmal auf einem Diapositiv zu verewigen. Die Baustelle ist bereits eingerichtet, die Erdarbeiten haben begonnen.
Von der bevorstehenden Fällung des markanten Baums hatten die Helleraner aus der Zeitung erfahren. Der Verlust wurde von vielen seiner Mitbürger bedauert, weiß Mittelberg noch, aber Widerstand dagegen kam nicht auf: 1967 war die 68er-Bewegung ja noch nicht gewesen, an Bürgerproteste gegen Infrastrukturbaumaßnahmen zu der Zeit kann ich mich nicht erinnern.″ So wieder Bau der Autobahn Hansalinie″ (heute A 1) als gewaltiger Entwicklungssprung für die ganze Region gewertet wurde, habe man auch die vierstreifige südliche Umgehung Osnabrücks im Zuge der Europastraße E 8 (heute Autobahn A 30) als willkommenen Fortschritt gesehen, der ohne Einschnitte in die gewohnte Umgebung eben nicht zu haben gewesen sei. Osnabrück an der Achse Hannover–Amsterdam, das war doch was″, so Mittelberg.
Der Eselsbusch hieß so, weil er am Eselspatt lag. Doch wie kam der Eselspatt zu seinem Namen? Das Osnabrücker Sagenbuch″ von Ludwig Schirmeyer gibt darüber Auskunft. So hat man sich früher erzählt, dass der Graf von Tecklenburg wie bei vielen unseligen Dingen in und um Osnabrück auch hierbei seine Finger im Spiel hatte. Nach einer alten Übereinkunft hatte der Graf das Recht, den Osnabrücker Metzgern die Fleischpreise vorzuschreiben. Sein Bote war ein missgestalteter Zwerg namens Simon. Der ritt auf einem Esel Tag für Tag in die Stadt. Der Esel trug zwei Körbe, in die das beste Fleisch für den Grafen gelegtwerden musste. Erst danach durften die Metzger mit dem allgemeinen Verkauf beginnen. Simon war ein säumiger Kerl, er legte gern beim Eselsbusch eine Pause ein und kam immer erst sehr spät in der Stadt an. Schon oft hatte man den Boten zu größerer Eile angetrieben. Doch der antwortete mit Hohn und Spott, weil er seinen mächtigen Herrn im Rücken wusste. Eines Tages und nun wird es grausam riss den Metzgern der Geduldsfaden. Sie erschlugen den Zwerg, zerlegten ihn fachgerecht, packten seine Bestandteile in die Körbe und schickten den Esel mit einem schönen Gruß an den Grafen über den Eselspatt zurück nach Tecklenburg.
Es lässt sich ausmalen, dass diese schreckliche Freveltat den Beziehungen zwischen Graf und Stadt nicht förderlich war. Nach allerlei sagenhaften Verwicklungen leisteten die Fleischer schließlich Sühne, indem sie ihr Fleischeramtshaus an der Bocksmauer zu einem Pflegehaus für arme Krüppel machten. Ein in Stein gehauener Ochsenkopf am Haus Bocksmauer 12 erinnert angeblich an diesen Zusammenhang. Geschichtlich belegt ist wohl, dass Bocksmauer und Bocksturm ihre Namen von den früher hier konzentrierten Fleischbänken haben.
Die Beziehungen zwischen Osnabrück und Tecklenburghaben sich bekanntlich normalisiert, spätestens seitdem die Tecklenburger Freilichtspiele in jedem Sommer Heerscharen von Osnabrückern in die historische Burganlage des Grafen locken. Zur Anreise benutzen die Osnabrücker vermutlich eher die frühere E 8 und heutige A 30 als den TecklenburgerFußweg″, der im hier abgebildeten Abschnitt sogar amtlich die Bezeichnung Eselspatt trägt.
In alten Zeiten zweigte der Eselspatt in Höhe des späteren Hagedorn-Fabrikgeländes von der Lotter Straße ab. Die Heger Laischaft hat der Abzweigung ein Denkmal gesetzt, da sie gleichzeitig ein Laischafts-Grenzpunkt ist. Anstelle des historischen Wegweisers, einer eisernen Hand an einer Stange, hat sie die Hand später als Stein-Relief in die dort befindliche Bruchsteinmauer setzen lassen. Es ist die Stelle, an der einem Kind beim Schnatgang die traditionelle Ohrfeige verpasst wird.
Längst Geschichte ist inzwischen auch die Bezeichnung E 8 für Osnabrücks Südumgehung. Nach einer Umsortierung der Europastraßen verläuft die E 8 jetzt zwischen Tromsö in Nord-Norwegen und Turku in Finnland. Ebenso ist Geschichte, dass die Ikea-Zentrale einst ein Auge auf die Fläche zwischen Eselspatt und A 30 geworfen hatte. Wegen zu erwarten der Verkehrsprobleme ließ man 2002 jedoch von diesem Plan ab und schwenkte auf die Fläche zwischen Schürholz und Düte um.

Bildtexte:
Die Straße An der Blankenburg″ zeigt dieses Bild aus dem Jahr 1967. Zentral ist die mächtige Buche Eselsbusch″ zu sehen, die als weithin sichtbares Naturdenkmal den Fußweg nach Tecklenburg gewiesen hatte.
Stützmauern sorgen dafür, dass das frühere Haus des Dorfpolizisten Schrader stehen bleiben konnte. Die Ackerfläche links vor der Autobahn war 2001 als Ikea-Standort im Gespräch.
Fotos:
Hugo Mittelberg (aus: Wochenkalender des Museums Industriekultur 2011), Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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