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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Kamera hilft Bussen beim Rechtsabbiegen
 
Kamera im toten Winkel
Zwischenüberschrift:
Osnabrücker E-Busse erhalten eine Extraportion Sicherheit
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Das Osnabrücker Aktionsbündnis Allianz für Sicherheit″ bekommt Zuwachs: Neben immer mehr Lastwagen werden auch die neuen elektrischen Gelenkbusse der Stadtwerke mit einem Abbiegeassistenz-System ausgestattet. Der kommunale Verkehrsbetrieb unterstützt damit die regionalen Logistikunternehmen bei ihrem Versuch, den Straßenverkehr in Osnabrück sicherer zu gestalten.

Auch wir ÖPNV-Betreiber sehen uns in der Verantwortung und wollen dazu beitragen, die Zahl der Unfälle im Stadtgebiet zu minimieren″, sagt Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke. Mit dem kamerabasierten Abbiegeassistenz-System werden zunächst 49 E-Busse ab Werk ausgestattet. 13 ältere Fahrzeuge sollen damit nachgerüstet werden, wenn sich der technische Helfer im Einsatz bewährt.

Osnabrück Zum Schutz vor Unfällen mit Radfahrern und Fußgängern rüsten die Stadtwerke Osnabrück ihre neuen E-Busse mit einem Abbiegeassistenz-System aus. Sie folgen damit dem Beispiel regionaler Spediteure. Allzu sorglos sollten schwächere Verkehrsteilnehmer deshalb aber nicht sein, warnt die Osnabrücker Allianz für Sicherheit″. Immer wieder kommt es in Osnabrück zu schweren, teilweise tödlichen Zusammenstößen von Radfahrern und Lastwagen. Die Gefahr lauert vor allem an Kreuzungen: Schnell geraten Fahrradfahrer dort in den toten Winkel der Trucks und werden überrollt, wenn die zig Tonnen schweren Fahrzeuge plötzlich rechts abbiegen.

Selbstverpflichtung

Unter dem Eindruck einer ganzen Reihe solch schrecklicher Unfälle formierte sich deshalb im Herbst 2018 das Osnabrücker Aktionsbündnis Allianz für Sicherheit″. Mitglieder des Kompetenznetzes Individuallogistik (KNI) und des Gesamtverbandes Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN) schlossen sich zusammen mit dem Ziel, die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern zu verbessern.

So verpflichten sich die City-Logistiker etwa dazu, alle regelmäßig innerhalb des Wallrings verkehrenden Fahrzeuge ab 7, 5 Tonnen mit Abbiegeassistenz-Systemen nachzurüsten. Neue Lastwagen werden gleich mit einer solchen technischen Hilfe an Bord bestellt. Mittlerweile sind in Osnabrück mehr als 250 und somit fast alle Lkw der Bündnis-Unternehmen mit Abbiegeassistenz-System im Einsatz″, sagt KNI-Vorstand Rolf Meyer (Firma Meyer & Meyer). Die Allianz für Sicherheit″ nehme bundesweit eine Vorreiterrolle ein und hoffe, dass weitere Städte ihrem Beispiel folgen.

Vor Ort nehmen sich jetzt auch die Stadtwerke ein Beispiel an dem Bündnis. Sie lassen Abbiegeassistenten in alle 49 elektrischen Gelenkbusse einbauen, mit denen künftig die Linien M2 bis M5 bedient werden. Die Erhöhung der Verkehrssicherheit ist nicht nur Aufgabe der Logistiker″, betont Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke. Auch wir ÖPNV-Betreiber sehen uns in der Verantwortung und wollen dazu beitragen, die Zahl der Unfälle im Stadtgebiet zu minimieren.″

Drei fabrikneue Fahrzeuge aus der E-Bus-Großbestellung von Juli 2019 hat Hersteller VDL bereits geliefert. Sie schwimmen ab sofort auf der Linie M1 (Düstrup–Haste) mit. Und geben dabei auch Aufschluss über die Praxistauglichkeit des zusätzlichen Sicherheitsfeatures. Bewähre es sich im täglichen Betrieb, so Kränzke, würden die 13 älteren E-Gelenkbusse entsprechend nachgerüstet.

Helferlein für 1500 Euro

Und so funktioniert der Abbiegeassistent für die Osnabrücker E-Busse: Eine Kamera, angebracht auf der rechten vorderen Fahrzeugseite, blickt von oben auf die Straße und erfasst so auch den sogenannten toten Winkel also jenen Bereich, den der Busfahrer mit eigenen Augen nicht einsehen kann. Bewegt sich hier nun ein Radfahrer oder Fußgänger, wird dies dem Busfahrer auf einem Monitor über der Vordertür angezeigt. Zusätzlich blinkt und ertönt ein Warnsignal.

Klingt simpel und tatsächlich mussten die Stadtwerke für diese Extraportion Sicherheit nicht einmal besonders tief in die Tasche greifen. 1500 Euro pro E-Bus kostet so ein Abbiegeassistent″, erklärt Kränzke. Bei 49 Wagen macht das unterm Strich knapp 75 000 Euro. Die Spediteure im Osnabrücker Aktionsbündnis hingegen kommt ein solches Ausstattungsmerkmal vergleichsweise teuer zu stehen. Auf rund 7000 Euro schätzt Lars Siepmann, Leiter Fuhrpark-Management und Disposition bei der Firma Overnight Tiefkühl-Service, die Mehrkosten pro Lkw.

Dafür biete das auf Sattelzüge zugeschnittene System auch etwas mehr, indem es zum Beispiel den Raum per Radar abtaste und die Außenspiegel durch mitschwenkende Kameras ersetze. Dadurch habe der Fahrer auch beim Abbiegen stets das Heck seines 16, 5 Meter langen und bis zu 40 Tonnen schweren Brummis im Blick anstatt nur die Seitenwand des Aufliegers. Bei uns sitzen zwar Profis am Lenkrad″, sagt Siepmann, aber zu ihrer Unterstützung ist jedes Hilfsmittel recht.″

Und dass auch Busfahrer in Osnabrück jeden Tag brenzlige Situationen speziell mit Fahrradfahrern erleben, weiß kaum einer besser als Winfried Prior. Es gibt zig Ecken in der Stadt, die sind höllisch gefährlich″, berichtet der stellvertretende Leiter der Stadtwerke-Fahrschule.

Ob Neumarkt, Hasetor oder Rißmüllerplatz, um nur einige seiner Beispiele zu nennen: Die Busfahrer müssen überall wahnsinnig aufpassen. Wie oft kommt von hinten ein E-Bike angeschossen, das nur einen Augenblick vorher noch gar nicht da war. Und plötzlich fährt oder steht es neben dir.″

Nicht mit Koloss anlegen

Dem Busfahrlehrer will es kaum in den Kopf, wie man sich als Fahrradfahrer derart in Gefahr begeben kann. So ein elektrischer Gelenkbus ist fast 19 Meter lang und bis zu 29 Tonnen schwer.″ Da sei es allemal klüger, als Radler hinter dem Wagen zu bleiben, anstatt daran vorbeifahren zu wollen. Auch wenn man vielleicht schneller sei als der Bus. Verkehrsbetriebsleiter Kränzke pflichtet bei: Radfahrer sollten sich die Zeit nehmen, Großfahrzeuge ob Bus oder Lkw passieren zu lassen und nicht zu überholen. Es geht ja nur um Sekunden, aber es geht auch um ein Leben.″

Bildtexte:
Alles im Blick: Bewegt sich ein Radfahrer oder Fußgänger im toten Winkel eines rechtsabbiegenden E-Busses, wird dem Busfahrer dies auf einem Monitor über der Vordertür angezeigt. Zusätzlich blinkt und ertönt ein Warnsignal.
Im toten Winkel: Verkehrsbetriebsleiter André Kränzke appelliert an alle Radfahrer, hinter schweren Fahrzugen wie Bussen und Lastwagen zurückzubleiben.
Dieses Kameraauge an der rechten Fahrzeugseite überwacht den toten Winkel des E-Busses.
Stadtwerke-Fahrlehrer Winfried Prior erläutert die Gefahren beim Rechtsabbiegen mit zig Tonnen schweren Fahrzeugen. Sowohl die neuen Osnabrücker Elektrobusse als auch alle neuen Lastwagen örtlicher Spediteure werden deshalb mit Abbiegeassistenten ausgestattet.
Fotos:
Jörn Martens
Autor:
Sebastian Stricker


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