User Online: 1 | Timeout: 06:40Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ein Bäumchen passt nicht in den Plan
Zwischenüberschrift:
Mozartstraße: Streit um Gehwegbreite – Stadt fordert Rodung einer Kugelakazie
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Manchmal weiß die linke Hand nicht, was die rechte tut. Oder die rechte zupft zurecht, was die linke verbockt hat. An der Mozartstraße soll ein unscheinbares Bäumchen gerodet werden, weil es den Planern nicht ins Konzeptpasst. Dabei hatten die Leute vom Bau schon hübsch drum herumgepflastert.

Wolfgang Ehrenberg hat die Kugelakazie zusammen mit seinem Nachbarn vor 15 Jahren gepflanzt. Das Bäumchen ist zierlich geblieben, aber es steht für das Miteinander zwischen den Doppelhaushälften Nr. 65 und 67. Im Frühjahr hängen bunte Ostereier in der Krone, im Winter Weihnachtsgirlanden.
Als die Stadt vor einem halben Jahr mit dem Straßenausbau begann, ahnten die Nachbarn nicht, dass es dem Bäumchen an den Kragen gehen würde. Die Tiefbauer erwiesen sich als rücksichtsvoll und kooperativ. Ohne viele Worte ließen sie ein anderthalb mal zwei Meter großes Pflanzbeet für den Privatbaum frei. Das war nicht so geplant. Aber die Nachbarn freuten sich über das bürgernahe und unerwartet unbürokratische Vorgehen.
Es dauerte jedoch nicht lange, da fiel einem Verantwortlichen der Verstoß gegen den Ausführungsplan auf. Aus der Frage nach dem Sein oder Nicht sein für das Bäumchen wurde ein Verwaltungsakt. Fachleute nahmen Maß, zogen Vergleiche, zitierten DIN-Normen, versuchten abzuwägen. Wir haben hin und her überlegt″, sagt Franz Schürings, der Leiter des Fachbereichs Städtebau. Am Ende ging es ums Prinzip. Der Baum muss weg.
Die Baumscheibe enge den Gehweg ein, fasst Schürings zusammen. So werde den Fußgängern das Leben schwer gemacht. Wolfgang Ehrenberg bekam inzwischen eine schriftliche Aufforderung, die Kugelakazie zu fällen. Und zwar vor der Vegetationsperiode.
Der Anwohner der Mozartstraße sieht es nicht ein. Er will seinem Bäumchen keine Gewalt antun. Und inzwischen, sagt er, sei die Vegetationsperiode ja auch längst angefangen. Wenn er ein paar Meter weiter geht, wird der Gehweg ohnehin viel schmaler als vor seinem Haus, ohne dass die Planer daran etwas zu bekritteln hätten. Außerdem wäre er damit einverstanden, von der Baumscheibe einen knappen halben Meter abzugeben.
Den Verantwortlichen der Stadt Osnabrück steht der Sinn nicht nach Kompromissen. Nun haben sie sich schon so ausführlich mit dem Fall beschäftigt, da soll der Plan auch erfüllt werden. Und wenn sich die Eigentümer des Bäumchens weigern, zur Säge zu greifen? Franz Schürings vom Fachbereich Städtebau sieht da kein Problem: Dann sind wir als Stadt aufgefordert und in der Lage″, sagt er in ungewohntamtlich-strengem Tonfall.

Bildtext:
Der Gehweg sei für Fußgänger zu schmal, sagen die Verantwortlichen der Stadt. Anwohner Wolfgang Ehrenberg soll deshalb seine Kugelakazie fällen.
Foto:
Lahmann-Lammert
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


Anfang der Liste Ende der Liste