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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Grüne fordern weniger Verkehr für Hasestraße
 
Wird die Hasestraße gesperrt?
Zwischenüberschrift:
Durchgangsverkehr soll draußen bleiben
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Die Idee ist nicht neu und wird sogar zwei Mal im Jahr zur Normalität: Wie während der Maiwoche oder dem Weihnachtsmarkt soll die Hasestraße ganzjährig für den Durchgangsverkehr gesperrt werden. Damit fördern die Grünen eine vier Jahre alten Diskussion zu neuem Aufschwung. Denn Einigkeit besteht in der Debatte nach wie vor nicht nicht einmal unter den Händlern und Gastronomen vor Ort.

Erst vor vier Jahren hat sich die Altstadt-Passage einer Wandlung unterzogen, wurde mit neuen Leuchten und neuem Pflaster aufgewertet. Doch der damals angeregte Vorstoß zur Verkehrsberuhigung versandete. Nun soll schon im November beim nächsten Stadtentwicklungsausschuss ein Konzept vorgelegt werden, vielleicht auch erst nächstes Jahr.

Osnabrück Mehrmals im Jahr wird die Hasestraße in Osnabrück für den Durchgangsverkehr gesperrt. Warum sollte das nicht dauerhaft möglich sein? Die Stadtverwaltung will im Frühjahr 2021 ein Konzept vorlegen. Eine alte Diskussion bekommt neuen Schwung.

Die Grünen haben das Thema wieder auf die politische Tagesordnung gehoben. In der jüngsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses schlug Michael Kopatz vor, den Durchgangsverkehr aus der Hasestraße herauszunehmen und nur noch Bussen, Radfahrern und Rettungsdiensten die Passage vor dem Dom zu erlauben. Die Verwaltung solle bis zur nächsten Sitzung im November ein Konzept vorlegen.

Wir arbeiten seit geraumer Zeit daran″, fuhr Stadtbaurat Frank Otte dazwischen. Die Aufgabe sei allerdings sehr komplex″. Rettungsdienste, Feuerwehr, Zulieferer und Anlieger müssen weiterhin durchfahren können. Verkehrsplaner Heike Stumberg stellte in der Sitzung in Aussicht, dass die Verwaltung im ersten Quartal 2021″ ein Konzept zur Verkehrsberuhigung vorlegen kann.

Maiwoche und Weihnachtsmarkt: Die Altstadt-Passage über die Dielingerstraße bis zum Altstadt-Bahnhof (Hasetor) ist mindestens zweimal im Jahr jeweils für längere Zeit unterbrochen. Zur Maiwoche und während des Weihnachtsmarktes ist der Domhof für den normalen Autoverkehr tabu. Nach dem Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin verschärfte die Stadt die Sicherheitsvorkehrungen erheblich. Seither blockieren während der Festtage massive Betonquader und klappbare Metallbarrieren die Straßen am Dom. Bei den Planungen für eine dauerhafte Sperrung müssten auch diese Sicherheitsanforderungen berücksichtigt werden, sagte Otte.

Wo sollen Autofahrer wenden? Heiko Panzer (SPD) warnte vor überstürzten Aktionen. Eine Sperrung wäre nicht eben mal so″ zu machen. Ihm sei zum Beispiel schleierhaft, wo Autofahrer wenden könnten, sollte ihr Weg plötzlich vor einer Barriere am Domhof enden. Oliver Hasskamp (FDP) forderte, zuerst die Meinung der Geschäftsleute in der Hasestraße abzufragen.

In der Werbegemeinschaft Hasestraße gibt es kein einheitliches Meinungsbild, wie der Vorsitzende Oliver Balke (Technikeinrichter Busmann) auf Anfrage unserer Redaktion sagte. Die Frage sei schon vor einigen Jahren diskutiert worden, doch die Interessen seien unterschiedlich. Einigkeit herrsche in einem Punkt: Der überregionale Busverkehr, der in der Hasestraße keine Haltestellen hat, sollte herausgenommen werden. Das würde die Belastung spürbar reduzieren, so Balke.

Keine einheitliche Meinung: Einige Kaufleute schätzten es sehr, dass ihre Kunden mit Bus oder Auto fast bis zur Ladentür vorfahren können. Andere, vor allem Gastronomen, würden sich weniger Verkehr und mehr Raum für Außengastronomie wünschen. Je weniger Autos, umso besser″, sagt etwa Miro Bauhaus, Wirt im Schmalen Handtuch″. Der Verkehr ist nach seiner Beobachtung ein Gefahrenherd vor allem samstags, wenn viele Menschen den Wochenmarkt besuchen.

Oliver Balke und sein Stellvertreter im Vorstand der Werbegemeinschaft, Bert Karrasch, halten es für das Beste, die Hasestraße versuchsweise zu sperren. Zu bestimmten Zeiten oder an bestimmten Tagen″, so Balke. Vorzugsweise im Sommer″, ergänzt Karrasch. Man sollte es ausprobieren, die Ergebnisse in Ruhe analysieren und dann Schlüsse daraus ziehen.

Die Straße hat sich gemausert: Die Hasestraße drohte vor einigen Jahren den Anschluss zu verlieren. Das Pflaster und die Gestaltungselemente waren in die Jahre gekommen. Architekten legten im Auftrag der Stadt schon 2006 Entwürfe für eine neue Hasestraße vor, die wegen der Zurückhaltung einiger Anlieger zunächst nicht umgesetzt wurden. Vor allem die Filialisten wollten sich nicht an den Umbaukosten beteiligen.

2016 gelang der Durchbruch, die Finanzierung war gesichert. Die Umgestaltung hat der traditionsreichen Altstadtstraße einen mächtigen Schub gegeben. Kunst und Kultur beleben das Geschehen. Ähnlich wie in der Redlingerstraße sind in die Hasestraße moderne und nachhaltige Geschäfte gezogen. Manche Osnabrücker bezeichnen die Hasestraße deshalb schon als Hipster-Viertel″. Und neben den Neulingen prägen alteingesessene Geschäfte wie Huneckes Puppenwelt, das Schuhgeschäft Sunderdiek, das Schmale Handtuch″ und der Holling das Quartier.

Den Umbau 2016 hatten die Grünen erstmals zum Anlass genommen, auf eine Verkehrsreduzierung hinzuwirken. Die Öko-Partei schlug damals vor, probeweise an Samstagen zwischen 9 und 15 Uhr und ganztägig an den Adventssamstagen die Durchfahrt einzuschränken, einzelne Regionalbuslinien zu verlagern und Flächen für Außengastronomie zu schaffen.

Die Prüfung durch die Verwaltung ergab, dass die Maßnahmen nur mit erheblichem Aufwand umzusetzen wären. Der Vorstoß versandete. Doch nun steht das Thema wieder auf der Agenda.

Bildtext:
Die Hasestraße soll möglicherweise für den Durchgangsverkehr gesperrt werden.
Foto:
Jörn Martens

Kommentar
Einen Versuch wäre es wert

Verkehrsplaner halten wenig davon, Verkehre versuchsweise umzuleiten. Sie wissen, dass Autofahrer eine gewisse Gewöhnungsphase brauchen, bis sie sich auf eine veränderte Situation eingestellt haben. Und bis dahin geht es manchmal drunter und drüber. Bei der Hasestraße wäre ein Testlauf allerdings einen Versuch wert. Und zwar aus zwei Gründen.

Erstens: Die Sperrung ist schon erprobt. Autofahrer und Buskunden kennen die Situation, wenn Maiwoche oder Weihnachtsmarkt ist.

Zweitens: Die Kaufleute der Hasestraße sind sich nicht einig. Das ist nachvollziehbar, denn die Betroffenheit ist sehr unterschiedlich. Wirte hätten gern weniger Verkehr und mehr Platz für Tische und Stühle. Andere Gewerbetreibende profitieren davon, dass die Kundschaft mit dem Bus oder Auto fast bis vor den Laden fahren kann. Wie würde sich die Situation verändern, wenn der Durchgangsverkehr und einige Buslinien umgeleitet würden? Auch die Gewerbetreibenden wissen es nicht. Deshalb müsste ein Test auch sehr in ihrem Interesse sein.

Was auch immer geschieht es sollte nicht gegen den Willen der Anlieger und Geschäftsleute in Angriff genommen werden. Die haben den Umbau schließlich mitbezahlt. w.hinrichs@ noz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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