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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
In den Fängen des Rassenwahns
Zwischenüberschrift:
Heinz Foitzick wurde als „Halbjude″ und „Asozialer″ bedrängt und ermordet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Für Heinz Foitzick gab es kein Entkommen. Er geriet auf doppelte Weise in die Fänge der Nationalsozialisten. Sie diskriminierten ihn jahrelang als Halbjuden″ und bezeichneten ihn außerdem als Asozialen″. So war er dem Rassenwahn seiner Mörder ausgeliefert. 1941 kam er im Alter von 31 Jahren ums Leben. Jetzt erinnert ein Stolperstein an ihn.Halbjude? Juden können mit diesem Begriff kaum etwas anfangen, denn jüdisch ist, wer Kind einer Mutter dieses Glaubens ist. Doch die Nationalsozialisten verwandelten diese Religionszugehörigkeit in eine Rasse, die sie auch dem Stammbaum nach verfolgten. Das Vokabular der Nationalsozialisten folgte eigenen Vorstellungen denen des Rassenwahns, der von 1933 an zwölf Jahre lang die Politik beherrschte und im Schatten des Zweiten Weltkrieges in Massenmorde mündete. Asozial? Auch dieser Begriff konnte über Leben und Tod entscheiden. Wer als solcher eingestuft wurde, galt als Schädling″ und verlor ebenfalls seine Rechte, denn das nationalsozialistische Regime bewertete Menschen nach Nützlichkeit und unterschied zwischen wertem″ und unwertem″ Leben. Für Heinz Foitzick führte der Status Halbjude″ offenbar zum wiederholten Verlust seines Arbeitsplatzes und wohl auch zu Problemen in seiner Ehe. Wie aus den Recherchen der Stolperstein-Initiative hervorgeht, wollte ich seine Frau von ihm scheiden lassen. Ihr Rechtsanwalt lehnte die Begründung ab, ihr Mann sei Halbjude″, weil sie ihn erst nach Beginn der Regierungszeit Adolf Hitlers geheiratet hatte. Die Ehe wurde schließlich deshalb geschieden, weil die Frau angab, dass ihr Mann seine Unterhaltsverpflichtungen vernachlässigte. Während der Zeit unterstellten die Nationalsozialisten Heinz Foitzick asoziales″ Verhalten. Er wollte erneut heiraten. Doch dafür gab es keine Erlaubnis, weil seine Verlobte einer arischen″ Familie entstammte. Eine solche Verbindung war nun verboten. Als Heinz Foitzick schließlich Deutschland verlassen wollte, verweigerten ihm die Behörden die Ausreise mit der Begründung, dass er Inhaber eines Wehrpass es war und deshalb als Soldat zur Verfügung stehen musste. 1941 wurde Heinz Foitzick schließlich in das Konzentrationslager Groß-Rosen in Niederschlesien verschleppt. Am Ende des selben Jahres kam er dort unter unbekannten Umständen ums Leben nach vielen Jahren, die von Kummer, Angst und Schrecken″ geprägt waren, wie es Paulus Fleige bei der Verlegung des Stolpersteins formulierte. Das Haus, in dem Heinz Foitzick lebte, ist heute eine Anlaufstelle für Wohnungslose: Die Adresse Bramscher Straße 11 gehört zum Katholischen Verein für soziale Dienste (SKM). Dort arbeitet auch die Redaktion der Straßenzeitung Abseits!?″ Jetzt befindet sich vor dem Eingang eine Messingplatte mit dem Namen des ehemaligen Bewohners.

Bildtext:
Bramscher Straße 11: Hier lebte Heinz Foitzick, der als Halbjude″ und Asozialer″ diskriminiert und schließlich im Konzentrationslager ermordet wurde.
Fotos:
Jörn Martens

Stolpersteine in Osnabrück
Messingplatten in den Gehwegen erinnern an Opfer des Nationalsozialismus jeweils vor den Wohn- oder Wirkungsstätten der Juden, Sinti, Deserteure, Menschen, die aus politischen und religiösen Gründen, wegen ihrer sexuellen Orientierung, einer psychischen Erkrankung oder einer Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Der Kölner Künstler Gunter Demnig ist Initiator des Projekts Stolpersteine, dem sich europaweit etwa 600 Kommunen angeschlossen haben: außer in Deutschland weitere in Ländern wie Österreich, Ungarn, Italien, Tschechien, Polen, Belgien, Norwegen, den Niederlanden und in der Ukraine. Den Stolperstein für Heinz Foitzick verlegten Jan Buddenkotte, Benjamin Cotie, Robin-Stephan Dirks, Shkumbin Karsniqi und Betim Ukaj, die die Berufsfachschule Bautechnik des Berufsschulzentrums am Westerberg besuchen. Paten für den Gedenkstein sind Elisabeth und Paulus Fleige. Das Büro für Friedenskultur nimmt für weitere Gedenktafeln gern Hinweise von Zeitzeugen über das Schicksal von Opfern des NS-Regimes entgegen, Telefon 0541/ 323-2287.
Autor:
Jann Weber


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