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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Diagnose der Klinik-Finanzen
Zwischenüberschrift:
Krankenhäuser zwischen Kürzungen und Überschüssen – Vergütungen nur um 0,9 Prozent gestiegen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Auf dem Gesicht des Klinik-Geschäftsführers liegt trotz des ernsten Themas Finanzen zwischendurch mal ein Lächeln: Die jährliche Budget-Aufstellung entspricht der Fähigkeit, im Frühjahr genau zu wissen, wie die Wetterlage im Spätherbst und zu Winterbeginn sein wird″, vergleicht Werner Lullmann von der Niels-Stensen-Gruppe das hochkomplexe System, Einnahmen und Ausgaben in der Balance zu halten.

Zum Thema Krankenhausfinanzierung sorgt aktuell eine Meldung für Schlagzeilen: Durch bewusste Falschabrechnungen der Kliniken soll dem Gesundheitssystem jährlich ein Schaden von bis zu 1, 5 Millionen Euro entstehen. Dazu der Stensen-Geschäftsführer: Der Vorwurf ist falsch, aber das ist ein anderes Thema.″ Die bundesweit rund 2100 Krankenhäuser sorgten durch zusätzliche Einsparungen für geringere Ausgaben von mehr als einer Milliarde Euro und bekämen auch noch nicht einmal einen Ausgleich für die Preissteigerungsrate. Hinterfragt wird auch die viel beschworene Kostenexplosion″: Das Gesundheitswesen hat seit Jahren einen konstanten Anteil von rund neun Prozent am Bruttosozialprodukt.
Der Kostendruck: Er wird auch in den Häusern der Region immer größer. Die Erweiterungsaktivitäten zahlreicher Kliniken legen nahe, dass Geld genug vorhanden ist doch für Baumaßnahmen gibt es Landeszuschüsse. Die Investitionssumme der in diesem Jahr beginnenden Modernisierung des Franziskushospitals beträgt zum Beispiel 35 Millionen Euro. Davon trägt das Land Niedersachsen 19, 5 Millionen und 44 Prozent die Niels-Stensen-Gruppe obwohl nach dem Gesetz das Land in der Finanzierungspflicht ist. Aber die Kassen sind leer. Derzeitiger Abwicklungsstau: rund 3, 5 Milliarden Euro. Auch das Klinikum Osnabrück finanziert deshalb 12 Millionen der 31 Millionen Euro Baukosten für die Errichtung eines Neuromedizinisch-Geriatischen Zentrums aus Eigenmitteln. Die stationären Leistungen werden dagegen mit den Kassen verhandelt. Die inzwischen seit rund 20 Jahren gedeckelten Erlöse decken nicht die Kosten. Die sind nur über Sparen und Mehrleistungen zu finanzieren. Folge: Freie Mittel, die eigentlich in der Patientenversorgung sinnvoller angelegt wären, werden für Investitionen und Finanzierungskredite eingesetzt.
Problem Mehrleistungen: Das Dilemma der Controlling-Leiter wie Thomas Marstall vom Klinikum: Die Ausgaben steigen aufgrund von Inflation und höheren Personalkosten, die bei den Häusern in der Region zwischen 60 und knapp 70 Prozent imstationären Bereich ausmachen ohne Ausgleich auf der Einnahmeseite. Die Niels-Stensen-Gruppe muss zum Beispiel um die 2000 zu sätzliche Behandlungsfälle erreichen, damit durch Mehrleistung die einkalkulierten 6, 1 Millionen erzielt werden. Das Kuriose: 30 Prozent dieser Erlöse mussten 2011 abgegeben werden als Konsolidierungsbeitrag. In diesem Jahr gibt es hier überindividuelle Vereinbarungen mit den Häusern. Folge ist ein Hamsterrad-Effekt″: Im nächsten Jahr führen die Mehrleistungen zu Preissenkungen, da eine höhere Zahl von Zusatzpatienten erforderlich ist, um auf die gleiche Summe zu kommen.
Die Verweildauer: Der medizinische Fortschritt hat dazu geführt, dass die Verweildauer der Patienten auf 6, 96 Tage gesunken ist. Beeindruckend: der 25-Jahre-Vergleich. So werden bei Geburten statt 10 (1987) nur noch 4 Tage im Krankenhaus verbracht. Bei einer neuen Hüfte erfolgt die Entlassung nach zwei Wochen (1987: 42 Tage).
Die Forderungen: Für die Niedersächsische Krankenhausgesellschaft steht fest: Die Einsparmöglichkeiten sind ausgeschöpft. Statt zuletzt nur 0, 9 Prozent Preiserhöhungszuschlag sei eine Anhebung um mehr als drei Prozent nötig, um Tarifsteigerungen aufzufangen. Sonst kann das Leistungsniveau nicht gehalten werden.

Bildtext:
Chronische Unterfinanzierung: So lautet die Aussage der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft zur Finanzausstat-tung der Kliniken. Die Forderung: eine Anhebung der Erlöse um mehr als drei Prozent.
Foto:
Klaus Lindemann

Was die Kassen für Behandlungen zahlen? Hüft-OP rund 10 500 Euro
2003 wurde das sogenannte DRG-Systemder Fallpauschalen eingeführt. Seitdem bekommen die Häuser für 1 148 Fallgruppen einen festen Betrag, der nach medizinischem Aufwand und Verweildauer ermittelt wird. Der Basisfallwert für Niedersachsen liegt aktuell bei 2 931, 07 Euro. Eine Geburt hat zum Beispiel die Bewertungsrelation″ von 0, 507, was 1 486, 05 Euro (Basiswert 2 931, 07x 0, 5079) ausmacht. Zum Vergleich: Vor 25 Jahren überwiesen die Kassen 1 650 Euro. Hinzu kommt die Versorgung des Neugeborenen bei einem problemlosen Fall mit 0, 25 oder umgerechnet 732, 77 Euro bemessen. Das führt insgesamt zu einer Summe von 2 218, 82 Euro für ein ohne Komplikationen zur Welt gekommenes Baby. Auch die Blinddarm-Entfernung (2 140 Euro) ist heute günstiger als vor 25 Jahren (2 320). Teurer zu Buche schlägt das Einsetzen einer neuen Hüfte (aktuell rund 10 500 Euro, 1 987 um die 6 970 Euro). Eine Darm-OP hat sich im selben Zeitraum von 4 650 auf 7 300 Euro verteuert. Die Behandlung eines Patienten mit Herzinfarkt, dem ein Herzkatheter geschoben werden muss, ist mit der Bewertungsrelation von 1, 112 versehen 3 259, 35 Euro. Richtig ins Geld geht Hochleistungsmedizin wie eine Herztransplantation (41, 372 Casemix-Punkte in der DRG-Tabelle: 121 264, 23 Euro). Lebenserhaltende Maßnahmen nach einem Verkehrsunfall schlagen sich bei einem Patienten mit Polytrauma also mehreren schweren Verletzungen und notwendiger Beatmung mit 61 658 Punkten (180 723, 91 Euro) nieder. Der Aufenthalt auf der Intensivstation (ohne Beatmung) kostet 1 200 Euro pro Tag.
Autor:
Wolfgang Elbers


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