User Online: 1 | Timeout: 18:19Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
35 Kilometer in gut drei Stunden
Zwischenüberschrift:
März 1912: Diskussionen über die Dienstbotenfrage, die Frauenbildung und die Klassen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Zum Frühjahrsjahrmarkt im März 1912 entsandte der Tierpark Hagenbeck in Hamburg fünfzehn der angeblich kleinsten Pferde der Welt″. Norma, das Kleinste von ihnen, konnte man sogar bequem auf dem Arm tragen, wie eine Anzeige im Osnabrücker Tageblatt″ beteuerte.

Ein Gepäckmarsch sorgte vor 100 Jahren für großes Publikumsinteresse. Der Sportverein Preußen 1906″ hatte ihn ausgelobt, und viele Soldaten und Zivilisten nahmen daran teil. Die Osnabrücker Regimenter entsandten freiwillige Teilnehmer. Tausende Zuschauer standen entlang der Strecke und jubelten den bewaffneten Sportsmännern zu.
21 Pfund Gepäck mit Tornister mussten die Teilnehmer tragen, dazu die sieben bis acht Pfund schwere Infanteriewaffe. Vom Schwarzen Platz an der Natruper Straße über Eversburg, Lotte, Leeden, Natrup-Hagen, Hasbergen und Hellern bis zur Gaststätte Schweizerhaus an der Rheiner Landstraße waren es gut 35 Kilometer.
Bereits nach drei Stunden und 35 Minuten hatte der erste Soldat die Strecke bewältigt, viel eher, als man vermutet hatte. Der Sieger erschien noch frisch und munter und war, rein rechnerisch, etwa 162 Meter in der Minute marschiert. Die ersten 75 Teilnehmer erhielten am Tagesende ein Diplom überreicht.
Schulanzüge für Knaben bot die Firma Wüsthoff an . Noch bis zum 1. Weltkrieg war es üblich, die Kleiderstoffe mit den Namen ihrer Herstellungsorte, also meistens mit englischen Namen, zu bezeichnen. Angeboten wurden Norfolk-Anzüge, Tirtley-, Manchester- und gestrickte Hosen für Knaben zwischen 3 und 14 Jahren.
Auch die Stoffe für Damen und Mädchen führten die Namen aus den Herstellungsländern: Voiles, Cheviot, Foulé, Serge und Panama.
Neue Hygienebestimmungen für den Handel mit Kuhmilch veränderten im März 1912 das Altgewohnte. Von der Fütterung und Wartung der Tiere über die Aufbewahrung und Versendung galten nun eingehende Vorschriften. Milch produzenten und Milchverkäufer mussten zudem veterinärpolizeiliche Überwachungen dulden.
Nach bestandener Prüfung war Fräulein Uhlenkamp aus Osnabrück der erste weibliche Auktionator in Deutschland.
Ein Thema der Zeit waren Vorträge, die sich den brennenden sozialen Problemen des Alltags widmeten. Aufklärung zu Jugendbekleidung, Jugendliteratur, Kampagnen gegen Alkohol, Hygiene im Jugendalter die Liste war vielfältig und lang. Über Menschenleitung und Menschenerziehung″ sprach ein Professor, der aus Zürich kam, im Harmoniesaal.
Interessant war auch der Hinweis auf das Buch, das der Professor geschrieben hatte: Die Dienstbotenfrage und die Hausfrauen ein Problem der Frauenbildung″. Der Redner stellte fest, dass sich die arbeitenden Klassen in einem gewaltigen seelischen Umwandlungsprozess befänden und die alten Strukturen der Befehlsgewalt im Wanken seien. Takt und die Kunst des Befehlens″, Selbstkontrolle und Verantwortung bestimmten das moderne Verhältnis zwischen Dienenden und Herrschenden. Vieles sei reformbedürftig, schloss der Professor.
Vor 100 Jahren wurden in Osnabrück die Auguststraße, die Adolf- und die Jahnstraße kanalisiert und ausgebaut. Eine Verbreiterung sollte ferner die Brücke am Ende der Hasestraße dringend erfahren, deren Breite von sieben Metern dem Verkehrsaufkommen schon längst nicht mehr gewachsen war. Um die Fußgänger zu schützen, waren schon Bohlenwege außen an der Brücke angebracht worden, aber die Breite erschien noch immer unzureichend. Stadtbaurat Lehmann schlug vor, die Brücke auf elf Meter zu verbreitern. Die Kosten kalkulierte er auf 23 000 Mark.

Amundsen am Südpol

Im Osnabrücker Tageblatt″ war Mitte März außerdem ein Bericht über den norwegischen Polarforscher Amundsen zu lesen. Zurück von seiner Antarktis-Expedition, gab er bekannt, er seidem Südpol so nahe gekommen, wie es mit den vorhandenen Instrumenten nur möglich sei. Amundsen erklärte weiter, er hoffe sehr, dass Scott ebenfalls den Südpol erreicht haben möge. Aber von dessen Expedition gab es weder eine Spur noch ein Lebenszeichen.

Bildtext:
Das Schweizerhaus an der Rheiner Landstraße war das Ziel eines Gepäckmarsches, der vor 100 Jahren große Aufmerksamkeit erregte. Die kolorierte Ansichtskarte aus dem Jahr 1907 stammt aus der Sammlung von Helmut Riecken aus Osnabrück.
Autor:
Christiana Keller


Anfang der Liste Ende der Liste