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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Auf dem Weg zur Frauendomäne
Zwischenüberschrift:
Spagat zwischen Familie und Beruf gehört immer mehr zum Klinikalltag
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Früher war die Klinikmedizin eine Männerdomäne. Diese Zeiten sind vorbei. Im Bundesdurchschnitt beträgt der Anteil der Ärztinnen in den Krankenhäusern bereits 43 Prozent. Tendenz steigend, denn zwei von drei Medizinstudenten sind Frauen.

Dr. Anna Ditz ist seit drei Jahren Assistenzärztin am Osnabrücker Klinikum. 80 Prozent Frauen waren es in ihrem Jahrgang an der Universität Münster. Die 28-Jährige hat noch im Studium ein Kind bekommen. Seitdem muss sie Erziehung, Haushalt und einen anstrengenden Job unter einen Hut bringen. Viel Disziplin und ein gutes soziales Netz seien dafür die Bedingungen.
Dr. Ulrike van Lengerich hat am Klinikum Karriere mit Kindern gemacht. Die 55-Jährige ist Chefärztin der Gefäßchirurgie ein Bereich, in dem andernorts überwiegend Männer tätig sind. Dass sie für ihren Werdegang viele Kompromisse und Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen musste, ist für die Vollblutmedizinerin kein Problem. Zu bezweifeln ist allerdings, dass der Nachwuchs auch so denkt.

Der Wunsch nach Teilzeit

Dr. Wolfgang Wagner, ärztlicher Direktor der Osnabrücker Paracelsus-Klinik, sieht schwarz für die Krankenhäuser, die zu wenig für Frauen, zu wenig für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf tun. Der Mediziner zitiert eine Studie, nach der es in zwei Jahren deutschlandweit 42 000 vakante Stellen gibt. Und da immer mehr Berufseinsteiger weiblich sind, werden sich die Kliniken in erster Linie um Frauen bemühen müssen. Was die wollen, ist ebenfalls dokumentiert: Für 91 Prozent haben flexible Arbeitszeiten Priorität, für 84 Prozent eine Kinderbetreuung am Arbeitsplatz. Verwaltungsdirektor Frank Wellmann nimmt die Wünsche ernst. Es sei eine reine Organisationsfrage, Teilzeit zu ermöglichen. Wichtig seien außerdem (eventuell klinikübergreifend) Stellenpools für Schwangerschaftsvertretungen und Konzepte für die Wiedereingliederung nach Mutterschutz und Elternzeit. Eine ordentliche Qualifizie-ung ist für den Verwaltungsdirektor ein weiteres wichtiges Thema. Die Paracelsus-Klinik ist auf diesem Gebiet erfolgreich vielleicht zu erfolgreich, da sich gerade zwei hoch qualifizierte Oberärztinnen auf andere Stellen wegbeworben haben. Eine von ihnen wird Chefärztin.
Der Deutsche Ärztinnenbund hat bereits vor drei Jahren einen ganzen Katalog an Maßnahmen für das familienfreundliche Krankenhaus″ erstellt. Gleichberechtigte Karrierechancen nehmen darin einen großen Raum ein. Angemahnt werden aber auch mehr Serviceangebote. Das Osnabrücker Klinikum hat dieser Forderung entsprochen und im Oktober 2011 in Zusammenarbeit mit der Martinsgemeinde in Hellern das Finkennest″ eröffnet eine Krippe für die ein-bis dreijährigen Kinder, nur einen Steinwurf vom Hauptgebäude entfernt. Die Plätze seien heiß begehrt, berichtet Andrea Drefke, stellvertretende Leiterin des Personalmanagements am Klinikum.
Dass es mehr Ärztinnen in den Krankenhäusern gibt, könnte sich auf Dauer positiv auf die Patientenversorgung auswirken. Davon sind zumindest Ulrike van Lengerich und ihre junge Kollegin Anna Ditz überzeugt. Ärztinnen seien geduldiger und einfühlsamer, könnten gut zuhören und mehrere Dinge gleichzeitig bewältigen. Sie sind dichter dran an den Bedürfnissen der Patienten″, meint Ulrike van Lengerich. Fachlich gebe es allerdings keine Unterschiede.
Bleibt die Frage, warum soviele Frauen in den Arztberuf drängen. Ein Blick in die Schulstatistik zeigt, dass vor allem Frauen sehr gute Noten im Abitur haben. Männliche Schulabgänger schaffen immer häufiger nicht mehr den Numerus clausus und haben auch keine Muße, sich auf Wartelisten setzen zu lassen. Wenn diese Entwicklung anhält, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Klinikmedizin zur Frauendomäne geworden ist.

Bildtext:
In den chirurgischen Abteilungen des Osnabrücker Klinikums sind Frauen außergewöhnlich stark vertreten. Dr. Ulrike van Lengerich (links) leitet die Klinik für Gefäßchirurgie, Dr. Anna Ditz ist Assistenzärztin.
Foto:
Uwe Lewandowski

Statistik: Frauenanteil nimmt kontinuierlich zu
Nach Angaben desStatistischen Bundesamtes gab es 2010 in Deutschland 148 700 Klinikärzte davon 65 000 Frauen. Das entspricht einem Anteil von rund 43 Prozent. Besonders hoch sind die Anteile in der Frauen- und Kinderheilkunde, in der Psychiatrie und der Anästhesie. Überproportional viele Ärztinnen sind teilzeitbeschäftigt. Auf 18 900 Frauen kommen hier 6400 Männer.In leitenden Funktionen sind im Bundesdurchschnittdeutlich mehr Männer als Frauen tätig. Während 11 800 Klinikärzte eine Führungsposition bekleiden, gilt das lediglich für 1200 Ärztinnen. Bei den Oberärzten beträgt das Verhältnis 75 zu 25 Prozent eindeutig zugunsten der Männer. Am Klinikum Osnabrück sind 262 Ärzte beschäftigt, davon 118 Frauen (45 Prozent), davon 71 in Teilzeit. 2003 hatte der Frauenanteil 37 Prozent betragen. 20 Ärztinnen sind in leitender Funktion tätig (insgesamt 87), darunter eine Chefärztin (der Klinik für Gefäßchirurgie). Im Niels-Stensen-Verbund arbeiten 411 Ärzte, davon 181 Frauen (44 Prozent), davon 59 in Teilzeit. 1990 lag der Anteil der Ärztinnen im Verbund bei 33, 5 Prozent. 31 Ärztinnen bekleiden eine Führungsposition, darunter eine Chefärztin in der Geriatrie. Weil die Paracelsus-Klinik Osnabrück ein Belegkrankenhaus ist, gibt es dort lediglich 35 angestellte Ärzte, 10 davon sind Frauen, 4 davon in leitender Funktion.
Autor:
Holger Jansing


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