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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Wenn die Personaldecke knapp wird
Zwischenüberschrift:
Mit Honorarärzten überbrücken die Krankenhäuser in der Region Engpässe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind Teil ihres Jobs: Honorarärzte springen ein, wenn ein Krankenhaus kurz- oder mittelfristig Engpässe im Klinikbetrieb überbrücken muss, um die Patientenversorgung nicht zu gefährden. Dr. Markus Müller, bei den Niels-Stensen-Kliniken als Anästhesist beschäftigt, ist einer von ihnen.

Die sieben Häuser in der Region umfassende Klinik-Gruppe hat aus der Ärzte-Not eine Tugend gemacht: Es gibt für alle Einrichtungen eine gemeinsame Task-Force″ mit Müller und einem weiteren Anästhesie-Kollegen als fest angestellten Einsatzkräften, die heute in Melle und morgen in Osnabrück oder Ostercappeln tätig sind, wenn es der Bedarf erfordert.
Eine solche Situation kommt in allen Krankenhäusern der Region vor. Am Klinikum Osnabrück hat sich zum Beispiel die Zahl der Honorararzt-Einsätze in den letzten Jahren verdreifacht.
Nach Auskunft von Niels-Stensen″ - Sprecher Roland Knillmann sind pro Jahr rund 30 Honorarärzte verschiedener Fakultäten in den Verbundhäusern der Gruppe im Einsatz, die insgesamt 434 Ärzte beschäftigt. Einsatzdauer dieser eingekauften Springer″, die auf Stundenbasis bezahlt werden: in der Regel zwischen zwei Tagen und zwei Monaten. Knillmann: Die Dienstpläne der Häuser werden aufgrund der gesetzlichen Arbeitszeitvorgaben und des wachsenden Anspruchs, Beruf und Familienbalance zuleben, immer komplexer. Ohne Honorarärzte sind da längere Ausfälle beim Stammpersonal nicht zu kompensieren.″
Markus Müller hat sich bewusst für das Heute hier, morgen dort″-Arzt daseinentschieden. Der 40-Jährige, der in Münster lebt und mit seiner Frau zwei und dreiein-halb Jahre alte Kinder hat, war nach der Assistenzarztphase fünfeinhalb Jahre bis März 2010 in Emsdetten als Facharzt tätig. Ich wollte die Arbeit familienfreundlich erhalten und zum Beispiel beiden Urlaubszeiten freier sein″, begründet er seinen Schritt, die Stelle aufzugeben und in einem Radius von 100 Kilometern um Münster als Honorararzt zu arbeiten.
Nach einigen Monaten als Selbstständiger entdeckte er die Task Force″-Anzeige der Niels-Stensen-Gruppe, die fest angestellte Ärzte für den flexiblen Einsatz an den verschiedenen Verbund-Standorten suchte: Da ich für den Krankheitsfall abgesichert sein wollte, suchte ich eine Anstellung, die mir nach Möglichkeit die Freiheit und die Vorteile eines Honorararztes erhält. Da war das neu eingerichtete , Task Force′ - Team ideal.″
Seither ist er auf 50-Prozent-Basis im Niels-Stensen-Einsatz. Müller arbeitet einen Monat voll und hat den drauf folgenden Monat frei, um familienfreundlich planen zu können oder eventuell noch andernorts kurzfristig als Honorar-Doc einzuspringen.
Sein Urteil: Das ist für beide Seiten eine Win-win-Situation. Ich habe einen größeren Freiraum. Der Arbeitgeber profitiert dadurch, dass er zuverlässige Kräfte im Einsatz hat und wir natürlich auch unsere an anderen Stellen gewonnenen Erfahrungen einbringen und somit zum Know-how-Transfer beitragen.″
Auch seien die Kollegen an den Standorten froh, wenn sie dank der Task-Force schnell die dringend benötigte Unterstützung bekommen. Der besondere Vorteil des Niels-Stensen-Modells: Die beiden Anästhesistenkennen die Häuser, sodass eine Einarbeitungsphase entfällt.
Der Einsatz von Honorarkräften wird in den Personabteilungen aber auch kritisch gesehen: Es sei nicht immer positiv für das Arbeitsklima, wenn die Kurzzeit-Kollegen zum einen mehr verdienen als die Stammmediziner, aber beim Bereitschafts- oder Wochenenddienst außen vor sind entweder auf eigenen Wunsch oder wegen der höheren Kosten.
Nach einer Übersicht des Deutschen Krankenhausinstituts sind 2011 knapp dreieinhalb Prozent des Ärztebedarfs durch solche freiberuflichen Kräfte abgedeckt worden, die von bundesweit tätigen Agenturen wie Hire A Doctor″ vermittelt werden. Dort sind um die 8500 Mediziner in der Kartei. Besonders gefragt: Anästhesisten. Der Bedarf an Arzt-Springern dürfte in den kommenden Jahren sogar noch steigen. Prognosen gehen davon aus, dass 2020 zwischen 30 000 und 40 000 Klinikärzte in Deutschland fehlen.
Finanziell lohnt sich der flexible Einsatz. Zwischen 80 und 90 Euro liegt in der Rege lder Stundensatz. Allerdings ist beim Verdienst zu berücksichtigen, dass die Versicherungsbeiträge komplett selbst zu tragen sind. Zum Vergleich: Assistenzärzte werden mit durchschnittlich rund 4100 Euro brutto monatlich entlohnt, Oberärzte mit Leitungsfunktion bekommen um die 5800 Euro und Chefärzte je nach Fachdisziplin und Vertragsbedingungen auch mehr als 12 000 Euro im Monat.
Die Task Force″- Zwischenbilanz der Niels-Stensen-Kliniken fällt positiv aus. Sprecher Knillmann: Die Anbindung dieser Einsatzkräfte an die Klinik-Gruppe hat sich bewährt. Durch unser Modell ist eine Kontinuität sowie eine hohe Verlässlichkeit für alle Beteiligten gewährleistet. Wir werden wahrscheinlich diesen Bereich auf drei bis fünf Ärzte ausbauen, denn das Personalproblem bleibt.″

Bildtext:
Im OP-Saal sind am häufigsten Honorarärzte im Einsatz. Bei den Anästhesisten ist der Bedarf im Klinikalltag groß, da sonst OP-Termine bei einem kurzfristigen Ausfall eines Mediziners nicht gehalten werden könnten.
Symbolfoto:
Colourbox
Autor:
Wolfgang Elbers


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