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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Gretescher Wahrzeichen ist wieder da
Zwischenüberschrift:
Das ehemalige Gasthaus „Gretescher Turm″ hat seinen Dachschmuck zurückerhalten
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Gretesch hat ein neues, altes Wahrzeichen: Das Gretescher Türmchen″ ist zurück. Es handelt sich um einen Dachreiter auf dem früheren Gasthaus Gretescher Turm″, Postanschrift Am Gretescher Turm 14a″. Das alte Türmchen war morsch geworden und abgängig. Heimatverbundene Menschen im Ortsteil bemühten sich seither um einen Ersatz. Der ist nun eingetroffen. Möglich gemacht hat die Sanierung ein Eigentümerwechsel. Der Bausachverständige Peter Kuhlage hat das frühere Gasthaus gekauft. An eine Wiederbelebung der Gastronomie ist nicht gedacht. Kuhlage möchte in dem Gebäude sein eigenes Büro und Mietwohnungen einrichten. Aber für die Anregung aus dem Vorstand des Bürgervereins Darum/ Gretesch/ Lüstringen, ein neues Gretescher Türmchen″ zu installieren zeigte sich der Eigentümer offen. Das alte, 1985 aus Sicherheitsgründen abgebaute Türmchen ist noch vorhanden, es ist bei einem Bauern in der Nähe untergestellt.

Seine letzte wichtige Funktion, sich abzeichnen und abfotografieren zu lassen, hat es erfüllt. Nach den so erstellten Plänen ließ Kuhlage ein neues Türmchen bauen. Es ist, wie der Vorgänger, eine mit Zinkblech beschlagene Holzkonstruktion. Die Turmuhrenfabrik Korfhage aus Melle hat die Uhr geliefert. Ziffernblätter nach allen vier Himmelsrichtungen zeigen nun den Greteschern an, was die Stunde geschlagen hat.

Bürgerverein ist glücklich

Die Vorstandsmitglieder des Bürgervereins sind glücklich, dass ihr jahrelanges Bemühen nun von Erfolg gekrönt wurde. Schon anlässlich des Ortsjubiläums 2003 starteten sie eine Initiative, das Türmchen zu restaurieren. Es fehlte nicht am guten Willen, sondern am Geld. Irgendwann reifte die Einsicht, dass es nur mit dem Erneuern der Holzkonstruktion nicht getan sei. Gesucht wurde ein Sponsor für einen kompletten Nachbau. Durch den Eigentümerwechsel hatte sich das aber erledigt. Peter Kuhlage hat sein Bausachverständigenbüro bislang an der Bramscher Straße. Dort wird es als Nebenstelle verbleiben, das Hauptbüro jedoch nach Gretesch verlegt werden. Über dem Büro werden Mietwohnungen in Einzelgrößen von 40 bis 90 Quadratmetern eingerichtet.

Das Dach ist bereits neu gedämmt und eingedeckt. Derzeit wird die Fassade erneuert. Das historische Fachwerk im zweiten Obergeschoss soll zumindest in Gestalt eines Farbauftrags wiederkehren. Da der Bauherr manche Innenarbeiten selbst ausführt, wird er die Bausumme auf 1, 8 Millionen Euro begrenzen können. Einen Fremdmieter hat Kuhlage schon dingfest gemacht. Es sind die Stadtwerke Osnabrück, die sich einen kleinen Raum im Zwischentrakt als Toilette für ihre Pause machenden Busfahrer gesichert haben.

Der eigentliche Gretescher Turm war Bestandteil des spätmittelalterlichen Grenzsicherungssystems der Landwehr. Er stand nördlich des späteren Gasthauses, also zwischen Mindener Straße und der Straße Am Gretescher Turm. Wir dürfen uns ihn nach Aussehen und Funktion so ähnlich vorstellen wie den erhaltenen Wulfter Turm. Also als einen schlichten, dreigeschossigen, aus Bruchsteinen errichteten Bau auf quadratischem Grundriss. Die Landwehr folgte dem alten Verlauf des Belmer Bachs nach Süden zur Hase und nach Norden auf die Burg Gretesch zu. An wichtigen Straßendurchlässen wie dem für die Buersche Straße errichtete man einen Schlagbaum zwecks Erhebung von Wegezoll und sicherte ihn durch einen Turm. Der zum Gretescher Turm gehörige Esch als private Ackerfläche des Türmers ist noch heute erkennbar. Es ist der von hohen Bäumen umgebene Bolzplatz nördlich der Mindener Straße. Den Gretescher Turm gibt es seit 1777 nicht mehr. Zur Erinnerung an diese Beobachtungs- und Mautstation nannte Fritz Niermeyer das Gasthaus mit Saalbetrieb und Kegelbahn, das er um 1850 gegenüber dem früheren Turmstandort errichtete, Gretescher Turm″.

Gasthaus seit 1850

Ein Uhrenturm krönte das Dach. Man darf vermuten, dass Niermeyer die Namensgebung des Gasthauses dadurch sinnhaft unterstreichen wollte, dass er einen Dachreiter als kleines Gretescher Türmchen″ auf das Haupthaus setzen ließ. Vielen Greteschern wird das Ensemble mit Türmchen noch vertraut sein, denn es überlebte den Krieg weitgehend unbeschädigt.

Schon 1855 tagte der Landwirtschaftliche Verein Belm im Großen Saal. Nach 1895 bis 1923 feierte die Papierfabrik Schoeller dort ihre Betriebsfeste. Pfingsten 1898 wurde ebenda der Schützenverein Lüstringen gegründet, er machte den Gretescher Turm zu seinem Vereinslokal, feierte ab 1900 seine Schützenfeste dort und weihte 1906 auf dem Gelände einen neuen Schießstand ein. 1907 gründeten 15 sportbegeisterte Männer den Arbeiter-Turnverein Gretesch-Lüstringen″ (später TSG). Wirt Heinrich Lömker stellte den großen Saal für den Turnbetrieb zur Verfügung. Im Gretescher Turm″ war immer was los, er war in der Kaiserzeit das gesellschaftliche Zentrum von Gretesch und Lüstringen.

Vielseitige Nutzung

1908 kaufte die Fa. Schoeller den Gretescher Turm mit dem ganzen Gelände von Mestermacher, einem Schwiegersohn des Fritz Niermeyer. Um die Jahrhundertwende war Franz Heuer der Pächter und im Jahre 1907 H. Lömker, danach Bäckermeister Heinrich Wesch. Die Pächter der Gaststätte kochten nebenher für Schoeller-Mitarbeiter zu Mittag.

1923 endete die Periode als öffentliche Gaststätte mit Saalbetrieb, Kegelbahn und Schießstand. Unter der Woche war der Saal die Betriebskantine von Schoeller, sonntags jedoch Gottesdienstraum. Von 1930 bis 1955 nutzten ihn evangelische und katholische Christen im Wechsel. Nach der Kirche konnte man gleich nebenan im Lebensmittelladen von Helmut Saunus einkaufen. Das ging so bis 1970. Im nördlichen Gebäudeteil betrieb Heinz Wesch bis 1980 seine Bäckerei. 1978 verkaufte die Firma Schoeller das Anwesen an die Familie Zulj. Tomica Zulj ist Eigentümer des Saaltraktes geblieben und nutzt ihn als Lagerraum für Antiquitäten.

Bildtexte:
Die Komplettsanierung des historischen Gebäudes Am Gretescher Turm 14 A nach einem Eigentümerwechsel ist in vollem Gange.
Aktivisten vom Bürgerverein Darum-Gretesch-Lüstringen: Walter Niemeyer, Heinz Diekhof, Helmut Riecken, Bernd Gerecht, Alteigentümer Tomica Zulj, Bernd Marner und Günther Beermann haben den neuen Eigentümer Peter Kuhlage (Fünfter von links) unterstützt.
Das Kaffeehaus Gretescher Turm″ nach 1903: Die alte Fernstraße von Buer nach dem Osnabrücker Herrenteichstor lief direkt davor her. Ansichtskarte aus der Sammlung Helmut Riecken.
Der Original-Dachreiter, hier bei einer Begutachtung durch Bürgervereinsmitglieder im Jahr 2012, musste wegen Baufälligkeit 1985 vom Dach geholt werden.
Auf alten Ansichten lässt sich (von links) Peter Kuhlage von Helmut Riecken und Günther Beermann das Gretescher Türmchen″ zeigen.
Das ehemalige Gasthaus Gretescher Turm″ vor der Sanierung im Jahr 2012.
Fotos:
Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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