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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
So sieht die erste Freie Schule Osnabrücks aus
Zwischenüberschrift:
An der neuen Montessori-Grundschule im Landwehrviertel startet bald der Unterricht für 16 Schüler
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Wenn in der kommenden Woche in Niedersachsen das neue Schuljahr beginnt, wird in Osnabrück eine komplett neue Schule an den Start gehen die erste Freie Montessori-Grundschule Osnabrücks. Bis dahin war es ein langer Weg: Rund fünf Jahre lang wurde an dem Konzept gefeilt. Begonnen hat alles auf einem Spielplatz.

Wir saßen auf dem Katharinenspielplatz und sahen, dass eine Mutter dort Plakate für eine Freie Schule klebte″, erinnert sich Emanuel Schütze. Und irgendwie konnte der IT-Fachmann das gar nicht mit ansehen. Mensch, komm, ich mach dir mal ne Webseite″, habe er zu ihr gesagt. Das war im Jahr 2014. Besagte Mutter ist mittlerweile aus Osnabrück fortgezogen, dafür sitzt Emanuel Schütze im Vorstand des Vereins Lebendig Lernen e.V.″. Seine eigenen Kinder gehen längst in eine Grundschule, sodass er selbst und seine Familie nicht mehr von der Montessori-Grundschule profitieren werden. Ist aber egal dem 39-Jährigen geht′s um die Sache.

Wer glaubt, bei einer Freien Schule kämen vermutlich leicht weltfremde Superalternative zusammen, der täuscht sich: Im Vereinsvorstand sitzen neben dem Informatiker unter anderen eine Polizistin, eine Ingenieurin und ein Ingenieur. Wir sind hier gut koordiniert hier gibt es kein Chaos″, sagt Emanuel Schütze.

Jahrgangsübergreifend

In zwei großen Schulräumen im ehemaligen Offizierskasino im Landwehrviertel können jahrgangsübergreifend zwei Klassen mit jeweils maximal 26 Kindern von 8 bis 13 Uhr unterrichtet werden. An drei Tagen pro Woche soll es zudem eine Nachmittagsbetreuung bis 16 Uhr geben. Für das Gebäude hat das Bauamt in einer Abnahme (Brandschutz!) grünes Licht gegeben, das pädagogische Konzept wurde von der Landesschulbehörde abgesegnet nun geht es also wirklich los.

Um die Finanzierung muss sich die Schule in freier Trägerschaft selbst kümmern Zuschüsse vom Land Niedersachsen gibt es erst ab dem vierten Jahr, und auch die decken nicht die kompletten Betriebskosten ab. Der Trägerverein sammelt daher Spenden und wird von mehreren Stiftungen unterstützt. Zudem zahlen die Eltern im ersten Schuljahr monatlich 100 Euro Schulgeld. Ab dem zweiten Jahr wird der monatliche Betrag auf durchschnittlich 225 Euro steigen, wobei eine Ermäßigung möglich ist.

Die Schule wird im ersten Jahr mit 16 Kindern starten, mehr sollen gar nicht aufgenommen werden, um die angestrebte Jahrgangsdurchmischung auch zu erreichen. Bereits jetzt gebe es vier Kinder, die schon einmal die erste Klasse besucht hätten ein bisschen gemischt ist es also schon, sagt Schulleiterin Anne Leisering. Die meisten Schüler stammen aus dem Stadtgebiet und dem Landkreis Osnabrück, ein paar kommen aus dem Kreis Steinfurt. Für das kommende Schuljahr liegen bereits Anmeldungen vor.

Neben Anne Leisering werden sich die gelernte Ergotherapeutin Bernadette Garbrecht als pädagogische Mitarbeiterin und Niels van Ommering als Lernbegleiter um den Unterricht kümmern.

Niels van Ommering kommt ursprünglich aus den Niederlanden und war bereits sechs Jahre in Berlin an einer Montessori-Grundschule tätig. Aus privaten Gründen zog er nach Ibbenbüren und wollte in der Region seine Arbeit fortsetzen. Ich war vollkommen überrascht, dass es hier überhaupt keine Reformschulen gibt″, sagt der 34-Jährige. Und wer jetzt denkt: Moment, in Osnabrück gibt es doch bereits eine Montessori-Schule dem sei gesagt: stimmt. Doch bei der Schule in der Ernst-Sievers-Straße handelt es sich um eine Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung.

Auch wer bei Montessori direkt an Waldorfschulen denkt, irrt sich. Letztere sind von der Ideologie Rudolf Steiners geprägt, zudem spielen Lehrer hier eine zentrale Rolle, während beim Montessori-Konzept der Lernprozess im Zentrum steht: Die Lernbegleiter schaffen einen Rahmen und setzen Impulse, doch das Tempo geben die Schüler vor. Entdeckungsdrang und Neugierde sind von Natur aus in den Kindern angelegt″, sagt Niels van Ommering. Anders als an Regelschulen müsse hier nicht im Gleichschritt″ gelernt werden. Und dennoch sollen hier die gleichen Inhalte vermittelt werden wie an allen anderen Grundschulen.

Zeugnisse mit Ziffernnote″ wird es an der Freien Schule nicht geben. Sie können aber dann ausgestellt werden, wenn nach den vier Grundschuljahren eine weiterführende Schule besucht werden soll, erläutert Anne Leisering, die ursprünglich aus dem Südkreis stammt und in ihrer Zeit in Norwegen ihr Interesse an inklusiver Pädagogik entdeckte. Doch eigentlich hat der Trägerverein ganz andere Pläne für die Schüler, die vier Jahre lang die Freie Schule besucht haben: Sie sollen nämlich auf eine weiterführende Montessori-Schule kommen.

Die Vision

Wir möchten in Osnabrück ein Montessori-Bildungshaus schaffen″, sagt Emanuel Schütze. Das sei die Vision des Vereins. Dafür soll mittelfristig das Gebäude in direkter Nachbarschaft angemietet werden, in dem derzeit das Osnabrücker Kleiderlager untergebracht ist.

Und das ist noch nicht alles: Der Verein würde gerne noch ein Kinderhaus einrichten, also einen Kindergarten für Kinder ab drei Jahren nach den Prinzipien der Montessoripädagogik. Ein möglicher Standort wären Räume, die sich in einem anderen Gebäudeteil des Offizierskasinos befinden. Hier ist derzeit eine städtische Übergangskita untergebracht. Nur einen Steinwurf entfernt wird jedoch derzeit an einer neuen Kindertagesstätte gebaut, die voraussichtlich Anfang 2021 fertig wird dann soll ein Umzug der jetzigen Kita-Gruppen erfolgen, und die Räume stünden leer. Das Interesse an einem Kinderhaus ist groß, sagt Emanuel Schütze: Wir haben massig Anfragen.″ Und das nicht nur, weil in Osnabrück Kita-Plätze rar sind, sondern auch, weil das Montessori-Konzept viele Eltern überzeugt.

Doch erst einmal werden in diesen Tagen die letzten Stühle und Bänke geliefert, damit am 29. August Einschulung am Glasgowring 28 gefeiert werden kann. Am Samstag, 26. September, soll es zudem ab 10 Uhr einen Tag der offenen Tür in der Schule im Landwehrviertel geben. Für Eltern, die ihre Kinder gerne bei der Montessori-Grundschule anmelden möchten, sind im Herbst weitere Info-Veranstaltungen geplant.

Bildtexte:
Die erste Freie Schule Osnabrücks befindet sich in dem ehemaligen Offizierskasino im Landwehrviertel.
Freuen sich auf das erste Schuljahr: Schulleiterin Anne Leisering, Lernbegleiter Niels van Ommering und die pädagogische Mitarbeiterin Bernadette Garbrecht.
Pünktlich zum neuen Schuljahr ist die erste Freie Schule Osnabrücks fertig geworden. Zunächst werden hier 16 Kinder unterrichtet.
Die letzten Möbel werden in den kommenden Tagen geliefert alles läuft nach Zeitplan.
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Cornelia Achenbach


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