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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Militärstrategische Gründe
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Ein Waldversteck für Lokomotiven″ (Artikel vom 7. August).

Vielen Dank für die Zeitzeugenberichte über die wenig bekannten Bahngleise im Hörner Bruch. Dabei handelt es sich tatsächlich um Abzweigungen aus dem Betriebsbahnhof Hörne mit Anbindung an den , Haller Wilhelm′. Die Angabe von Herrn Korte, er habe bei seinen Streifzügen mit gleichaltrigen Klassenkameraden an der Bahnlinie streng bewachte KZ-Häftlinge in gestreifter Kleidung gesehen, kann zutreffen. Es waren wohl Häftlinge der , 5. SS-Eisenbahnbaubrigade′, eines Außenkommandos des KZ Mittelbau (später KZ Sachsenhausen). Augenzeugen berichten, die Häftlinge hätten bei Luftangriffen zum Teil mit Handkraft abgestellte Waggons auf die Waldgleise schieben müssen. Mehr als 500 KZ-Häftlinge waren von Oktober 1944 bis April 1945 auf dem Betriebsbahnhof Hörne in einem Zugverband stationiert. Jeweils mindestens 24 von ihnen vegetierten in einem Viehwaggon. Mehr als 40 KZ-Häftlinge starben unter den unerträglichen Lebens- und Arbeitsbedingungen oder wurden, wie es in den Unterlagen ihrer SS-Bewacher heißt, , auf der Flucht erschossen′. Die Vermutung, die Wehrmacht habe speziell zum Schutz der Gleisanlage im Wald eine mobile Eisenbahnflak am BBf Hörne postiert, trifft eher nicht zu.

Tatsächlich waren auf den letzten beiden zum Feldweg hin gelegenen Gleisen ab November 1944 vier Geschütze des Kalibers 12, 8 cm der schweren Eisenbahn-Flak-Abteilung 473 im stationären Einsatz. Sie standen in Reihe seitlich versetzt auf dem Abschnitt vor der Bahnunterführung Limberger Straße. Eines wurde bei einem Luftangriff Anfang 1945 zerstört. Der Einsatz der Eisenbahnflakeinheit in Hörne hatte militärstrategische Gründe.

Die Bahnstrecken um Osnabrück waren als Hauptnachschublinien für die im Winter 1944/ 45 bis an den Niederrhein bei Nimwegen vorgerückte Westfront von großer Bedeutung. Über sie verlief auch der Nachschub für die sogenannten , Vergeltungswaffen′ V 1 und V 2 aus den unterirdischen Produktionsstätten in Mittelbau-Dora. Bei ihrer Produktion in Mittelbau starben ca. 20 000 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter. 8000 weitere Menschen, fast ausschließlich Zivilisten, kamen durch den Einsatz der Waffen ums Leben. ′′

Karl Kassenbrock
Osnabrück

Bildtext:
Das Eisenbahnversteck im Hörner Bruch ist noch heute, 75 Jahre nach Kriegsende, durch die parallel verlaufenden Gleisbuchten auszumachen.
Foto:
Joachim Dierks
Autor:
Karl Kassenbrock


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