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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der steinige Weg zur zweiten Gesamtschule
Zwischenüberschrift:
Zehn Jahre IGS Eversburg: Warum es drei Elternbefragungen brauchte, bis das Projekt umgesetzt werden konnte
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Vor zehn Jahren ging Osnabrücks zweite Gesamtschule an den Start, die Integrierte Gesamtschule (IGS) Eversburg. Der Eröffnung war ein zähes Ringen in der Politik um Konzept und Standort vorausgegangen. Mehr als einmal wurde im Rat die Systemfrage″ gestellt und kontrovers beantwortet.

Mit Systemfrage″ ist die Frage gemeint, ob das herkömmliche dreigliedrige Schulsystem durch Gesamtschulen ergänzt werden soll, und inwieweit dabei kirchliche Schulträger zum Zuge kommen dürfen.

2006 gibt die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers zu erkennen, gern als Schulträger in der Stadt präsent zu sein, in der es bislang neben den staatlichen Schulen nur Bistumsschulen gab. Das Schulzentrum Eversburg gerät in den Fokus. Dort existieren nebeneinander Hauptschule, Realschule und eine Außenstelle des Ratsgymnasiums. Daraus ließe sich doch eine Kooperative Gesamtschule (KGS) in evangelisch-kirchlicher Trägerschaft formen, wird vorgeschlagen.

Die Ratsfraktionen der SPD, der Grünen und der Linken sind dagegen, CDU und FDP dafür. Nur weil vier Ratsmitglieder der SPD aus der Fraktionsdisziplin ausscheren und mit CDU und FDP stimmen, ergibt sich im Juli 2007 eine Mehrheit dafür, in konkrete Verhandlungen mit der Kirche über die Rahmenbedingungen einer solchen evangelischen KGS einzusteigen.

Neuer Vorschlag

Das Verfallsdatum für diese Richtungsentscheidung ist jedoch schnell erreicht. Gesamtschulen werden auch vor dem Hintergrund des bei Eltern wie Schülern unbeliebten Turbo-Abis″ zunehmend populär, und im Landtagswahlkampf im Januar 2008 versucht die SPD mit dem Plan zu punkten, aus der Käthe-Kollwitz-Schule eine städtische IGS am Standort Schölerberg zu machen. Die rot-grüne Mehrheit im Rat schwenkt auf diese Linie ein.

Im Juli 2008 fasst der Rat den Errichtungsbeschluss für eine IGS Schölerberg. Die evangelische Landeskirche setzt daraufhin die Gespräche aus, weil ihre Pläne für Eversburg davon berührt werden. Gleichzeitig löst sich der Förderverein des Schulzentrums Eversburg frustriert auf. Im November 2008 ergibt die nach dem Schulgesetz vorgeschriebene Elternbefragung den erforderlichen Trend für eine IGS Schölerberg.

Dann fängt die Schulverwaltung an zu rechnen. Die Kostenschätzung ergibt einen Finanzbedarf von 20 Millionen Euro. Für die Sanierung und Erweiterung des Schulzentrums Eversburg werden hingegen nur″ sieben bis neun Millionen Euro genannt. Zwei neue Gesamtschulen sind nicht zu stemmen, lautet die Erkenntnis, außerdem würden die bestehenden Haupt- und Realschulen dann in ihrem Bestand gefährdet.

Neuer Anlauf

So kommt es im Februar 2009 zu einer erneuten Volte. In Eversburg soll eine fünf- bis sechszügige städtische IGS errichtet werden. Die Käthe-Kollwitz-Schule wird dafür geopfert. Und auch der Plan einer evangelischen KGS wird zu den Akten gelegt, obwohl sich die Schulleitungen der drei bestehenden Alt-Schulen im Schulzentrum Eversburg geschlossen dafür ausgesprochen haben.

Die entscheidende Ratssitzung am 10. Februar, in der es erneut hoch hergeht, stößt auf so großes Publikumsinteresse, dass sie per Video in die Vorhalle des Rathauses übertragen wird. Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) begründet den Beschluss auch damit, dass zwei neue Gesamtschulen derzeit nicht realisierbar seien. Nach der Aufhebung des unter Ministerpräsident Christian Wulff erlassenen Verbotes, im Land neue Gesamtschulen zu gründen, solle die eine derzeit mögliche neue Gesamtschule in Osnabrück eine staatliche sein und keine private und damit auch keine kirchliche.

Zweite Elternbefragung

Aber vor der Realisierung ist eine erneute Abfrage des Elternwillens notwendig, weil es um einen neuen Standort geht. Und bei dieser Befragung kommen nicht mehr genug Stimmen für eine IGS zustande. Gleichwohl beantragt die Stadt in Hannover die Errichtung einer IGS Eversburg unter anderem mit dem Argument, dass auch viele Anmeldungen aus dem Landkreis zu erwarten seien. Die CDU-geführte Landesregierung lehnt ab. OB Pistorius ist enttäuscht und wütend: Die restriktive Auslegung der Rechtslage habe nur damit zu tun, dass die IGS von der Landesschulbehörde politisch nicht gewollt″ sei.

Es hilft nichts eine dritte Elternbefragung muss her, diesmal begleitet von intensiver Öffentlichkeitsarbeit. Die hat das von der Ratsmehrheit gewünschte Ergebnis: Die Mindestzahl von 130 Kindern pro IGS in jedem Jahrgang wird locker überschritten. Der Weg ist frei für die IGS Eversburg. Auch die zuvor ablehnenden Ratsfraktionen respektieren das Ergebnis. Hauptschule und Realschule Eversburg werden im Sommer 2010 keine neuen Schüler aufnehmen und bis 2015 auslaufen. Ebenso wird die Außenstelle des Ratsgymnasiums einen Tod auf Raten″ sterben. Das Eversburger Standbein hatte das Ratsgymnasium zeitweilig zum größten Gymnasium Niedersachsens befördert.

Gemeinsames Lernen

Am 6. August 2010 wird die IGS Eversburg feierlich eröffnet. Ob Pistorius bekennt seine unbeschreibliche Freude″ darüber, dass es nun endlich″ so weit sei, wobei er einige Spitzen gegen die Landesregierung wegen seiner Ansicht nach vermeidbarer Verzögerungen verteilt. 150 Fünftklässler in fünf Klassen beginnen, nach neuem Konzept zu lernen. Die Devise lautet: Verschieden sein, gemeinsam lernen, erfolgreich sein″. Nahezu alle europäischen Länder, aber auch die außereuropäischen Pisa-Siegernationen zeigen uns, dass gemeinsames Lernen auch erfolgreiches Lernen bedeutet″, bekräftigt Schulleiter Stefan Knoll.

Bildtexte:
Vor zehn Jahren durchschnitt OB Boris Pistorius das Band zur Eröffnung der IGS Eversburg. Rechts Schulleiter Stefan Knoll.
Das Schulzentrum im Jahr 2011: Die im Vorjahr gegründete IGS ist noch im Altbau von 1956/ 1959 in der Bildmitte untergebracht. Links daneben der grüne″ Erweiterungsbau von 1978, links unten die Sporthallen von 1964 und 1982, rechts unten die neue Mensa von 2010.
Im Neubau von 2014 wird Transparenz großgeschrieben.
Die Südfassade des Neubaus in den Sommerferien 2020.
Auf der grünen Wiese entstand 1956 der erste Bauabschnitt des späteren Schulzentrums. Vorne der noch unbebaute Grüne Weg, hinter der Schule die Straße Eversheide und am oberen Bildrand die Wersener Straße.
In ihren ersten Jahren war die IGS im Altbau von 1956/ 1959 untergebracht.
Im Juni 2016 ist der farbenfrohe, 100 Meter lange Gebäuderiegel des Neubaus fertiggestellt, während der grüne″ Erweiterungsbau rechts daneben modernisiert wird und eine neue Fassade erhält.
Fotos:
Elvira Parton, Gert Westdörp, Joachim Dierks, Schularchiv Eversburg/ Bürgereverein Eversburg, Michael Hehmann, David Ebener

Schulzentrum Eversburg

Bis zur Entstehung der IGS Eversburg war es ein langer Weg. Die Chronik:

1956: Beengte Raumverhältnisse am Schulstandort Atterstraße führen zum Neubau für die Evangelische Volksschule zwischen Grünem Weg und Eversheide, während die katholische Liebfrauenschule an der Atterstraße verbleibt.

1959–1964: Weitere Bauabschnitte und Turnhalle werden fertiggestellt.

1974: Aufhebung der Konfessionsschulen in Eversburg. Die Schule am Grünen Weg wird gemeinsame Hauptschule.

1977/ 1978: Ausbau zum Schulzentrum durch den Grünen Neubau″. Orientierungsstufe, Hauptschule, Realschule und Außenstelle des Ratsgymnasiums werden nebeneinander untergebracht.

1982: Neue, dreifach teilbare Sporthalle eingeweiht.

2009/ 2010: Neubau Schulmensa.

2010: Start der IGS Eversburg. Stufenweises Wachstum der lebendigen Schule im Aufbau″.

2013/ 2017: Abriss der dem Neubau im Wege stehenden Altbauten.

2014: Fertigstellung des dreigeschossigen, 100 Meter langen Neubaus für 10, 6 Millionen Euro.

2016: Modernisierung des Grünen Baus″.

2019: Die IGS entlässt ihren ersten Abitur-Jahrgang.
Autor:
Joachim Dierks


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