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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Neue Sirenen für den Ernstfall
 
Osnabrück bekommt wieder Sirenen
Zwischenüberschrift:
Stadt will im Katastrophenfall alle Bewohner warnen können
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Im Katastrophenfall kann die Stadt Osnabrück derzeit nicht alle Bürger vor Gefahren warnen längst nicht jeder nutzt permanent Nachrichtenangebote oder Warn-Apps auf Smartphones wie Katwarn″ oder Nina″. Nach dem Wegfall der knapp hundert Sirenenanlagen des Bundes in Osnabrück im Jahr 1993 schafft die Stadt nun ein neues System an. 26 stationäre Hochleistungssirenen sollen ab August in der Stadt installiert werden und Bürger im Ernstfall lautstark alarmieren, bestätigte ein Sprecher der Stadt auf Anfrage unserer Redaktion. Die Stadt rechnet mit Kosten von 300 000 bis 400 000 Euro. Die Anschaffung des Systems geht auf einen Ratsbeschluss aus dem Jahr 2017 zurück. Seit Jahren verfügt die Stadt lediglich über ein Fahrzeug mit einer mobilen Sirene.

Osnabrück Nach dem Großbrand zweier Unternehmen im Osnabrücker Stadtteil Fledder haben sich einige Bürger gefragt: Wie hätten wir von der Warnung erfahren sollen, Fenster und Türen geschlossen zu halten? Die Stadt arbeitet bereits an einer Lösung, die an alte Zeiten erinnert.

Am 20. Juli waren das Autohaus Holtmeyer und das Chemieunternehmen Belkenheid Nachfolger GmbH an der Gesmolder Straße abgebrannt. Zunächst sollten nur die Bürger einzelner Osnabrücker Stadtteile Fenster und Türen geschlossen halten, später wurde diese Empfehlung auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet. Medien wie unsere Redaktion informierten online darüber, ebenso die Warn-Apps für Smartphones, Katwarn″ und Nina″. Auch im Radio war der Hinweis zu hören.

Doch längst nicht jeder Bürger hat ein Smartphone und nicht jeder, der ein Smartphone hat, nutzt diese Apps. Es liest auch nicht jeder ständig online Nachrichten, und nicht jeder hört permanent Radio. All diese Menschen erreichte die Warnung also nicht und als sie später davon erfuhren, machte sich so mancher Gedanken, ob er womöglich schädliche Gase eingeatmet hat.

Eine flächendeckende oder gebietsbezogene Warnung der Bevölkerung sei in Osnabrück derzeit nur eingeschränkt möglich, hat Stadtsprecher Gerhard Meyering nun auf Anfrage bestätigt.Neues System kommt

Das aber solle sich ändern: Die Stadt will die Bürger im Katastrophenfall künftig wieder mithilfe von Sirenen warnen. Im November 2017 hatte der Rat ein solches Sirenennetz beschlossen. Denn die Verwaltung erachte die digitalen Warnsysteme Katwarn″ und Nina″ als alleinige Alarmierungsmittel für unzureichend, so Meyering.

Anfang 2019 hatte die Stadt ein Ingenieurbüro mit der Planung für ein neues Sirenensystem beauftragt, die derweil abgeschlossen ist. 26 Hochleistungssirenen seien nun geplant und bereits ausgeschrieben.

Die Stadt kalkuliert für das Sirenennetz Kosten von 300 000 bis 400 000 Euro. Sie rechne damit, den Auftrag zeitnah vergeben zu können. Mit der Realisierung könne schon im August begonnen werden, so Meyering.

Der Bund hatte bis in die 1990er-Jahre ein flächendeckendes Sirenensystem betrieben. Kommunen konnten es für ihre eigenen Aufgaben nutzen etwa im Brandfall. Im bundesweiten Ernstfall hätten die Warnämter die Sirenen zentral ausgelöst. Aufgrund der nach dem Fall des Eisernen Vorhangs veränderten weltpolitischen Lage die Möglichkeit eines Kriegsfalls schien gebannt zu sein stellte der Bund sie zum 1. Januar 1993 ab, bot den Kommunen aber die Übernahme an.Einst 99 Sirenen

In Osnabrück waren zu diesem Zeitpunkt 99 Sirenen in Betrieb, 66 hätte die Stadt übernehmen können. 33 Anlagen wurden aufgrund technischer Mängel demontiert. Damit wäre für Osnabrück schon kein flächendeckendes System mehr vorhanden gewesen.

Auch aus Kostengründen lehnte Osnabrück die Übernahme der 66 Sirenen ab bis auf zwei in Voxtrup und Sutthausen zur Alarmierung der örtlichen Feuerwehren. Die Stadt hatte damals bei einer Übernahme mit 500 DM pro Sirene und Jahr für Wartung und Unterhaltung gerechnet.

Ein weiteres Problem war die zukünftige Auslösung der noch vorhandenen Sirenen″, so Meyering weiter. Mit der Abschaltung des Sirenennetzes kündigte der Bund die Mietverträge der Sirenenstandorte und die Verträge hinsichtlich der Telekommunikationsanbindungen zu den Sirenen.″ Zudem stellte die Telekom ihr analoges Telekommunikationsnetz damals gerade auf digitale Technik um. Die analoge Technik zur Ansteuerung der Sirenen hätte zum Weiterbetrieb ausgetauscht werden müssen″, erklärt Meyering. Darüber hinaus wurden die Warnämter aufgelöst, sodass für die Auslösung der Sirenen insgesamt eine andere Lösung gefunden werden musste.″

Es hätte also einen großen Aufwand bedeutet, wenn die Stadt die Sirenen hätte weiterbetreiben wollen: Abschluss neuer Mietverträge mit den Eigentümern der Sirenenstandorte, Umrüstung der vorhandenen Sirenen auf digitale Technik, Abschluss neuer Verträge hinsichtlich der Telekommunikationsanbindungen der Sirenen sowie eine Ergänzung des Netzes um die 33 Sirenen, die wegen technischer Mängel demontiert wurden″, zählt Meyering auf.Mobile Sirene reicht nicht

Im Ernstfall, so hatte unsere Redaktion 1993 berichtet, wolle die Stadt künftig auf Lautsprecherwagen zurückgreifen. Letztlich schaffte die Stadt 2013 einen Wagen und eine mobile Sirene an. Zwei weitere sollten 2015 und 2016 eigentlich folgen, blieben aber aus. Und mit dem Lautsprecherwagen kann eine zuverlässige Warnung der Bevölkerung im Ereignisfall nicht garantiert werden″, so Meyering. Eine sichere und flächendeckende Warnung der Bevölkerung ist ausschließlich durch ein stationäres Sirenensystem möglich.″ Viele andere Städte würden derweil wieder ein solches planen oder bereits betreiben, etwa Duisburg, Essen, Mülheim, Herne, Münster, Chemnitz, Krefeld, Regensburg, Brake, Solingen und Kassel.

Am 10. September ist übrigens der erste bundesweite Warntag seit der Wiedervereinigung. In ganz Deutschland sollen Sirenen heulen sofern vorhanden –, Warn-Apps sollen piepen, Rundfunksendungen unterbrechen ihr Programm und senden Probewarnungen. Mehr dazu auf bundesweiter-warntag.de.

Bildtexte:
So sahen die Sirenen aus, die bis Anfang 1993 auf Osnabrücker Dächern standen.
Sie kehren zurück nach Osnabrück: Sirenen, die die Bevölkerung im Ernstfall warnen sollen.
Die möglichen Standorte der Sirenen (Grafik aus 2017).
Fotos:
NOZ-Archiv, Rolf Vennenbernd/ dpa
Autor:
Jörg Sanders


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