User Online: 1 | Timeout: 10:06Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Radfahren auf Martinistraße „kein Muss″
 
Bremst der Rat die Busbeschleunigung aus?
Zwischenüberschrift:
Knackpunkt Martinistraße / Durchschnittstempo des ÖPNV auf 17 km/h gesunken
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Schiebt der Rat in Osnabrück die Neugestaltung der vierspurigen Martinistraße weiter auf die lange Bank und damit auch die mögliche Busbeschleunigung auf einem wichtigen Abschnitt der Hauptlinie M4? Vor der entscheidenden Sitzung am heutigen Dienstag (Beginn 17 Uhr, Osnabrück-Halle) mehren sich die Anzeichen, dass Planungsgelder in Höhe von 2, 1 Millionen Euro umgewidmet werden und ins städtische Radverkehrsprogramm fließen sollen. Nach der FDP-Fraktion hat auch der Bund Osnabrücker Bürger (BOB) Zustimmung zu einem entsprechenden Vorschlag der Rats-CDU signalisiert. Das Fahrradfahren auf der Martinistraße ist kein Muss″, erklärte die Wählervereinigung am Montag. Damit scheint eine Mehrheit greifbar nah auch wenn der BOB nach internen Querelen neuerdings im Rat ohne Mandat ist.

Osnabrück Je langsamer die Busse in Osnabrück, desto teurer ihr Betrieb: Jeder km/ h weniger im Flottendurchschnitt kostet aufs Jahr gerechnet Millionen. Für die Linien M2 und M4 wird jetzt untersucht, wie der ÖPNV schneller werden kann. Dabei spielt ausgerechnet die im Rat umstrittene Martinistraße eine wichtige Rolle.

Stadt und Stadtwerke Osnabrück, die gemeinsam das Projekt Mobile Zukunft″ betreiben, wollen dem sogenannten Umweltverbund von Bus und Rad auf wichtigen Verkehrsachsen Vorrang gegenüber dem Auto geben. Erklärtes Ziel ist es, die jährlichen Fahrgastzahlen im ÖPNV (zuletzt 35, 2 Millionen) um ein Fünftel zu steigern. Im Mittelpunkt der Pläne stehen dabei zunächst die Metrobus-Linien M2 (Hauptbahnhof–Landwehrviertel) und M4 (Abschnitt Neumarkt–Hellern).

Hilfe von außen

Auf der Suche nach konkreten Möglichkeiten zur Qualitätsverbesserung des Umweltverbundes auf beiden Achsen hat sich Osnabrück Hilfe von außen geholt. Wie Projektleiterin Brigitte Strathmann auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, ist das niederländische Büro Goudappel Coffeng (Deventer/ Den Haag) mit der Ausarbeitung einer Konzeptstudie beauftragt worden. Erste Ergebnisse sind noch im Jahr 2020 zu erwarten.″

Doch was die Fachleute für urbane Mobilität am Ende tatsächlich an Vorschlägen auf den Tisch legen können, hängt plötzlich stark von der Ratssitzung am heutigen Dienstag ab Stichwort Martinistraße. Ihr lange beabsichtigter Umbau, der den Busverkehr beschleunigen und Radfahrern mehr Sicherheit bringen soll, steht mal wieder auf der Kippe, seit sich die CDU Ende Juni im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt quergestellt hat. Sie fordert, errechnete Planungsgelder für die Martinistraße in Höhe von 2, 1 Millionen Euro lieber woanders ins Osnabrücker Radwege-Netz zu investieren. Gibt es dafür eine Mehrheit, können sich die Gutachter in Holland eine genaue Betrachtung der vierspurigen Verkehrsader zwischen Wüste und Weststadt wohl sparen.

Dabei liegt gerade in diesem Bereich großes Potenzial, insbesondere für einen attraktiveren, leistungsfähigeren ÖPNV. So ist bereits im vierten Nahverkehrsplan (NVP), den Stadt und Landkreis Osnabrück Ende 2019 gemeinsam beschlossen haben, mit Blick auf die Linie M4 unter anderem von möglichen Bus- beziehungsweise Umweltspuren zwischen Wall und Heinrich-Lübke-Platz die Rede. Gleiches gilt für den Abschnitt zwischen Neumarkt und Osnabrück-Halle, für die Lengericher Landstraße stadteinwärts zwischen Blumenhaller Weg und Hörner Weg sowie für den Blumenhaller Weg in beiden Richtungen. Im östlichen Verlauf der Linie zieht der NVP außerdem Busspuren zwischen Berliner Platz und Luisenstraße in Betracht.

Und wie sieht es bei der Linie M2 aus? Hier könnte es in der City hinauslaufen auf weitere Bus- beziehungsweise Umweltspuren zwischen Neumarkt und Kamp-Promenade, zwischen Neumarkt und Berliner Platz und auf der Möserstraße. Richtung Landwehrviertel sollen welche an folgenden Stellen geprüft werden: zwischen Heger Tor und Rißmüllerplatz, zwischen Rißmüllerplatz und Umweltstiftung (Optimierung), auf der Natruper Straße zwischen Umweltstiftung und Eversburger Platz (Umweltspur) sowie auf der Wersener Straße zwischen Eversburger Platz und Landwehrstraße.

Höhere Kosten

Darüber hinaus listet der NVP für beide Metrobus-Trassen verschiedene Knotenpunkte auf, an denen die Ampelsteuerung so verändert werden könnte, dass der streng durchgetaktete ÖPNV möglichst wenig ausgebremst wird. Denn nicht nur für den Fahrgast ist Zeit Geld, sondern auch und vor allem für den Verkehrsbetrieb selbst. Bereits 2017 rechneten die Stadtwerke Osnabrück vor: Verringert sich die mittlere Geschwindigkeit aller Busse um einen Kilometer pro Stunde (km/ h), kostet das 1, 4 Millionen Euro im Jahr zusätzlich, weil mehr Personal und mehr Wagen eingesetzt werden müssen, um den Fahrplan einzuhalten. Heute dürfte der finanzielle Verlust sogar höher ausfallen schließlich umfasst das Anfang 2020 reformierte Busnetz viele zusätzliche Leistungen. Gleichzeitig wird der ÖPNV immer langsamer. Lag das Durchschnittstempo auf den Linien vor einigen Jahren noch bei 20 km/ h, seien es aktuell etwa 17, erklärte Stadtwerke-Sprecher Marco Hörmeyer am Montag auf Anfrage.

Auch deshalb erwarte das Unternehmen gespannt die Ratsentscheidung zur Martinistraße. Es dürfte auch eine Nagelprobe für den Nahverkehrsplan werden. Der stellt zum Thema Busbeschleunigung fest: Ein hochwertiges ÖPNV-System benötigt auf den Hauptachsen eigene Trassen im Straßenraum, vor allem dort, wo die Verkehrsbelastung regelmäßig zu Rückstaus und Verspätungen führt.″ Nur bei möglichst weitgehender Unabhängigkeit vom sonstigen Straßenverkehr könne eine deutliche Steigerung der Fahrgastzahlen erreicht werden. In staugefährdeten Straßenabschnitten seien Sonderfahrstreifen für Busse das effektivste Mittel. Darüber hinaus führe ihre gezielte Bevorrechtigung an Ampeln zu einer höheren Verlässlichkeit″ des ÖPNV.

Bildtext:
Zur effektiven Beschleunigung der Metrobus-Linie M4 (Belm–Hellern) wäre wohl ein Umbau der Martinistraße nötig. Ob der Rat da mitspielt?
Foto:
Jörn Martens
Autor:
Sebastian Stricker


Anfang der Liste Ende der Liste