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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Der Greta-Effekt: Immer mehr Osnabrücker produzieren selber Strom
Zwischenüberschrift:
Fotovoltaik boomt: Lange Wartezeit für Beratungstermin
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Osnabrück erlebt gerade einen Solarboom, und der geht wohl gleichermaßen auf den Greta-Effekt und auf Corona zurück. Wer seinen Strom selber erzeugen möchte, muss sich allerdings gedulden. Die Installateure haben erst im September wieder Termine frei. Und der von der Stadt beworbene Solarcheck ist für Monate ausgebucht.

Demonstrieren können die Schüler von Fridays for Future″ nur noch unter erschwerten Bedingungen, aber sie motivieren ihre Eltern oder Großeltern, etwas für den Klimaschutz zu tun. Eine Solaranlage aufs Dach, das ist ein häufig geäußerter Wunsch in Corona-Zeiten. So erklärt sich das jedenfalls Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück. Die Leute sind zu Hause, sie machen keine Kreuzfahrt, und sie haben das Geld.″

7000 bis 10 000 Euro kostet so eine Fotovoltaikanlage für ein Privathaus, wie Alois Plüster von der Firma Sunconcept vorrechnet, mit Speicher das Doppelte. Die derzeitige Nachfrage nennt er extrem″, wer bei ihm bestellen will, sollte etwas Zeit mitbringen: Wir haben 20 Leute in der Warteschleife.″ Bei Plüster melden sich häufig Menschen, die ihr Häuschen abbezahlt haben″ und feststellen, dass ihr Geld auf der Bank keine Zinsen bringt″.

Wer in die Fotovoltaik auf dem eigenen Dach investiert, könne mit Renditen von drei bis sechs Prozent rechnen, meint Mitbewerber Claus Stickann von Rainbows End, der in diesen Monaten ebenfalls einen starken Zuwachs konstatiert. Mit der Folge, dass es schon schwierig wird, genug Fachkräfte zu finden, die Module und Wechselrichter installieren können. Nicht nur beim selbstproduzierten Strom, auch bei der solaren Wärmenutzung sei einiges in Bewegung gekommen, seit die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) ein Förderprogramm aufgelegt hat.

Stickann ist sicher, dass der Boom auf das wachsende Bewusstsein für den Klimaschutz zurückgeht. Wenn Hauseigentümer, die schon 70 oder 80 sind, ihr Herz für die Fotovoltaik entdecken, dann hätten wohl auch die Schüler von Fridays for Future″ Überzeugungsarbeit geleistet.

Anders als beim ersten Solar-Boom vor zehn Jahren haben sich die Rahmenbedingungen inzwischen grundlegend geändert. Statt der hohen Einspeisevergütungen, die anfangs für den Strom gezahlt wurden, sind mit einer neuen Anlage nur noch etwa 9 Cent pro kWh zu erzielen. Da lohnt es sich, möglichst viele der selbsterzeugten Kilowattstunden im eigenen Haushalt zu verbrauchen.

Immer mehr Anlagen

Es bietet sich also an, Waschmaschine und Spülmaschine bei Sonnenschein in Gang zu setzen. Doch für viele Betreiber wird es schon schwierig, den Eigenverbrauch auf mehr als 20 Prozent hochzuschrauben. Da kommen die Stromspeicher ins Spiel, die inzwischen günstiger geworden sind und zugleich von der KfW gefördert werden.

Fast jedes zweite Dachkraftwerk werde schon mit einem Speicher ausgestattet, berichtet Anlagenbauer Alois Plüster. Dazu gehöre natürlich auch ein zeitgemäßes Energiekonzept, das über Verbrauch und Produktion wacht. Und wer sich für 5000 oder sogar 10 000 Euro die entsprechende Technik ins Haus holt, bekomme auch noch eine schöne App fürs Smartphone dazu, über die sich alle Prozesse online verfolgen und steuern lassen.

Der Spaß an der Technik ist aus Plüsters Sicht neben dem Klimaschutz ein weiteres Motiv, um in die solare Stromerzeugung zu investieren. Bei manchen Kunden steht auch ein E-Auto vor der Tür, da dränge sich die Kombination mit der Fotovoltaik förmlich auf. Ein Argument, das er auch immer wieder hört, sind die steigenden Strompreise. Von Solarzellen auf dem Dach versprächen sich viele Menschen mehr Unabhängigkeit.

Die Stadt Osnabrück und der Landkreis unterstützen die individuelle Energieerzeugung mit der Solarcheck-Kampagne. Hauseigentümern wird eine intensive Beratung für 280 Euro angeboten, von denen das Bundeswirtschaftsministerium 250 Euro übernimmt. In einem ausgiebigen Check geht es um Stromverbrauch und Haushaltsgeräte, um E-Mobilität, Dachneigung und Solarpotenzial. Das kann zwei oder drei Stunden dauern″, sagt Andreas Kaschuba-Holtgrave von der Verbraucherzentrale, einer von sechs Beratern im Raum Osnabrück.

Für ihn ist unstrittig, dass eine Fotovoltaikanlage sinnvoll ist, allerdings erst, wenn den Stromfressern im Haushalt die Zähne gezogen wurden. Denn es gilt der Grundsatz, dass jede eingesparte Kilowattstunde lukrativer ist als eine selbst erzeugte von der Solaranlage.

Vom Solar-Boom in der Corona-Zeit ist allerdings auch die Beratung völlig überrannt worden. Wer sich jetzt anmeldet, bekomme wohl erst Ende September einen Termin, sagt Detlef Gerdts von der Stadt Osnabrück. Nach der Veröffentlichung einer Pressemitteilung Ende Mai haben sich in der Stadt und im Landkreis schon 500 Interessierte angemeldet gegenüber dem gesamten Vorjahr schon eine Verdoppelung. Beim niedersächsischen Umweltministerium musste nachverhandelt werden, um so viele Solarchecks zu finanzieren. Wer sich jetzt anmeldet, kommt also noch zum Zuge, heißt es beim Fachbereich Klima und Umweltschutz, muss aber zunächst auf eine Warteliste. Und wer es eilig hat, kann sich auch auf den Interneteingangsseiten der Stadt unter www.osnabrueck.de/ solar informieren.

Dass sich die Fotovoltaik zu einem solchen Selbstläufer entwickeln würde, hatte Gerdts vor der Corona-Krise nicht erwartet. Er initiierte eine Kinowerbung, an der sich auch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und Umweltämter anderer Städte beteiligen. Die Osnabrücker Agentur Die Etagen″ produzierte einen witzigen Werbespot mit einer Frau, die vor dem Badezimmerspiegel einen Wutanfall bekommt, weil der Strom für ihren Fön zur Neige geht. Dann gibt′s eine dicke Überraschung, und die Botschaft lautet: Mit Solarstrom geht alles viel einfacher.

Bildtext:
Alle Hände voll zu tun haben die Anbieter von Fotovoltaikanlagen in diesen Monaten.
Foto:
André Havergo

Anmelden für Solarcheck

Im Stadtgebiet nimmt die Stadt Osnabrück Anmeldungen für den Solarcheck unter der Telefonnummer 0541/ 323-3173 oder per E-Mail an umwelt@ osnabrueck.de entgegen. Anmeldungen aus dem Landkreis sind dort unter der Telefonnummer 0541/ 501-1731 oder per E-Mail an jonathan.fietz@ lkos.de möglich.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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