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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Angemessen würdigen
Zwischenüberschrift:
Leserbriefe
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Streit um das geplante Calmeyer-Museum, u. a. zu den Leserbriefen Der Fall Calmeyer: Diskussion weitet sich zum Skandal aus″ (Ausgabe vom 13. Juni) und dem Artikel Manipulativer Gesinnungsjournalismus″ (Ausgabe vom 2. Juni).

Die Leserbriefe der Herren Nüßlein und Panagiotidis können und dürfen nicht unwidersprochen bleiben. Meiner Meinung nach ist der eigentliche Skandal nicht die Forderung nach einer Erinnerungsstätte für Hans Calmeyer, sondern der Versuch, Calmeyer als Mörder und Mittäter zu verunglimpfen. Welche Alternative zu seinem Rettungswerk hätte es denn geben können? Richtig: Nichtstun. Dann hätten alle Juden sterben müssen.

Hier noch einmal die unwiderlegbaren Fakten: Hans Calmeyer hat in seiner Funktion Tausende Menschenleben gerettet. Er konnte viele nicht retten, weil seine Sabotage sonst aufgeflogen wäre. Er und seine Helfer haben ihr Leben riskiert. Für seinen Einsatz erhielt Calmeyer von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem nach strenger Prüfung den Ehrentitel , Gerechter unter den Völkern′. Eine Aberkennung des Titels ist nicht geplant. Die Friedensstadt Osnabrück hat vor diesem Hintergrund beschlossen, ein Calmeyer-Haus einzurichten. Eine unkritische , lokale Heldenverklärung′ war und ist hier nicht geplant. So weit die Fakten.

Wieso eine ausgewogene, faire Erinnerung an Calmeyer für Niederländer unzumutbar sein soll, erschließt sich mir nicht. Erinnerung braucht Personen, aus deren Leben wir etwas lernen können. Die Frage, wie wir uns damals verhalten hätten, ist vollkommen legitim. , Schäbig′ ist die Weigerung, den Mut Calmeyers angemessen zu würdigen.″

Oliver Altmann
Osnabrück

In seinem obengenannten Artikel zitiert Sebastian Stricker Herrn Joachim Castan dahingehend, dass Castan der niederländischen Journalistin Els van Diggele vorwirft, sie verfahre in ihrem Buch , Das Rätsel von Femma′ , unwissenschaftlich′ und würde , lediglich Aspekte eines manipulativen Gesinnungsjournalismus′ bedienen. Stricker führt ferner an, dass Castan dem Filmemacher Alfred Edelstein unterstellt, es gehe diesem lediglich um , Sensation′ und einen vorgeblichen , Skandal′. Tatsache bleibt, dass Frau van Diggele die Stimme einer Auschwitz-Überlebenden zu Wort kommen lässt, die bisher nicht gehört wurde.

Gewiss wird die eine Stimme von Femma Fleijsman-Swaalep nicht die gesamte Calmeyer-Forschung neu beurteilen lassen, doch sie repräsentiert eben auch die vielen Ermordeten, die durch den NS-Funktionär Calmeyer in den Tod geschickt wurden, und diese eine Stimme mag zwar, rein wissenschaftlich gesehen, gegenüber den vielen , geretteten Juden′ weniger wiegen, aber lässt sich ein moralisches Dilemma denn überhaupt , wissenschaftlich′ quantifizieren?

Ich halte schon den Versuch der vergleichenden Aufrechnung für moralisch absolut verwerflich, ebenso wie die Abkanzelung des Konzepts eines Friedenslabors als , lauwarme Provinzposse, die vergeblich auf Besucher warten würde′. Wie lang wird wohl die Besucherschlange vor einem Calmeyer-Museum? Ich hoffe sehr, dass die Friedensstadt Osnabrück sich für ein Museum der NS-Geschichte entscheidet, in dem neben den unzähligen Opfern auch viele Heldinnen und Helden aus unterschiedlichen Bereichen auf gleiche Weise vertreten sein werden.″

Ida Hoeksma
Osnabrück

Die Kritiker Calmeyers müssen sich fragen lassen, wie viele Juden sie denn an seiner Stelle gerettet hätten. Unter ständiger Angst, entdeckt zu werden, seine Bemühungen einstellen zu müssen, vor KZ und Todesstrafe. 3000, 300, 30, 3? Oder keinen einzigen? Es zeugt auch von unglaublicher Arroganz, die Entscheiung der maßgeblichen jüdischen Institution, Calmeyer in der Gedenkstätte Yad Vashem aufzunehmen, zu ignorieren oder anzuweifeln.

Diese ermittelt vor einer Aufnahme peinlich genau alle Umstände. Dem mutigen Calmeyer gebührt die längst überfällige Ehrung durch seine Heimatstadt. Ehrung bedeutet selbstverständlich nicht Glorifizierung! Seine beschränkten Möglichkeiten und Selbstzweifel gehören ebenso in ein Hans-Calmeyer-Haus.″

Wilhelm Bosse
Osnabrück
Autor:
Oliver Altmann, Ida Hoeksma, Wilhelm Bosse


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