User Online: 1 | Timeout: 20:15Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Im Juni 1995 erstrahlte das Stüvehaus in neuem Glanz
Zwischenüberschrift:
Vor 25 Jahren war der Umbau des einstigen Stadtkrankenhauses zur Volkshochschule vollendet
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach so lautete die Marschrichtung der städtischen Volkshochschule (VHS) in Osnabrück, als angesichts der Finanzlage immer klarer wurde, dass ein Neubau auf absehbare Zeit unerreichbar sein würde. So einigte man sich auf Umbau und umfassende Sanierung des Stüvehauses, das 1862 als Stadtkrankenhaus gebaut worden war. Vor 25 Jahren, am 10. Juni 1995, war der Umbau abgeschlossen, und die VHS beging mit einem Tag der offenen Tür ihre Wiedereröffnung.

Bis 1964 war die VHS mit ihren Kursen immer nur zu Gast in verschiedenen Gebäuden wie etwa dem Ratsgymnasium gewesen. Da war es schon ein Fortschritt, als sie 1964 mit dem Stüvehaus ein eigenes Standquartier bekam. Doch die Raumnot blieb ein ständiger Begleiter der Erwachsenenbildung in dem Maße, wie das Kursprogramm ausgeweitet wurde. 1989 etwa konnten nur 29 Prozent aller Unterrichtseinheiten im Stammhaus an der Bergstraße durchgeführt werden.

Feuchtigkeit und Kälte

Zu Beginn der Neunzigerjahre tauchten Pläne für ein Kulturelles Zentrum Alte Münze″ auf. In Nachbarschaft der bereits fertiggestellten Universitätsbibliothek sollten die Stadtbibliothek und die Volkshochschule ein neues Zuhause bekommen, und zwar etwa auf der Fläche, die heute von der Kamp-Promenade eingenommen wird.

Ein Auszug des VHS hätte den Vorzug gehabt, dass das ehemalige Klinikgelände am Natruper-Tor-Wall einschließlich des Stüvehauses für eine Neunutzung hätte überplant werden können. Aber die Kostenvoranschläge für die Neubaupläne Kamp/ Alte Münze gerieten so hoch, dass die Stadt sie angesichts der Haushaltslage rasch zu den Akten legen musste.

VHS-Direktor Johannes Hartkemeyer war eine Runderneuerung des Stüvehauses, verbunden mit einer besseren Flächenausnutzung, fast genauso recht wie ein Neubau. Hauptsache, es passierte bald etwas. Der Satz vom Spatz in der Hand fiel, der besser sei als die Taube auf dem Dach wobei heute unklar ist, ob es Hartkemeyer war, der ihn zuerst prägte, oder der damalige Kulturdezernent Reinhard Sliwka. Im September 1992 wurde der Umbau des Stüvehauses für immerhin sieben Millionen DM beschlossen.

Woran krankte das ehemalige Krankenhaus? Feuchtigkeit und Kälte machten Keller und Dachgeschoss praktisch unbenutzbar, weil die Grundisolierung fehlte. Im Fotolabor rieselte Kalkstaub aus der Decke auf die technischen Geräte. Kein Rollstuhlfahrer konnte ohne fremde Hilfe ins Haus gelangen. Es gab keinen Aufzug.

Lehrkräfte und Kursteilnehmer bemängelten zudem mangelndes Flair, es herrsche allein schon durch den schlauchartigen Mittelkorridor eine bedrückende Atmosphäre, die an preußische Amtsgebäude erinnere. Es gab kein Foyer mit Tageslicht, keine Cafeteria, keine Räume für Ausstellungen oder Kinderbetreuung. Andererseits sollten Räume gewonnen werden durch die Auslagerung der MTA-Schule im Untergeschoss, der Bibliothek Brücke der Nationen″ und der Hausmeisterwohnung im Dachgeschoss.

Die Pläne sahen eine Erhöhung der Nutzfläche von 4000 auf mehr als 5000 Quadratmeter vor. Dazu trug die gläserne Umfangung der rückwärtigen, bislang nutzlosen Gebäudenischen bei. Durch diese verglasten Lichtbuchten″ sollte der dunkle Kasten″ eine freundliche Aufhellung erfahren. Die derartige Umgestaltung der rückseitigen Nordfassade war der Kompromiss, auf den sich die Denkmalpflege einließ. Die Südfassade zur Lotter Straße hin blieb dafür unangetastet. Auch Dachgauben für mehr Licht im obersten Geschoss, die Hartkemeyer gern gehabt hätte, scheiterten am Denkmalschutz.

Alt und Neu verbunden

Nach zweieinhalb Jahren Umbau und Sanierung stellten im Juni 1995 die Stadt als Bauherrin und die VHS das Ergebnis mit einem Tag der offenen Tür vor. Es gab viel Lob für das alte Haus in neuem Glanz″. Für die VHS-Beiratsvorsitzende Karin Jabs war der Verbund von Alt und Neu gut gelungen″. Sie freue sich über die behutsamen, aber gleichwohl effektvollen Eingriffe in die Bausubstanz. Andere meinten, dass durch das Facelifting der Rückseite diese fast schöner geraten sei als die Vorderseite.

Die ehrenamtliche Bürgermeisterin Elisabeth Zumstrull (CDU) übergab einen symbolischen Riesenschlüssel an den VHS-Direktor und betonte, wie wichtig es der Stadt gewesen sei, ihre VHS zeitgemäß auszustatten. Im Anschluss gab es ein kleines Scharmützel: Die SPD-Fraktionsvorsitzende Alice Graschtat beschwerte sich, dass Zumstrull die Rolle der SPD beim Zustandekommen des Sanierungsbeschlusses unterschlagen habe. CDU und FDP seien lange Zeit dagegen gewesen, während SPD und Grüne sich von Anfang an dafür eingesetzt hätten. Man war sich letztlich aber darin einig, dass der gegangene Weg richtig war und dass aus dem Mauerblümchen der alten VHS ein attraktiver kultureller Treffpunkt″ geworden sei.

Bildtext:
Die Rückseite des Stüvehauses an der Bergstraße im Jahr 1992 vor Beginn des Umbaus.
Nach dem " Facelifting" (links): Die Platz verschwendenden Gebäudenischen sind durch verglaste Lichtbuchten ausgefüllt. Im Sommer erscheint die Südseite reichlich in Grün engebettet (rechts).
Die Südfassade zur Lotter Straße hin wurde durch den Umbau nicht verändert.
Giebeldetail der Südfassade mit dem Erbauungsjahr.
Fotos:
Archiv NOZ/ Fred Tomalla, Michael Hehmann, Joachim Dierks, Gerd Westdörp

Die Geschichte des Stüvehauses

1862–1864: Errichtung als Stadtkrankenhaus im neuromanischen Rundbogenstil nach Plänen des Stadtbaumeisters Wilhelm Richard. Der evangelisch geprägte Magistrat legt Wert auf ein repräsentatives Äußeres, um im konfessionellen Wettstreit″ mit dem katholischen Marienhospital bestehen zu können. Die Schaufassade mit ihrer Mittelachse ist auf das gegenüberliegende Akzisehaus ausgerichtet.

1898: Hinter dem Hauptgebäude wird ein Pavillon für die Chirurgie errichtet. Das Hauptgebäude bietet nun mehr Platz für die Innere Abteilung.

1931: wird das Betten-Hochhaus eingeweiht. Im Altbau verbleiben die Krankenhausverwaltung und Schwesternwohnungen.

1944: Teilzerstörung durch Fliegerbomben.

1948: Zum 150. Geburtstag von Johann Carl Bertram Stüve, in dessen Amtszeit als Oberbürgermeister die Errichtung des Krankenhaus-Altbaus fiel, wird dessen Denkmal in den Grünanlagen vor dem Altbau aufgestellt.

1949: Wiederaufbau für die Altstädter Volksschule. Teilnutzung als Brücke der Nationen″.

1964: Einzug der VHS.

1993–1995: Grundlegender Umbau und Sanierung für die VHS.
Autor:
Joachim Dierks


Anfang der Liste Ende der Liste