User Online: 1 | Timeout: 12:05Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Ach, du dickes Eis!
Zwischenüberschrift:
Osnabrück zittert bei minus 16 Grad – So kalt wie seit 15 Jahren nicht mehr
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. In Osnabrück war es gestern so kalt wie schon seit 15 Jahren nicht mehr. An der Wetterstation auf dem Ziegenbrink fiel am Morgen die Temperatur auf minus 16, 1 Grad. Eine vergleichbare Eiszeit gab es zuletzt Anfang Januar 1997, als minus19, 5 Grad gemessen wurden. Die strenge Frostperiode dauerte damals mehr als zwei Wochen.

Die sibirische Kälte bescherte der Feuerwehr gestern Vormittag einen außergewöhnlichen Einsatz. Der Mitarbeiter eines Hubsteigers musste aus luftiger Höhe befreit werden. Beim Plakatekleben war die Hydraulik des Gerätes eingefroren, es gab kein Rauf und kein Runter mehr. Die Feuerwehrsetzte die Drehleiter ein, um den Mann wieder auf den Boden zu bringen.
Autos: Die Probleme der Autofahrer halten sich trotz der niedrigen Temperaturen in Grenzen, berichtet Frank Schröer vom Autohaus Feldmann. Das häufigste Problem sei Kondenswasser, das sich im Motor bildet und die Motorlüftung verstopfe. So entstehe ein Überdruck im Motor, der letztlich Öl verliere, erklärt der Firmeninhaber.
Wem der Durchblick fehlt, weil die Scheiben des Autos von innen zugefroren sind, hat womöglich ein Problem mit dem Innenraumfilter.„Das Gebläse muss frei sein″, sagt der Kfz-Experte. Und auch gegen das Festfrieren von Türen weiß er Rat: Einfach rechtzeitig die Dichtungen mit Vaseline einreiben.″ Schwache Autobatterien und eine schwache Ladeleistung der Lichtmaschine bereiten so manchem Fahrer in diesen Tagen Probleme. Schröers Rat: Möglichst wenig Strom im Auto verbrauchen, also auf Lüftung und Radio verzichten selbst auf Abblendlicht, sofern es die Straßenverhältnisse zulassen. Dann lädt die Batterieschneller″, erklärt der Experte.
Dieselfahrer sehen sich hingegen mit einem weiteren Problem konfrontiert: Für sie ist in der Regel bei minus 22 Grad Schluss. Ihr Kraftstoff flockt aus. Aus dem Diesel wird dann eine butterähnliche Masse, die der Motor nicht verträgt. Frank Schröer empfiehlt, dem Diesel einen speziellen Zusatz zu geben.150 bis 250 Milliliter reichen etwa für eine 75-Liter-Tankfüllung aus. Dieses Additiver höht die Fließfähigkeit und Filtergängigkeit des Kraftstoffes.
Übrigens: Frank Schröer hat festgestellt, dass die Winterreifenpflicht von den Autofahrern beherzigt wird. Auf unter fünf Prozent schätzt er den Anteil seiner Kunden, die derzeit noch auf Sommerreifen unterwegs sind.
Wasserleitungen: Durch die Kälte haben auch Sanitärfirmen derzeit alle Händevoll zu tun. Viele Leitungen sind eingefroren″, sagt Reiner Möhle, Chef der Sanitärfirma Hermann Möhle. Auch so manche Ölheizung sei am Wochenende ausgefallen. Einige Leute von uns waren das ganze Wochenende unterwegs″, berichtet der Geschäftsführer. Das mag gut für das Geschäft sein, aber die normalen Arbeiten bleiben liegen″, schränkt Reiner Möhle ein.
Eingefrorene Leitungen können zu Rohrbrüchen führen, wenn sich das gefrorene Wasser ausdehnt. Einzige Vorsorgemöglichkeit: Vernünftig isolieren oder dafür sorgen, dass ausreichend geheizt ist″, empfiehlt der Fachmann. Das Problem sei allerdings, dass Leitungen zumeist in Kellern und auf Dachböden gefrieren, wo in der Regel nicht geheizt wird. Insbesondere Altbauten seien davon betroffen. Hier helfe nur, die Leitungen nachträglich zu dämmen, sagt der Sanitärexperte.
Sport: Nicht übertreiben″ diesen ohnehin vernünftigen Grundsatz beherzigt Heiko Schulze, Geschäftsführer der Osnabrücker SPD-Ratsfraktion und Mitglied des Lauftreff Vorwärts Nettetal″, beim Joggen im Dauerfrost. Am Trainingsplan habe sich auch nichts geändert, sonntags um 10.15 Uhr treffen sich die Aktiven bei Knollmeyers Mühle. Um die Atemwege zu schonen, ziehter sich einen Schal vor Mund und Nase. Aber weil auch bei Kälte irgendwann der Wunsch kommt, mit den Laufpartnern zu schnacken, zieht er den Schal wieder runter, wenn die normale Betriebstemperatur erreicht ist.
Genau richtig″, bestätigt Arzt Dr. Michael Karsch. Er betreut Laufgruppen beim Osnabrücker Turnerbund (OTB) medizinisch und rät: Wer jetzt joggt, sollte sich um ausreichenden Kälteschutz kümmern, vor allem an Fingern, Nase und Ohren. Ein Schal vor dem Mund schont die Atemwege. Außerdem sollte man mit dem Tempo vorsichtig sein und sich behutsam warmlaufen. Denn Muskeln und Sehnen sind bei Kälte nicht so belastbar wie sonst. Grundsätzlich gilt jedoch: Man darf auch bei Frost draußen Sport treiben.″
Hafen: Der Stichkanal zwischen Bramsche und Osnabrück ist seit Montag gesperrt, aber im Osnabrücker Hafen liegen ohnehin keine Schiffe mehr. Schon seit Freitag hat es keine Schiffsbewegungen im Stichkanal gegeben. Der Frachter Induco″ war das letzte Schiff, das die Haster Schleuse in Richtung Bramsche verließ. Er hatte eine Ladung Schrott nach Osnabrück gebracht und fuhr leer zurück, um nicht von der Eissperre betroffen zu sein.
Schleusenhauptwart Werner Üffing schätzt die Eisdicke auf mittlerweile 15 Zentimeter. Seine Aufgabe ist es, das Einfrieren der Schleuse zu verhindern. Alle zwei Tagefüllt er das Becken unterhalb der Eisschicht mit Wasser. So entsteht eine Welle, und dann bricht das Eis in der Kammer″, sagt Üffings Eisbrecher werden auf dem Stichkanal nicht erwartet, weil keine Schiffe im Osnabrücker Hafen liegen. Auf dem Mittellandkanal bewegen sich noch wenige Schiffe, jeweils im Konvoi mit Eisbrechern. Bei anhaltenden Temperaturen wird auch für den Mittellandkanal mit einer Eissperre gerechnet.
Geschäfte: So praktisch wie Automatiktüren im Allgemeinen auch sein mögen bei strengem Dauerfrost wird es doch ungemütlich, wenn sich die Eingangstür nicht nur für Kunden öffnet, sondern wie in der Vita-Apotheke an der Johannisstraße mit jedem Vorübergehenden einen Schwall Eiseskälte hineinbefördert. Dagegen kann auch die warme Luft aus dem Gebläse an der Decke nichts ausrichten. Viel warme Getränke″, ist Nina Frommes erste Empfehlung. Die Pharmazeutisch-Technische Assistentin und ihre Kolleginnen bevorzugen dabei heiße Zitrone mit Vitamin C und Zink, um die Immunabwehr zu stärken. Auch heiße Tees sind nützlich.
Dazu hüllen sie sich in drei Schichten Kleidung, Schal und Jacke unter den weißen Kitteln. Die Schuhe sind mit dicken Einlegesohlen ausgestopft, um die Füße auf dem kalten Steinfußboden zu schützen. Und wann immer möglich ziehen sich Nina Fromme und ihre Kolleginnen in die hinteren Räume zurück am liebsten direkt vor eine Heizung.
Mützen und Schals: Nachdem uns der Winter lange Zeit mit Frost verschont hat, gibt es trotz der derzeitigen Kälteperiode noch immer in fast allen Geschäften eine Auswahl an wärmenden Accessoires wie Mützen, Schals und Handschuhe. Wer jetzterst zuschlägt, zahlt im Ausverkauf zum Teil erheblich weniger als vorher. Farbe und Form sind ohnehin nicht so wichtig, wenn es gilt, Hals, Ohren und Hände einigermaßen warm zuhalten.
Friedhöfe: Die Arbeit auf den Osnabrücker Friedhöfen wird durch die anhaltenden Tiefsttemperaturen zwar im wahrsten Sinne des Wortes härter, aber nicht unmöglich. Laut Auskunft von Eva Güse, beim Osnabrücker Servicebetrieb zuständig für das Bestattungswesen, wurden Reihengräber frühzeitig mit Rindenmulch abgedeckt, der verhindert, dass der Frost tiefin den Boden eindringt.
Bei Wahlgräbern sei diese vorbeugende Maßnahme zwar nicht möglich, und der Boden gefriere dementsprechend, eine Bestattung verhindere dies aber nicht. Notfalls greifen die Mitarbeiter kurzerhand zum Boschhammer und stemmen den Boden auf. Den Rest erledigt dann der Bagger. Auch nach zehn Tagen Dauerfrost wird es nicht dazu kommen, dass ei-ne Bestattung ausfällt.

Bildtexte:
Gut 14 Zentimeter dick ist nach zehn Tagen Frost die Eisdecke des Rubbenbruchsees. Am Freitag hatte sie an der gleichen Stelle lediglich fünf Zentimeter betragen. Das Betreten des Sees erfolgt nach wie vor auf eigene Gefahr.
Um die Dicke zu messen, sägte die Feuerwehr am Rubbenbruchsee einen Eisblock aus.
Mit warmen Klamotten und heißer Zitrone wappnet sich Nina Fromme gegen die eisige Luft, die mit den Kunden ins Geschäft strömt.
Schleusenhauptwart Werner Üffing kümmert sich darum, dass die Schleusen am Stichkanal nicht einfrieren.
Fotos:
Michael Hehmann
Autor:
jan, dk, yjs, swa, rll, S.


Anfang der Liste Ende der Liste