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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Außen wehrhaft, innen modern
Zwischenüberschrift:
Der Wulfter Turm an der Sutthauser Straße – 1941 und 2012
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Die Stellung der Wetterfahne verrät es: Genau wie heute auch wehte ein eisiger Ostwind an jenem Wintertag 1941, als der Georgsmarienhütter Lehrer und Hobby-Fotograf Hans Hasekamp auf den Auslöser drückte. Nur war damals zuvor Schnee gefallen, sodass er den Wulfter Turm von de rGartenseite aus im Winterkleid einfangen konnte.

Die exakt gleiche Sicht auf das Gebäude lässt sich heute nicht mehr nachstellen, da ein Wohnhaus im Wegesteht. Der Turm selbst hat sein Aussehen über die Jahrhunderte weitgehend bewahrt. Zum Glück, sagen die Denkmalpfleger, denn er ist einmalig für Osnabrück. Er ist der letzte erhaltene der ehemals acht Wachttürme, die die Stadt im Verlauf der Landwehr umgaben. Die Landwehr, das wissen die eingesessenen Osnabrücker noch aus dem Heimatkundeunterricht, war eine vorgeschobene Grenzsicherung aus Wällen und Gräben, die in einem Abstand von 1, 5 bis 4, 5 Kilometern vor der Stadtmauer verlief. Sie taugte kaum als militärisches Bollwerk, sondern war eher gegen die alltägliche Kleinkriminalität gerichtet, sie sollte Viehdieben und Straßenräubern das Handwerk erschweren.
Die Hauptausfallstraßen der Stadt überwiegend sind es im 14. Jahrhundert schon die gleichen wie heute stellten jeweils eine Unterbrechung der Landwehr dar. Wachttürme, Tore und später auch Schlagbäume sicherten diese kleinen Grenzübergangsstellen″. Oben vom Turm aus konnte der Türmer, niederdeutsch Törner, weit ins Land hineinsehen und vor anrückenden Banden warnen. Später übernahm er oft auch die Funktion des Baumschließers″, also desjenigen, der den Schlagbaum bedient. Einen Teil des kassierten Wegezolls durfte er für seine Tätigkeit behalten, ein anderer Teil war an das Landratsamt abzuführen. Noch bis 1914 wurde so verfahren. Zehn Pfennig pro angespanntes Pferd und sechs Pfennig pro Reiter waren zu entrichten, Bauern mit Ländereien beiderseits der Grenze durften frei passieren, ebenso Kirchgänger. Das Hüttenwerk in Georgsmarienhütte, das Stahlwerk in Osnabrück und die Firma Stahmer hatten für ihre Kutschen und Fuhrwerke eine Art Abonnement laufen.
Kein Schlagbaum ohne Gastwirtschaft. So auch am Wulfter Turm. Die auf der anderen Straßenseite gelegene Gastronomie existierte noch bis etwa 1970. Dann wurde das Vorderhaus abgerissen. Saal und Veranda sind in ihrer Bausubstanz noch erhalten, stehen aber derzeit leer und sollen demnächst einer neuen Nutzung Platz machen, wie aus der Eigentümerfamilie Lintker zu erfahren war.
Die Grenzsituation lässt sich noch heute an den Straßennamen ablesen. Der Wulfter Turm liegt noch gerade auf Alt-Osnabrücker Gebiet an der Sutthauser Straße, während das Nachbarhaus schon die Adresse Hermann-Ehlers-Straße hat und bis 1970 zu der selbstständigen Gemeinde Holzhausen, Ortsteil Sutthausen, gehörte.
Seinen Namen hat der Wulfter Turm von dem etwa zwei Kilometer weiter südlich gelegenen Gut Wulften erhalten, das 1147 erstmals als Sitz der Familie Wulvena erwähnt wurde. Der rund 700 Jahre alte Turm ist auf einem Grundriss von neun mal neun Metern aus Hüggel-Bruchstein errichtet. Die Mauern sind bis zu 1, 30 Meter dick, die Fenster klein und bescheiden. Wie lebt und arbeitet es sich hinter so einem Gemäuer? Auskunft kann Rechtsanwalt Heinrich Trimpe-Rüschemeyer geben, der seit 13 Jahren im Turm und im Törnerhaus mit seiner Kanzlei eingemietet ist. 1998 hatten er, Architekt Rolf Bohl und Eigentümer Wilfried Lintker ein bauliches Konzept entwickelt, wie der denkmalgeschützte Bau für eine zeitgemäße Büronutzung hergerichtet werden kann.

Bildtexte:
Der Wulfter Turm und das Törnerhaus von der Gartenseite im Winter 1941. Am linken Rand ist der Giebel des kürzlich abgebrannten Fachwerkhofs zu erkennen.
Der Wuflter Turm heute: Hier hat Rechtsanwalt Heinrich Trimpe-Rüschemeyer seine Kanzlei.
Fotos:
Hans Hasekamp; aus Bildarchiv Alt-Osnabrück Band 3, Hrsg. Wido Spratte, H. Th. Wenner, Gert Westdörp
Autor:
Joachim Dierks


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