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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wohnhäuser, Parkplatz, Spielplatz
Zwischenüberschrift:
So sah der heutige Koggestrand-Spielplatz in Osnabrück früher aus
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Osnabrücks beliebtester Kinderspielplatz, der Koggestrand″ auf dem Adolf-Reichwein-Platz, war vor dem Krieg ein dicht bebautes Wohnquartier. Die Gasse Osterberger Reihe verlief zwischen den heutigen Spielschiffen Hägar″ und Thor″ hindurch. Der alte Straßenverlauf bestand bis Ende der 1970er-Jahre.

Die nicht gar so spät geborenen Osnabrücker werden sich noch darin erinnern, dass hier fast drei Jahrzehnte lang zu ebener Erde geparkt wurde. Es war die Zeit, als nach den Kriegszerstörungen die Trümmerfelder zwar abgeräumt waren, aber für eine Neuordnung der Flächen noch das Geld und die nötige Planungsklarheit fehlten. Parken galt als praktische Zwischennutzung, denn Parkhäuser und Tiefgaragen gab es noch nicht und der Zeitgeist hatte auch noch kein Problem damit, wenn die Bürger mit dem Auto zum Einkaufen in die Stadt fuhren.

Buden mit Elektroöfen

Beiderseits der Osterberger Reihe, die die Verlängerung der Kleinen Hamkenstraße in Richtung der Gaststätte Grüner Jäger″ darstellte, waren die ehemaligen Hausparzellen eingeebnet und unter einer Asphaltdecke verschwunden. Die Einfahrten zu den Parkflächen waren nicht von Schranken und Parkscheinautomaten gesäumt, sondern von Holzbuden, in denen ältere Herren von der Christlichen Versehrtenhilfe saßen, sich im Winter über kleinen Elektroöfen die Füße wärmten und Parkscheine abrissen. Die Standardfrage lautete: Wie lange woll′n Se bleiben? Nach der Antwort richtete sich dann die Parkgebühr.

In dem Bestreben, die Bombenlücken auf wertvollen Zentrumsflächen zu schließen, knöpften sich die Stadtplaner Ende der 70er-Jahre das Gebiet östlich der Katharinenkirche gründlich vor. Der Kamp wurde in die Alte Münze verschwenkt und eine neue Osterberger Reihe in Verlängerung des Jürgensortes angelegt.

1983 weihte Oberbürgermeister Carl Möller als Abschluss der Baumaßnahme den Ochsenbrunnen ein. Die Concordia-Versicherung, deren Baukomplex die neue Osterberger Reihe beherrscht, hatte die von Rolf Overberg geschaffene Keramikarbeit gestiftet. Sie nimmt Bezug auf die weit verbreitete, allerdings höchstwahrscheinlich unzutreffende Annahme, der Name Osnabrück″ sei entstanden, weil sich am Ort der späteren Stadtgründung eine Ochsenbrücke″ befand, die es den Bauern ermöglichte, ihr Vieh über die Hase zu treiben.

In das Dreieck zwischen neuer Osterberger Reihe und verschwenkter Alter Münze pflanzten die Planer eine Grünfläche mit Spielplatz. Der Platz wurde nach Adolf Reichwein benannt, dem von den Nazis ermordeten Reformpädagogen. Reichwein wurde ersatzweise diese Ehre zuteil, nachdem er zuvor seine Rolle als Namenspatron der Pädagogischen Hochschule bei deren Umgründung zur Universität eingebüßt hatte.

Von der alten Osterberger Reihe war nun endgültig nichts mehr aufzuspüren. Nur der Straßenname überlebte, wenn auch 80 Meter weiter nördlich, benannt nach früherem Grundbesitz des Kreuzherrenklosters Lotte-Osterberg, das hier fünf Häuser besaß. Auf alten Stadtplänen findet er sich als Osterbergerrige″ und Osterbergerei″.

Dunkle Gasse

Wo vor dem Krieg eher schmucklose zwei- und dreigeschossige Häuser Wohnungen und Kleingewerbe zu beiden Seiten einer dunklen, schmalen Gasse beherbergten, experimentieren heute Kinder mit Schmöttke. Oder entern als kleine Wikinger die Holzschiffe Hägar″ und Thor″ eine aus einem Kreativwettbewerb hervorgegangene Anspielung auf den Namen Heger Tor″. Vorher war zwölf Jahre lang eine Hanse-Kogge mit einem Aufbau in Anlehnung an das Osnabrücker Rathaus das beherrschende Element des Spielplatzes gewesen. Der bekam daher den Beinamen Koggestrand″. Entstanden war die ungewöhnliche Ausstattung des Spielplatzes aus einer Gemeinschaftsaktion des städtischen Eigenbetriebs Grünflächen, des Bündnisses für Familien und des City-Marketings. Mit der Kogge war für den Hansetag 2006 in der Hansestadt Osnabrück geworben worden.

Der Spielplatz auf dem Adolf-Reichwein-Platz gehört als Themen-Spielplatz″ zu den beliebtesten der Stadt. Dazu trägt sicherlich auch die Gastronomie an seinem Rand bei. Die Eltern können entspannt ihren Kaffee, ihr Bier oder ihre Quiche genießen, während sie die Kleinen im Riesen-Sandkasten gleich nebenan stets aus den Augenwinkeln im Blick haben.

Seit November 2019 ist hier allerdings wieder Baustelle. Die berankten Laubengänge sind bereits verschwunden, weil sie als zu dunkel, intransparent und als mögliche Angsträume″ galten. Die viel beschworene Aufenthaltsqualität soll erhöht werden, indem man die alten Metallbänke durch solche aus Holz ersetzt und Holzpodeste rings um die Spielfläche aufstellt. Was vielleicht noch am wichtigsten ist: Die Außengastronomie bekommt mehr Platz durch eine Verbreiterung der Osterberger Reihe. Und die Radfahrer sollen dort künftig absteigen müssen, sodass es nicht mehr zu Beinahe-Zusammenstößen mit den hin- und herflitzenden Servicekräften kommt.

Bildtexte:
Der Blick vom Katharinen-Kirchturm in den 1960ern zeigt die Parkflächen an der Osterberger Reihe hinter dem Grünen Jäger″.
Die alte Osterberger Reihe führte auf den Grünen Jäger″ zu.
1929: Blieck aus der Kleinen Hamkenstraße in die Osterberger Reihe.
Derzeit Baustelle: Der Koggestrand″-Spielplatz besetzt den alten Verlauf der Osterberger Reihe in Verlängerung der Kleinen Hamkenstraße (im Vordergrund).
Fotos:
Archiv Kornau/ Heinz Schubert, Archiv Manfred Külker/ Liesel Städing, Archiv Kurt Oelgeschläger/ Helmut Schwarz, Joachim Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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