User Online: 1 | Timeout: 23:33Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Erst verspottet und dann vergessen
Zwischenüberschrift:
Vor 25 Jahren ging das Ozon-Meter in Betrieb
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Die Schweizer hatten′s erfunden klar. Aber auch in Osnabrück sorgte es für Aufsehen: das Ozon-Meter. Vor 25 Jahren, am 1. Juni 1995, ging der Anzeiger vor dem Stadthaus am Rißmüllerplatz in Betrieb.

Einen Sommer lang konnten die Menschen hier die Ozon-Höchstwerte in der heißen Jahreszeit ablesen. In der Atmosphäre über den Polkappen wäre Ozon sehr erwünscht. Das vor allem durch Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verursachte Ozonloch dort lässt zu viel von der Sonnenstrahlung zum Erdboden durch. Diese Strahlung kann Krebs verursachen. In Bodennähe ist zu viel Ozon dagegen auch nicht gesund. Hier entsteht Ozon bei intensiver Sonneneinstrahlung durch chemische Prozesse überwiegend aus Stickstoffoxiden. Die qualmen besonders bei Autos aus dem Auspuff. Und darum ging es Dieter Zimmermann, dem Initiator des Osnabrücker Ozon-Meters.

Der damalige Umweltdezernent der Stadt Osnabrück hatte im Urlaub im schweizerischen Chur einen Ozon-Anzeiger gesehen. So etwas brauchen wir auch bei uns″, hatte er sich gedacht und das Gerät im Hauptort des Kantons Graubünden fotografiert. Die Frage, wie viel Ozon noch verträglich war, wie hoch der Grenzwert sein dürfe, beschäftigte damals die Experten. Heute heißt es: Keine Gefahr besteht laut EU-Richtlinie durch Ozon unter einem Gehalt von 110 Mikrogramm pro Kubikmeter µ( µg/ m3) Luft. Ab einem Ein-Stunden-Mittelwert von 180 µg/ m3 kann die Leistungsfähigkeit empfindlicher Menschen beeinträchtigt werden. Zu den Symptomen gehören Schleimhautreizungen im Hals, Kopfschmerzen, Hustenreiz. Viele Menschen wussten 1995 noch nichts über die Ursache der beschriebenen Beschwerden, wie Zimmermann rückblickend urteilt.

Das Ozon-Meter sollte hier Abhilfe schaffen. Es war simpel konstruiert, und die Schlosserei der städtischen Berufsfeuerwehr, die auch zu Zimmermanns Zuständigkeit bei der Stadtverwaltung gehörte, sollte es nach seiner Bildvorlage bauen: Auf einem verzinkten Vierkantrohr aus Stahl war oben ein rundes Schild montiert mit der Aufschrift Ozon, µg/ m3″. Zwei bewegliche Ringe waren zur Markierung über das Rohr geschoben. Der obere zeigte den Jahreshöchstwert an, der untere den aktuellen Wert. Das Ganze wurde einmal am Tag von Hand eingestellt.

Wegen der schlichten Ausführung brach sofort eine Art Shitstorm über das Ozon-Meter und seinen Initiator herein, obwohl das Wort in diesen analogen Zeiten noch nicht gebräuchlich war. Das Phänomen aber gab es durchaus: Keine aktuellen Werte, keine elektronische Anzeige, kein Hightech.″ Zimmermann, angesprochen auf den Jahrestag der Inbetriebnahme, erinnert sich mühsam an das Gerät selbst, an die Häme, mit der er damals übergossen worden war, aber auch an seine Gegenargumente. Es sei ihm doch vor allem um eine Initialzündung gegangen, lieber manuell als gar nicht. Am Ende sei auch etwas dabei herausgekommen. Die Menschen hätten über Abgas- und FCKW-Vermeidung nachgedacht, Umwelterziehung sei Thema in den Schulen geworden.

Georg Thomann, seit zehn Jahren bei der Graubündner Kantonsverwaltung in Chur für Umweltschutz zuständig, kann Zimmermanns Argumente gut nachvollziehen. Noch heute könnten sich viele ihre Beschwerden bei Hitze nicht erklären. Dass es zu hohe Ozonwerte sein könnten, merken sie nicht. Denn anders als Lärm oder Gestank nehme man Ozon nicht wahr. Das schweizerische Vorbild des Osnabrücker Ozon-Meters gibt es auch nicht mehr. Thomann hat es in seiner Amtszeit nicht mehr erlebt. Und der Kollege, der noch etwas darüber wissen könnte, ist im Urlaub.

Dem Vergessen fiel auch das Osnabrücker Zimmermannometer″ anheim. Unter diesem Spottnamen erinnert sich Detlef Gerdts, heute Leiter des Fachbereichs Umwelt und Klimaschutz bei der Stadt, schemenhaft an das Luftverschmutzungs-Mahnmal. Bei der Feuerwehr war das Gerät entstanden, dort endete auch sein Dasein. Heiko Schnitker, stellvertretender Chef der Berufsfeuerwehr, weiß noch, dass das Ding eine Zeit lang auf dem Gelände an der Nobbenburger Straße gelegen hat. Dann seien die noch verwertbaren Teile, unter anderem der massive Stahlmast, anderweitig verarbeitet worden. Der Rest wanderte in den Schrott.

Bildtext:
Das Ozon-Meter vor dem Stadthaus bei der Inbetriebnahme am 1. Juni 1995.
Foto:
Archiv 1995, Gert Westdörp
Autor:
Michael Schwager


Anfang der Liste Ende der Liste