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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Sexuelle Zwangsarbeit: Bordelle in Todeslagern
Zwischenüberschrift:
Nationalsozialisten zwangen 200 Frauen zur Prostitution in Konzentrationslagern – Ausstellung in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Was Opfer und Täter verband, war das Tabu. Es sollte ein halbes Jahrhundert dauern, bis Details ans Licht kamen. Die Nationalsozialisten hatten seit 1942 in zehn Konzentrationslagern Bordelle eingerichtet und etwa 200 Frauen zur Prostitution gezwungen unter anderem in Auschwitz.
Darüber informiert eine Ausstellung im Osnabrücker Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum, in die heute um 18 Uhr der Berliner Kulturwissenschaftler Dr. Robert Sommer einführen wird. Ohne ihn wäre kaum etwas über das verstörende Thema bekannt: Was so lange verschwiegen worden war, hat er über Jahre erforscht und in seiner Dissertation Das KZ-Bordell. Sexuelle Zwangsarbeit in nationalsozialistischen Konzentrationslagern″ dokumentiert und manche damit verstört. Sommer formuliertes so: Das sich uns eingeprägte Bild von Gaskammern, Leichenbergen und ausgehungerten Häftlingen lässt keinen Platz für die Vorstellung, dass es in den selben Todeslagern Bordelle für Häftlinge gegeben hat.″
Es war die Idee von Heinrich Himmler: Sex als Belohnung für Häftlinge. Der Reichsführer-SS″ glaubte, dass die Gefangenendann fleißiger für die Rüstungsindustrie arbeiten würden. Sommer vermutet in seiner Dissertation, dass die Nationalsozialisten die Bordelle auch deshalb einrichteten, weil sie der Homosexualität unter den Zwangsarbeitern vorbeugen wollten.
Heinrich Himmler beauftragte die SS, in Frauen-Konzentrationslagern wie Ravensbrückoder Auschwitz-Birkenau nach geeigneten Opfern zu suchen. Es handelte sich um Frauen, die durch das Raster der nationalsozialistischen Ideologie gefallen und als Asoziale″ verhaftet worden waren. Viele von ihnen hatten den Arbeitsdienst oder die Mitgliedschaft beim Bund Deutscher Mädel (BDM) verweigert, manche bereits als Prostituierte gearbeitet.
Auch Frauen aus Polen, der Ukraine und Weißrussland kamen in die Auswahl, jedoch keine Jüdinnen. Alle waren zwischen 17 und 35 alt. Die SS-Leute zwangen die Frauen und machten ihnen falsche Versprechungen, etwa dass sie nach einem halben Jahr freigelassen würden. Weil sie offensichtlich unter der Haft gelitten hatten, überwiesen die SS-Leute die ausgewählten Frauen zunächst in Krankenreviere. Sommer spricht von Aufpäppeln″ unter anderem mit Höhensonnen, bevor sie in die Männerlager kamen. Die Nationalsozialisten nannten die Bordelle Sonderbauten″. Das erste von ihnen errichteten sie 1942 im Konzentrationslager Mauthausen, später unter anderem auch in Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen. Die SS führte ein Prämiensystem für die Häftlinge ein und führte akribisch Buch. Juden waren von den Bordellbesuchen ausgeschlossen. Die SS überwachte den Betrieb der Bordelle, damit keine Privatsphäre entstehen konnte. In den Zimmertüren waren Gucklöcher eingebaut. Die Häftlinge mussten die Hose herunterlassen, und sie durften nicht mit den Zwangsprostituierten reden. Dabei waren sie dem Voyeurismus ausgesetzt. Der Besuch war auf maximal 15 Minuten beschränkt. Ebenfalls die Männer waren so einer Erniedrigung ausgesetzt. Und die Nationalsozialisten machten sie nebenbei zu Mittätern.
Gleichwohl fand Sommer heraus, dass es den Häftlingen nicht unbedingt um den Geschlechtsverkehr ging, sondern um Kontakt: Viele hatten seit Langem keine Frau mehr gesehen. Und ebenfalls viele waren nach Sommers Einschätzung physisch nicht mehr zum Sexualakt fähig.
Das Schweigen nach dem Krieg kommentiert Sommer so: Die Frauen der KZ-Bordelle sind traumatisiert und reden aus Angst vor Repressionen seitens anderer Überlebender und ihrer privaten Umwelt nicht über das Bordellkommando. Männer, die das Häftlingsbordell besuchten, waren Akteure sexueller Gewalt und schweigen ebenso.″ So sind nur zwei Fälle von Anträgen auf Entschädigung dokumentiert. Doch hatten die Frauen damit keinen Erfolg. Sie fielen durch die Maschen des Bundesentschädigungsgesetzes.
An das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus wird heute anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Bundestag gedacht. Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki Überlebender des Holocausts wird eine Rede halten.

Bildtext:
Wer als Häftling einen Antrag auf den Besuch eines KZ-Bordells stellte, machte sich zum Mittäter an der Zwangsprostitution. Die SS wählte 200 Frauen als Prämien in Konzentrationslagern aus: So sollten Häftlinge in der Rüstungsindustrie zu mehr Leistung motiviert werden.
Foto:
Ausstellung
Autor:
Jann Weber


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