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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Grab von Windthorsts Frau wiederentdeckt
Zwischenüberschrift:
1898 auf dem Hasefriedhof bestattet
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK. Hinter jedem großen Mann steht eine starke Frau, sagt ein Sprichwort. So soll es auch bei Ludwig Windthorst gewesen sein, dessen 200. Todestag in diesem Jahr in Osnabrück und Niedersachsen mit viel Politprominenz festlich begangen wird. Während seiner gedacht und ihm gehuldigt wird, fristet das Grab seiner Frau Julie auf dem Osnabrücker Hasefriedhof ein Schattendasein. Die Entdeckung der Grabstätte sorgte bei Denkmalpflegern wie Mitgliedern der Ludwig-Windthorst-Stiftung jetzt für eine Überraschung.

1838 heiratete Ludwig Windthorst Julie Engelen, die Tochter eines Gutsbesitzers in Oedingberge in der Nähe von Glandorf. Das Paar hatte vier Kinder, von denen nur das Älteste Windthorst überlebte.
Julie Windthorst soll, ähnlich wie Bismarcks Gattin Johanna von Puttkamer, entscheiden den Einfluss auf Windthorsts moralisch-religiöse Grundeinstellung gehabt haben, obwohl sie aus der ihr zugedachten gesellschaftlichen Rolle als Ehefrau und Mutter nicht herausgetreten sei, schreibt Gunnar Anger über die 1805 geborene Frau im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon. Erst durch sie sei Windthorst in die kirchlichklerikalen Kreise eingeführt worden, heißt es weiter. Seine Position im Kulturkampf unter Bismarck, besonders sein Eintreten für die staatlich anerkannte Kirchenehe, hätte er ohne eine mustergültig katholische Ehe″ kaum glaubhaft bekleiden können, so Anger.
Am 26. Januar 1898 starb Julie Windthorst in Hannover. Anders als ihr Mann wurde sie aber nicht in der damaligen Hauptstadt der Provinz Preußen begraben, sondern in Osnabrück. Schon ein Jah rvor der Eheschließung hatte Ludwig Windthorst die Grabstelle auf dem Hasefriedhofer worben, berichtet Helena Ammerich von der städtischen Denkmalpflege, die erst beim genaueren Hinsehen die Grabstelle in einer Veröffentlichung des Niedersächsischen Landesamts für Denkmalpflege entdeckt. Damit ist sie nicht allein. Julie Windthorst ist bei vielen Zeitgenossen in Vergessenheit geraten. Ammerich kann zudem berichten, dass nebender Witwe des 1891 verstorbenen Zentrum-Politikers auch dessen Kinder auf dem heute denkmalgeschützten Hasefriedhof begraben wurden.
Die Inschrift des Grabsteins ist stark verwittert und fällt Spaziergängern, die keinen geschärften Blick darauf werfen, nicht besonders auf. Allerdings steht auf der Grabstelle ein schwarzer Marmorstein mit einem schwarzen Kreuz, auf der recht deutlich zu lesen steht, dass dort die Frau Staatsminister Windthorst, Julie geb. Engelen″ ruht.
Auch Theo Mönch-Tegeder, der im Vorstand der Ludwig-Windthorst-Stiftung sitzt, reagiert überrascht auf die Entdeckung von Julie Windthorsts Grab. Gleichwohl zeigt er sich hocherfreut darüber. Wir wollen erforschen, was es mit dem Grab auf sich hat und wie eserhalten und in Ehren gehalten werden kann″, sagte erspontan.
Dr. Hermann Kues, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und Vorsitzender der Ludwig-Windthorst-Stiftung, gibt unumwunden zu, er habe Julie Windthorst nicht im Blick gehabt. Das ist eine Überraschung″, sagte er auf Nachfrage. So wie die Geschichtsschreibung Ludwig Windthorst in Vergessenheit geraten lassen habe, sei eswohl auch bei seiner Frau passiert, vermutet der CDU-Politiker aus Lingen. Er sagte spontan, dass er sich die Grabstelle anschauen und sich weiter über Julie Windthorst informieren wolle.

Bildtext:
Auf dem Grabstein steht: Frau Staatsminister Windthorst, Julie geb. Engelen, geb. 12. Septbr. 1805, gest. 26. Januar 1898. R. I. P.! Die Abkürzung steht für die lateinische Formel Requiescat in pace″, also: Sie möge in Frieden ruhen″.
Foto:
Gert Westdörp
Autor:
Thomas Wübker


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