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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Tempel der Hightech-Ökologie
Zwischenüberschrift:
Vor 25 Jahren entstand der DBU-Verwaltungssitz An der Bornau in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück Vor 25 Jahren weihte die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) ihren architektonisch spektakulären Verwaltungsneubau in Osnabrück ein. Für 20 Millionen DM war an der Straße An der Bornau ein bauökologisch Beispiel gebendes Gebäude entstanden. Entworfen hat es der Kölner Architekt Erich Schneider-Wessling (1931–2017), der zuvor schon mit dem Nikolaizentrum seine Visitenkarte in Osnabrück abgegeben hatte.

Nach wie vor modern″

Wenn man heute davorsteht, stellt man fest: Das vergangene Vierteljahrhundert hat dem Bau nichts von seiner attraktiven Modernität genommen, er hat sich gut gehalten″, wie man in Osnabrück so sagt. Der Entwurf und die verwendeten Materialien sind auf Nachhaltigkeit ausgelegt worden, was sich nun auszahlt. Dass der Bau nicht allerjüngsten Datums ist, bemerkt man allenfalls daran, dass das natürliche Grün näher herangerückt ist und sich beispielsweise der gerüstartig vorgehängten Wartungsumgänge bemächtigt hat. Das sind gewünschte Effekte, da sie in der belaubten Jahreszeit für zusätzlichen Schatten sorgen.

Die Natur war von Anfang an als Gehilfin beim Energiesparen eingeplant. Das Gebäude ist in einen bestehenden Park mit wertvollem Baumbestand quasi hineinkomponiert worden. Viel wurde dafür getan, die 160 Jahre alten Buchen zu erhalten. Zum Schutz der Wurzeln gründete man den Baukörper auf einzelnen Pfählen, zog Wurzelvorhänge″ ein und verzichtete auf den Bau der eigentlich vorgesehenen Tiefgarage. Die Buchen dankten es und lebten unbekümmert weiter. DBU-Generalsekretär Alexander Bonde, seit gut zwei Jahren im Amt, hat ihren Schatten bereits schätzen gelernt. Glücklich sind wir über den Erhalt der Buchengruppe, sie ist unsere natürliche Klimaanlage in den immer wärmer werdenden Sommern″, sagt er.

Erklärtes Ziel war es, neue Baumaterialien und - verfahren zu testen, deren Anwendung einem normalen″ Bauherrn seinerzeit wohl zu teuer und technisch riskant erschienen wäre. Für ganze Architektengenerationen sei das energie- und rohstoffschonende Bauen, wie es An der Bornau verwirklicht ist, zu einem Muster-Anschauungsobjekt geworden, sagt Bonde. Das meiste davon ist heute längst Standard und damit ein praktisches Beispiel dafür, wie Innovationen im Alltag wirken können.″ Für die DBU habe sich mannigfach die Möglichkeit ergeben, gewonnene Erfahrungen aus ihrem Selbstversuch″ in die eigene Fördertätigkeit einzubringen.

Innovationen, die damals in der Fachwelt viel beachtet wurden, waren etwa die Verwendung von Recyclingbeton in tragenden Wänden oder Schaumglas-Isolierstoff in Dach und Sohle. Die gewählte Dreifachverglasung mit Edelmetallbeschichtung lässt Sonnenwärme hinein, hält aber Heizwärme im Inneren zurück. Marmor und Granit sucht man vergeblich, stattdessen findet man Bodenplatten aus Recyclingbeton mit eingestreuten Splittern aus grünem Flaschenglas. Der Teppichboden ist kompostierbar, die Zellulose-Dämmung aus Altpapier hergestellt. Die Gebäudetechnik unterstützt minimalen Energieeinsatz, die sanft geschwungene Glasfassade verbindet fünf Rundbauten, die als Belichtungsschächte das Tageslicht optimal auffangen.

Mit der Einbeziehung der Möllerschen Villa von 1830 wurde auch ein Beispiel für ein harmonisches Miteinander von Alt und Neu, von Denkmalschutz und bauökologischem Hightech gesetzt. Weiterhin nicht zu unterschätzen: Wer so baut, schafft attraktive Arbeitsplätze und hat es leichter, gute Mitarbeiter zu finden und an sich zu binden, was angesichts eines zunehmenden Fachkräftemangels heute sogar noch wichtiger erscheint als vor 25 Jahren. Die Schreibtische der gut 90 DBU-Mitarbeiter stehen, so mag es einem vorkommen, mitten im Garten, das Laub der Buchen ist zum Greifen nahe.

Bei der Einweihungsfeier am 6. Mai 1995 verteidigte Hans Tietmeyer, Bundesbankchef und Vorsitzender des DBU-Stiftungskuratoriums, die Entscheidung von 1989, den Erlös aus dem Verkauf des bundeseigenen Salzgitter-Konzerns nicht im allgemeinen Bundeshaushalt verschwinden zu lassen, sondern mit den 2, 5 Milliarden DM eine Umweltstiftung aufzubauen und damit in die Zukunft zu investieren″.

Dass Osnabrück das große Glück hatte, den Sitz der DBU-Geschäftsstelle zugesprochen zu bekommen, wollte er nachträglich nicht kommentieren: In die inneren Angelegenheiten des Landes Niedersachsen mische ich mich lieber nicht ein.″ Er spielte damit auf das intensive Gerangel zwischen den Bewerberstädten an.

Heimat der Milliarden

Neben Osnabrück hätten auch Hannover, Salzgitter, Wolfenbüttel, Goslar, Peine, Braunschweig und Papenburg die DBU gerne bei sich aufgenommen. Obwohl Salzgitter als Heimat der Milliarden″ der Salzgitter-AG gute Startchancen hatte, machte Osnabrück bei der Kabinettsentscheidung im März 1990 das Rennen.

Letztlich ausschlaggebend war wohl die Regionalquote: Ostniedersachsen konnte bereits einige Bundeseinrichtungen vorweisen, Westniedersachsen keine einzige. Erster DBU-Generalsekretär wurde der Osnabrücker CDU-Politiker Fritz Brickwedde, der zuvor unter anderem Sprecher der niedersächsischen Landesregierung gewesen war.

2013 übergab er das Amt an seinen Parteifreund Heinrich Bottermann, der es bis 2017 ausübte. Mit Alexander Bonde nahm 2018 erstmals ein Grünen-Politiker auf dem Stuhl des DBU-Generalsekretärs Platz.

Bildtexte:
Das Richtfest für den DBU-Neubau am 15. Juli 1994 löst strahlende Gesichter bei (von links) Wolfgang Engelhardt (stellvertretender DBU-Kuratoriumsvorsitzender), Hans-Jürgen Fip (Oberbürgermeister) und Fritz Brickwedde (DBU-Generalsekretär) aus.
Erster Spatenstich am 17. September 1993 mit (von links) Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, Architekt Erich Schneider-Wessling, DBU-Generalsekretär Fritz Brickwedde und stellvertretendem DBU-Kuratoriumsvorsitzenden Wolfgang Engelhardt.
Ansicht vom Park im Mai 1995.
Blick auf die beiden südöstlichen Zylinder″ des DBU-Gebäudes.
Viel Grün hat mittlerweile die Fassaden erobert.
Fotos:
Archiv/ Hermann Pentermann, Klaus Lindemann, Strenger, Archiv/ DBU, Kerstin Heemann

Deutsche Bundesstiftung Umwelt

Die DBU gilt als die größte Umweltstiftung Europas. Ihr Stiftungskapital aus dem Privatisierungserlös der Salzgitter-AG betrug anfangs 1, 28 Milliarden Euro und ist mittlerweile auf 2, 2 Milliarden angewachsen. Aus den Kapitalerträgen wurden seit der Gründung 9941 Projekte mit mehr als 1, 8 Milliarden Euro gefördert. Der gesetzliche Auftrag lautet, Vorhaben zum Schutz der Umwelt unter besonderer Berücksichtigung kleiner und mittelständischer Unternehmungen in den Bereichen Umwelttechnik, Umweltforschung/ Naturschutz und Umweltkommunikation/ Kulturgüterschutz zu fördern. Das Tochterunternehmen DBU Naturerbe GmbH sichert 60 000 Hektar an großräumigen Naturflächen (Wälder, Offenland, Moore) langfristig für den Erhalt des heimischen Reichtums an Tier- und Pflanzenarten .

Einschließlich der Tochterunternehmen beschäftigt die DBU 150 Mitarbeiter.
Autor:
Joachim Dierks


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