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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Knochenarbeit im Wirtschaftswunderland
Zwischenüberschrift:
Von Bauarbeitern und Wackermännern: Straßenbau um 1960 in Osnabrück
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Eine Alltagsszene des Straßenbaus um 1960. Kaum einer wäre damals auf die Idee gekommen, die Kamera zu zücken, hätte er nicht Walter Fricke geheißen und wäre Zeitungsfotograf gewesen, der die Chronistenpflicht zu erfüllen hatte, von Baustellen zu berichten. Heute sieht man die Szene mit anderen Augen. Sie verrät uns viel vom Wandel der Technik im Straßenbau.

Zunächst zur lokalen Einordnung dieser Wall-Kreuzung: Der Friesenring (heute Konrad-Adenauer-Ring) kommt von links und setzt sich nach rechts in den Petersburger Wall fort. Der Blick geht vom nördlichen Pottgraben in seine südliche Fortsetzung, die ab der Einmündung der Schepelerstraße (bei der großen Baumgruppe) An der Petersburg heißt.

Istanbul″-Gemüseladen

Im linken Eckhaus (Friesenring 43) verkaufte damals Bäckermeister Konrad Ortmann Backwaren und Süßes aus der Konditorei. Das Martini-Reklameschild verrät, dass auch sonstige Lebensmittel im Angebot waren. Was das Adressbuch noch so alles hergibt: In den 50er-Jahren hatten in dem schlichten Mietshaus beziehungsweise den Hinterhofgebäuden eine Eierhandlung (Heinz Ellerbrake) und eine Papier- und Schreibwarenhandlung (Friedrich Wilhelm Plös) ihren Sitz.

Im Haus links neben Bäcker Ortmann (nicht im Bild) bekam man bei Heinrich Boberg Fleisch- und Wurstwaren. Die Nahversorgung an dieser wichtigen Straßenkreuzung klappte auch ohne Supermarkt und Tiefgarage. In den letzten Jahren war im Eckhaus Nr. 43 der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen eingemietet. Derzeit steht das Ladenlokal leer. Gegenüber in der rechten Bildhälfte steht der viergeschossige Neubau der Sozialen Wohnungsbaugenossenschaft Pottgraben 29/ 29 A. Im Ladengeschäft auf der Ecke hatte lange Jahre Istanbul Feinkost und Gemüse″ seinen Sitz. Heute trifft man dort auf die Fahrschule Hüseyin Celik und den Tauchreisen-Anbieter Yildirim.

Anlass für den Fotografen, diese Szene festzuhalten, war der Straßenbau. Um 1960 ging es dabei gar nicht so sehr viel anders zu als bei den alten Römern, wenn die ihre Verkehrswege pflasterten. Natursteine werden von Hand verlegt. In diesem Fall handelt es sich wahrscheinlich um Karbonquarzit aus dem Piesberg. Der Kipper-Lkw, ein Magirus-Rundhauber, lässt eine Ladung Steinsand oder Feinkies von der Ladefläche rutschen, die zur Einbettung der Steine dient. Wenn man die Köpfe auf diesem Wimmelbild″ einer Baustelle durchzählt, kommt man auf die stolze Menge von 14 Bauarbeitern, die mit dem Muldenkipper Steine heranschaffen, das Sandbett ebnen, mit Vermessungsstangen hantieren, Richtschnüre korrigieren, Steine versetzen und mit dem Rüttler verdichten.

Heute würde man auf so einer Baustelle drei bis vier Mann antreffen″, sagt dazu Jürgen Schmidt, langjähriger Leiter des städtischen Fachdienstes Straßenbau. Einheitliche Berufs- und Schutzkleidung war noch nicht angesagt, ein jeder trägt das, was er auch zu Hause im Garten anziehen würde. Nicht einmal Arbeitshandschuhe beim Verlegen der schweren Wackermänner″ sind zu sehen.

Im Bildvordergrund sieht die gepflasterte Fläche nach einem wilden Verband″ aus. Unmittelbar vor den Steinversetzern kann man den Eindruck gewinnen, dass sie die Steine im Segmentbogen verlegen. Dieses Verlegemuster geht auf die Armlänge und damit den Aktionsradius eines knienden Pflasterers zurück.

Knochenarbeit

Dass Straßenbau in der Art und Weise eine richtige Knochenarbeit war, leuchtet unmittelbar ein. Umso erstaunlicher scheint es, dass diese personalintensive und damit teure Bauweise noch in der Wirtschaftswunderzeit ausgeführt wurde. Asphaltstraßen setzten sich erst Anfang der 60er-Jahre mehr und mehr durch″, sagt Jürgen Schmidt. Asphalt war vergleichsweise teuer. Es gab zunächst nur Verteiler-Maschinen.

Erst mit dem Aufkommen der großen Straßenfertiger war auch ein gleichzeitiges Verdichten möglich. Aber bis weit in die 1960er-Jahre hinein war Natursteinpflaster der Standard auf Osnabrücks hochbelasteten Ausfall- und Ringstraßen. Mit allen Nachteilen wie etwa lauten Abrollgeräuschen, Nässeglätte und eingeschränkten Möglichkeiten, Fahrbahnmarkierungen aufzubringen. Später wurden verschiedentlich die Pflasterstraßen mit Gussasphalt übergossen, um eine durchgehende Deckschicht zu erreichen. Das war keine schlechte Lösung″, so Schmidt, das alte Pflaster darunter, das liegt wie eine Eins.″

Bildtexte:
Natursteinpflaster wurde um 1960 auch noch auf Osnabrücks Hauptverkehrsstraßen verlegt. Das Foto entstand auf der Kreuzung Petersburger Wall/ Pottgraben.
Asphaltdecken sind heute der Straßenbaustoff der Wahl. Natursteinpflaster findet sich fast nur noch in Altbau-Wohnstraßen und denkmalgeschützten Altstadt-Ensembles. Im Hintergrund ist die jüngst erneuerte Eisenbahnbrücke über der Straße An der Petersburg zu sehen.Asphaltdecken sind heute der Straßenbaustoff der Wahl. Natursteinpflaster findet sich fast nur noch in Altbau-Wohnstraßen und denkmalgeschützten Altstadt-Ensembles. Im Hintergrund ist die jüngst erneuerte Eisenbahnbrücke über der Straße An der Petersburg zu sehen.
Fotos:
Walter Fricke, Archiv Rolf Fricke, J. Dierks
Autor:
Joachim Dierks


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