User Online: 1 | Timeout: 22:51Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Moralinsaure Anklage
Zwischenüberschrift:
Leserbrief
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Zum Artikel Niederländer kratzen an Calmeyers Ruf″ und dem Kommentar Anklage steht auf tönernen Füßen″ von Sebastian Stricker (Ausgabe vom 15. April).

Vom baldigen Erscheinen eines niederländischen Filmes und begleitenden Buches ist seit einigen Monaten die Rede. Es musste vermutet werden, dass der Tenor identisch sein würde mit dem von namhaften Beiratsmitgliedern, die wegen Calmeyers angeblicher Ambivalenz Front gegen ein nach ihm benanntes Haus machen. Nach der Rezension des Redakteurs Sebastian Stricker hat sich diese Erwartung leider bestätigt.

Der Sprecher der Stadt, Sven Jürgensen, hatte in einer Stellungnahme vom Dezember 2019 schon hohe Verantwortung und Empathie der Ausstellungsmacher eingefordert, , wenngleich nur sehr wenige und alte Menschen unter uns leben, die nach der Entscheidung Calmeyers nicht mehr hätten leben dürfen, dennoch aber durch glückliche Umstände gerettet worden sind. Auch ihnen müssen wir in einem zukünftigen Calmeyer-Haus in die Augen schauen können.′ Der Schlüssel für eine künftige Ausstellung mit dieser Behutsamkeit findet sich bereits in der Biografie Calmeyers selbst, als er dem überlebenden jüdischen Historiker Jacques Presser in den 1960er-Jahren schrieb: , Jedes Handeln, jedes helfende Tun war ein zu Wenig, zu Wenig′ und in seinem ohnmächtigen Satz , Wer bin ich, dass ich über Leben und Tod entscheide?

Nach vorläufiger Einschätzung der holländischen Historikerin Petra van den Boomgard, die in ihrer Dissertation alle Fälle aus dem Archiv der NS-Entscheidungsstelle analysierte, erfolgte die Streichung des Mädchens Femma von der Liste der zu Verschonenden unter dem Diktat der Verdachts-Beobachtung durch zwei SS-Leute und einen mit den Nazis sympathisierenden Anthropologen unmöglich, anders zu entscheiden. Doch die Autorin Els van Diggele ist da knallhart-puristisch drauf: 3000 Juden und damit 65 Prozent aus dem Entscheidungspool Calmeyers zu retten reicht nicht. Ein anständiger Mensch ist man erst mit exakt 100 Prozent.

Redakteur Stricker kritisiert zu Recht, dass Film und Buch aus einem Einzelfall Schlüsse für eine moralinsaure Anklage ziehen mit spekulativ-unbewiesenen Etiketten wie , hat mit Menschenleben gespielt′ womit Frau van den Boomgard die Autorin bereits während deren Recherche konfrontierte. […]″

Harald Klausing
Osnabrück

Bildtext:
Szene aus dem Dokumentarfilm: Femma Flijsman-Swaaleps Sohn Henny protestiert in Osnabrück gegen Pläne für ein Hans-Calmeyer-Haus.
Foto:
Evangelische Omroep (EO)
Autor:
Harald Klausing


Anfang der Liste Ende der Liste