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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Polizei mit Wasserstoffauto auf Streife
Zwischenüberschrift:
Neue Antriebsart im Test / Fuhrpark der Osnabrücker Beamten wird immer grüner
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Aufmerksame Beobachter haben es vielleicht schon gesehen: Die Polizei Osnabrück ist neuerdings mit einem Wasserstoffauto auf Streife. Die ersten Einsätze hat das landesweit einmalige Testfahrzeug bereits hinter sich und die Ordnungshüter sind begeistert.

Das neuartige Polizeiauto vom Typ Hyundai Nexo fährt besonders leise und stößt keine schädlichen Abgase aus. Im Vergleich zu den meisten Elektroautos, die ihre Antriebskraft aus wiederaufladbaren Batterien ziehen, hat es auch eine vielfach höhere Reichweite. Denn statt eines Akkus befindet sich an Bord eine Brennstoffzelle: Sie erzeugt den zum Fahren benötigten Strom aus Wasserstoff (H2) und Umgebungsluft selbst. Aus dem Auspuff kommt deshalb nur Wasserdampf.

Die Osnabrücker Polizei ist die erste in Niedersachsen, die ein Auto mit reinem Wasserstoffantrieb im Streifendienst testet. Deutschlandweit kommen Fahrzeuge dieser Art bislang nur in Berlin zum Einsatz, wo die Polizei seit Ende Januar über zwei Toyota Mirai verfügt. Ein weiteres Auto mit Brennstoffzelle probiert die Polizei Hamburg aus: Der dort seit Herbst 2019 verwendete Streifenwagen, ein Mercedes-Benz GLC F-Cell, besitzt aber darüber hinaus noch einen Batterieantrieb.

Ich gehe fest davon aus, dass sich die Mobilität in der Polizei in den nächsten Jahren grundlegend verändern wird″, sagt Osnabrücks Polizeipräsident Michael Maßmann. Seine Behörde experimentiere bereits seit 2017 verstärkt mit umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Im Gebiet der Polizeidirektion Osnabrück, das vom Teutoburger Wald bis zu den Ostfriesischen Inseln reicht, würden bislang mehr als 20 Elektroautos, ein Dutzend Pedelecs, drei E-Motorräder sowie ein Elektro-Quad eingesetzt. Weitere 15 Stromfahrzeuge würden zurzeit beschafft. Maßmann: Mit dem Wasserstoff-Streifenwagen kommt nun ein zentraler Baustein hinzu, die polizeiliche Flotte in der Direktion klimafreundlicher zu gestalten und den Kohlendioxid-Ausstoß nachhaltig zu verringern.″

Vorbildfunktion

Verweisend auf die oftmals hohe Schadstoffbelastung in deutschen Innenstädten, unterstützt Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) den Osnabrücker Weg hin zu einem grüneren Polizei-Fuhrpark. Die Ordnungshüter hätten mit ihrer riesigen Fahrzeugflotte, die überall im Straßenbild sichtbar ist″, eine Vorbildfunktion. Auch das Land selbst nehme bei alternativen Antrieben eine Vorreiterrolle″ ein.

Eigentlich hätten Pistorius und Maßmann das landesweit einzigartige Wasserstoff-Polizeiauto deshalb gemeinsam der Öffentlichkeit vorstellen wollen. Doch die für März vorgesehene offizielle Präsentation wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Der Test in Osnabrück läuft trotzdem schon: Seit Kurzem wird der H2-Streifenwagen im regulären Einsatz- und Streifendienst gebraucht. Noch vor Ostern hatte er seine ersten 1000 Kilometer zurückgelegt. Die Polizisten zeigen sich angetan. Sie loben nicht nur das futuristische Design des Hyundai Nexo, sondern vor allem seine Fahreigenschaften und Ausstattungsmerkmale.

Man hat als Fahrer aufgrund der erhöhten Sitzposition und der 360-Grad-Kamera eine bessere Sicht auf das, was ringsum auf der Straße passiert. Das steigert nicht nur den Komfort, sondern auch die Verkehrssicherheit″, berichtet Polizeikommissar Maurice Hauke, einer von zwei sogenannten Wasserstoffauto-Themenpaten der Polizeiinspektion Osnabrück. Polizeikommissar Benjamin Buck ergänzt: Es wird interessant zu sehen, inwieweit es mit dem neuen Fahrzeug gelingt, den Umweltschutz in den polizeilichen Alltag zu integrieren.″

Eine hohe Verfügbarkeit des lokal emissionsfreien Wagens sieht die Behörde nach eigenen Angaben auch dadurch gewährleistet, dass sich eine geeignete Wasserstoff-Tankstelle direkt am Stadtrand befindet, nämlich an der A 30 bei Hasbergen-Gaste.

Zudem sei der Hyundai Nexo in Minutenschnelle aufgetankt im Gegensatz etwa zu den Plug-in-Hybriden unter den Osnabrücker Einsatz- und Streifenwagen, die mitunter stundenlang zum Nachladen an die Steckdose müssen.

Bund fördert Projekt

Nach Informationen unserer Redaktion kostete das Wasserstoffauto die Polizeidirektion Osnabrück in der Anschaffung gut 70 000 Euro. Fachleute der Behörde haben es im September 2019 auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt besichtigt und das Exponat wenig später gekauft. Anschließend wurde der Hyundai Nexo in einer Spezialwerkstatt in Oldenburg vom Serien- zum Streifenwagen umgebaut. Dazu gehörte neben der Montage von Blaulicht, Martinshorn und Funktechnik auch die Gestaltung der Karosse in den polizeitypischen Farben. Das Bundesverkehrsministerium fördert das H2-Projekt der Polizeidirektion Osnabrück mit 20 460 Euro. Das Geld stammt aus dem nationalen Innovationsprogramm Wasserstoff- und Brennstoffzellen-Technologie (NIP).

Bildtext:
Einer der bundesweit ersten Streifenwagen mit Wasserstoff-Antrieb ist jetzt in Osnabrück im Einsatz. Marco Ellermann (links), Sprecher der Polizeidirektion, und Polizeikommissar Benjamin Buck stellten das Fahrzeug vor.
Foto:
André Havergo

Technische Daten

Der für den Streifenwagen-Test der Osnabrücker Polizei vorgesehene Hyundai Nexo hat laut Hersteller eine Reichweite von 756 Kilometern (nach WLTP-Zyklus). Ein 120 Kilowatt (163 PS) starker Elektromotor beschleunigt den knapp 1, 9 Tonnen schweren Kombi (Kofferraumvolumen 461 Liter) in 9, 5 Sekunden von null auf Tempo 100. Das maximale Drehmoment liegt bei 395 Newtonmetern. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 179 Kilometer pro Stunde, der Verbrauch 840 Gramm Wasserstoff (H2) pro 100 Kilometer. In drei bis fünf Minuten ist das Fahrzeug voll getankt. Das zulässige Gesamtgewicht wird mit 2340 Kilogramm angegeben.
Autor:
Sebastian Stricker


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