User Online: 1 | Timeout: 16:46Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Überschrift:
Alte Dieselbusse entgiftet
Zwischenüberschrift:
Stickoxidfilter-Nachrüstung: Ist die Luft in Osnabrück jetzt rein?
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück Osnabrück kann wieder etwas befreiter aufatmen: Die Stadtwerke haben 27 alte Dieselbusse mit Stickoxid-Filtern ausgestattet. Die Nachrüstung der Katalysatoren dauerte zwar deutlich länger als geplant und war auch nicht gerade billig, aber sie soll die Luftqualität in der Stadt stark verbessern.

Welche Dieselbusse wurden umgerüstet? Wie die Stadtwerke Osnabrück (SWO) auf Anfrage unserer Redaktion mitteilen, handelt es sich bei den 27 umgerüsteten Dieselbussen um Fahrzeuge, die zwischen 2007 und 2011 gebaut wurden und die Abgasnorm Euro 5/ EEV erfüllen. Laut Umweltbundesamt stellte dies seinerzeit den anspruchsvollsten europäischen Abgasstandard für Busse und Lkw″ dar. Seit 2014 gilt bei Neuzulassungen die strengere Euro-6-Norm.

Wie funktioniert der Stickoxid-Filter? Die Abgasreinigung geschieht mittels SCR-Technologie. SCR steht für selektive katalytische Reduktion″ und meint die gezielte, fast vollständige Beseitigung von Stickoxiden (NOx) aus dem Abgas. Dazu wird dem durch die Verbrennung von Diesel verursachten Qualm noch im Abgasstrang eine wässrige Harnstofflösung (Ad-Blue) beigemischt. So entsteht Ammoniak, das in einer weiteren chemischen Reaktion die umwelt- und gesundheitsschädlichen Stickoxide in Wasser und harmlosen Stickstoff umwandelt.

Durch die Filternachrüstung entsteht SWO-Angaben zufolge zwar ein zwei bis drei Prozent höherer Dieselverbrauch pro Fahrzeug und ein drei bis fünf Prozent höherer Wartungsaufwand. Jedoch können mithilfe der Abgasreinigung 95 Prozent der Stickoxide (NOx), 75 Prozent der Rußpartikel sowie 35 Prozent der unverbrannten Kohlenwasserstoffe (HC) zurückgehalten werden, was faktisch zu einem Euro-6-Standard führe. Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereiches Umwelt und Klimaschutz der Stadt Osnabrück, stellt fest: Das sind beeindruckende Werte mit einer großen Wirkung auf die Luftqualität in der Stadt. Ich hoffe, dass wir damit aus der Fahrverbotsdiskussion raus sind.

Warum hat die Nachrüstung so lange gedauert? Eigentlich hätten die 27 ausgesuchten Dieselbusse in der Stadtwerke-Flotte längst umgerüstet sein sollen. Schließlich war mit der Firma HJS aus Menden im Sauerland ein spezialisierter Filterhersteller bereits im Sommer 2018 mit Lieferung und Einbau beauftragt worden. Aber die Industrie kam mit der Produktion der Filternachrüstsätze nicht hinterher″, erklärt Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes. Es habe knapp ein Jahr gedauert, bis die ersten 13 Fahrzeuge mit SCR-Kats ausgestattet waren. Der letzte der übrigen 14 Dieselbusse wurde im Februar 2020 mit der neuen Abgasreinigung versehen.

Besitzen die Stadtwerke nicht mehr als 27 alte Dieselbusse? Ja, das stimmt. Deshalb war ursprünglich auch geplant, 37 Fahrzeuge mit SCRT-Filtersystem nachzurüsten. Zehn davon werden aber noch 2020 wie vorgeschrieben gegen neue E-Gelenkbusse ausgetauscht. Eine Nachrüstung für nur wenige Betriebsmonate wäre nicht wirtschaftlich gewesen″, erklärt André Kränzke, Chef des Osnabrücker Verkehrsbetriebs. Mehr als eine halbe Million Euro haben die Stadtwerke in die Filternachrüstung investiert, gut 20 000 Euro je Dieselbus. 40 Prozent der Kosten werden durch das Sofortprogramm Saubere Luft″ des Bundes gedeckt.

Wenn jetzt alle Dieselbusse sauber sind, warum braucht Osnabrück dann noch Elektrobusse? Trotz der zeitlichen Verzögerung ist die Nachrüstung der Dieselbusse eine tragende Säule unseres Luftreinhalteplans″, betont Fachbereichsleiter Gerdts. Zentraler Hebel für die Verbesserung der Luftqualität in Osnabrück sei jedoch die kontinuierliche Elektrifizierung der Stadtwerke-Busflotte. Seit Ende März 2019 fährt die Metrobus-Linie M1 (Düstrup–Haste) mit Strom. Die Linien M2 (Hauptbahnhof–Landwehrviertel) und M3 (Schinkel-Ost–Sutthausen–Hagen) sollen 2020 folgen. Geplant ist, dass Ende 2021 auf allen fünf Metrobus-Linien insgesamt 62 E-Gelenkbusse verkehren. Von sämtlichen 93 Stadtwerke-Omnibussen wären dann nur noch drei mit Euro 5/ EEV-Abgasnorm unterwegs, aber keiner mit einem schlechteren Standard. Denn im Gegenzug werden bis voraussichtlich Ende 2024 insgesamt 68 Dieselbusse aus dem Verkehr gezogen. Darunter auch 23 der 27 nachgerüsteten Busse″, betont Kränzke. Die ältesten EEV-Fahrzeuge mit SCRT würden bereits 2021 ausgemustert.

Abgasarme Stadtwerke-Flotte schön und gut aber was ist mit den Bussen der VOS-Partner? Knapp 350 Linienbusse sind insgesamt regelmäßig im Osnabrücker Stadtgebiet im Einsatz darunter etwa 50 Busse von Unternehmen aus dem Nachbarkreis Steinfurt sowie gut 200 Busse der weiteren Partner in der Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS). Für schlechte Luft in Osnabrück war und ist die VOS-Partnerflotte aber nur bedingt verantwortlich. Erstens, weil bereits die knapp 100 Stadtwerke-Busse zusammen ungefähr 70 Prozent der Kilometerleistung im Netz erbringen. Zweitens, weil die VOS-Partnerflotte inzwischen zu mehr als der Hälfte aus abgasarmen Euro-6-Bussen besteht.

Hubert Borgelt, Geschäftsführer des VOS-Partners Schrage Reisen (Melle), sagt: Wir setzen in der VOS auf kontinuierliche Modernisierung unseres Fuhrparks und haben dafür in den vergangenen fünf Jahren rund 28 Millionen Euro investiert ganz ohne jegliche Förderung.″

Was sich außerdem positiv auf die Emissionswerte der VOS-Partnerflotte auswirke, sei die Tatsache, dass die Unternehmen einst bei der Beschaffung von Fahrzeugen mit Euro 5/ EEV-Standard einen Hersteller bevorzugten, dessen Busse bereits ab Werk über SCR-Technologie verfügen. Anders als den Osnabrücker Stadtwerken bleibe den übrigen VOS-Partnern damit eine Nachrüstung von Stickoxidfiltern erspart.

Bildtexte:
Die Verkehrsgemeinschaft Osnabrück (VOS) hat alle alten Dieselbusse nachträglich mit Filtern ausgestattet, die gefährliche Stickoxide im Abgas unschädlich machen. Unser Bild zeigt Verantwortliche von VOS und Stadt Osnabrück vor einem umgerüsteten Fahrzeug in der Buswerkstatt der Stadtwerke Osnabrück.
Auf der linken Fahrzeugseite, direkt hinter den Zwillingsreifen, wurde bei diesem Dieselbus der sogenannte SCRT-Filter eingebaut. Man erkennt ihn an den beiden silberfarbenen, noch glänzenden Kästen (oben Kat, unten Schalldämpfer). Unter der Heckklappe befindet sich das zugehörige Steuergerät. Es sitzt knapp über dem Stoßfänger und ist etwa so groß wie ein Schuhkarton.
Auf der rechten, hinteren Fahrzeugseite wurde der Ad-Blue-Tank eingebaut. Die aus Harnstoff bestehende Flüssigkeit wird benötigt, um Stickoxide aus dem Abgas zu filtern. Der Behälter fasst ungefähr zehn Liter und wird täglich neu aufgefüllt.
Schluss mit ungefilterten Dieselbus-Abgasen in Osnabrück: Die Stadtwerke haben mehr als zwei Dutzend Fahrzeuge älteren Baujahrs mit besonders leistungsfähigen Katalysatoren nachgerüstet, die vor allem gefährliche Stickoxide zurückhalten.
Fotos:
Jörn Martens, Sebastian Stricker

Kommentar
Ende der Stinker und Dreckschleudern

Weil Grenzwerte für Luftschadstoffe insbesondere am größten Knotenpunkt Neumarkt Jahr für Jahr gerissen wurden, haben alte Dieselbusse jetzt entweder wirksame Filter verpasst bekommen oder werden gleich ganz durch möglichst emissionsarme Neufahrzeuge ersetzt. Die Stadtwerke als größter VOS-Partner nehmen dafür wenngleich mit freundlicher Unterstützung von Bund und Land zig Millionen Euro in die Hand. Der dickste Batzen geht dabei für die vollständige Elektrifizierung der fünf wichtigsten Linien drauf. Aber auch die Nachrüstung einer Vielzahl von Omnibus-Dinos mit sogenannten SCR-Katalysatoren, die gefährliche Stickoxide im Abgas unschädlich machen, kostet das Unternehmen mehrere Hunderttausend Euro.

Zwar mag es betriebswirtschaftlich fragwürdig erscheinen, solche Summen in den Umbau von Fahrzeugen zu stecken, deren Tage ohnedies gezählt sind. Das Geld spielen diese Busse ja nie wieder ein. Doch volkswirtschaftlich dürfte die Rechnung aufgehen, handelt es sich doch um eine Investition in eine bessere Umwelt und damit um eine Investition in unser aller Gesundheit.

Gar nicht hoch genug zu schätzen ist in diesem Zusammenhang das Engagement der anderen, kleinen und oft inhabergeführten Verkehrsunternehmen in der VOS. Sie haben in den vergangenen Jahren ebenfalls jede Menge ausgegeben für Dieselbusse mit besonders sauberem Antrieb. Und das aus eigener finanzieller Kraft wohlgemerkt, denn der Zugang zu öffentlichen Fördertöpfen bleibt den privaten Firmen verschlossen. s.stricker@ noz.de
Autor:
Sebastian Stricker


Anfang der Liste Ende der Liste